China verstehen : Dialekte

Wir erklären das Gastgeberland, die letzte Folge: Ein Zungenbrecher auf Chinesisch.

Benedikt Voigt[Peking]
Peking 2008 - Veranstaltungen
Verstehen Sie? In China gibt es sehr viele Dialekte.Foto: dpa

Wer als Ausländer in China Eindruck schinden will, sollte sich einen Zungenbrecher merken. Oft sind die auch für Muttersprachler nicht leicht auszusprechen. Einer geht zum Beispiel so: Mama qi ma, ma man, mama ma ma. Wenn man alles richtig betont, bedeutet dieser Satz: Mama reitet auf einem Pferd, das Pferd ist langsam, Mama schimpft das Pferd aus. Das Problem für Ausländer ist allerdings genau das – die richtige Betonung.

Hochchinesisch sprechen 875 Millionen Menschen

Die chinesische Hochsprache kennt vor allem vier Töne. Je nach Ton kann die Silbe „ma“ vier verschiedene Bedeutungen haben. Ein hohes „ma“ bedeutet: Mutter; ein „ma“ mit einem steigenden Ton bedeutet: Hanf; ein „ma“ mit einem fallenden und anschließend steigenden Ton heißt Pferd; ein „ma“ mit einem fallenden Ton bedeutet: schimpfen. Für Chinesisch-Schüler sind die Töne oft schwierig, denn sie müssen sich nicht nur einzelne Silben einprägen, sondern auch den dazugehörigen Ton. Noch schwieriger: Manche Silben haben den gleichen Ton und trotzdem eine andere Bedeutung. Sie sind nur im Zusammenhang zu unterscheiden. Doch es gibt Trost für frustrierte Mandarin-Schüler: Würden sie Kantonesisch lernen, müssten sie neun Töne unterscheiden können.
In China gibt es insgesamt acht Sprachen oder Dialektgruppen. Nur eine davon ist das Hochchinesisch beziehungsweise Mandarin, das von 875 Millionen Menschen gesprochen wird. In Shanghai gilt der Wu-Dialekt, in Hongkong und Kanton spricht man Kantonesisch. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche lokale Dialekte, die von den übrigen Chinesen nur schwer oder gar nicht verstanden werden können. Doch alle diese Sprachen haben eines gemeinsam: die Schrift. Das ist auch der Grund, warum im chinesischen Fernsehen viele Filme untertitelt werden. So können alle Chinesen sie verstehen, auch wenn der Film in einem der Dialekte synchronisiert ist.

Seit 1955 müssen alle chinesischen Schüler die Hochsprache, die auch „Putonghua“ genannt wird, lernen. Seit 1997 ist Hongkong keine britische Kronkolonie mehr, seither wird Putonghua auch dort vermehrt gesprochen. Zudem hat die kommunistische Regierung 1956 die Pinyin-Umschrift eingeführt, die phonetische Umschrift chinesischer Zeichen in das lateinische Alphabet – eine Maßnahme, die westlichen Chinesisch-Schülern das Lernen sehr erleichtert. Schließlich hat die Volksrepublik China auch noch die Schriftzeichen vereinfacht, was jedoch aus politischen Gründen nicht überall mitgemacht wird. In Hongkong, Macao und Taiwan gelten weiterhin traditionelle Zeichen.

Es gibt mehr als 50 000 Schriftzeichen

Für Anfänger sind die Schriftzeichen eine weitere Hürde. Sie müssen einzeln gelernt werden. In China gibt es mehr als 50 000 Zeichen, ein modernes Lexikon beinhaltet zirka 10 000 Zeichen. Wer eine Zeitung lesen will, sollte rund 3000 der gebräuchlichsten Zeichen beherrschen. Aber es gibt auch Vorteile der chinesischen Sprache: So ist die Grammatik einfach. Es gibt keine Artikel, Zeiten, Geschlechtsformen, Plural oder Verb-Beugungen. „Ni shi Beijing ren“ heißt: „Du sein Peking Mensch“ beziehungsweise „Du bist aus Peking“.

Wer an den Satz noch das Fragewort „ma“ anfügt, erhält die Bedeutung: „Bist du aus Peking?“ Das ist übrigens eine weitere Bedeutung der Silbe „ma“. Sie wird im fünften Ton ausgesprochen. Und der ist – neutral.

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