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Chinesin Li gewinnt Australian Open : Frech macht reich

Zwei mal hatte die Chinesin Li Na bereits das Endspiel der Australian Open verloren – beim dritten Versuch gelang ihr nun endlich der Triumph. Anschließend hielt sie eine ihrer gefürchteten Siegesreden.

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Danke für den Scheck. Li Na ist laut Forbes-Liste die zweitbestverdienende Sportlerin weltweit. Für den Sieg in Melbourne strich die Chinesin knapp zwei Millionen Euro ein.
Danke für den Scheck. Li Na ist laut Forbes-Liste die zweitbestverdienende Sportlerin weltweit. Für den Sieg in Melbourne strich...Foto: Imago

Als Li Na schließlich ans Mikrofon trat, ging ein freudiges Raunen durch die Rod-Laver-Arena. Viele lachten schon, denn sie wussten genau, was nun kommen würde. Sie kennen die kesse 31-jährige Chinesin im Melbourne Park viel zu gut – und sie lieben sie für ihr freches Mundwerk. Denn regelmäßig bekommt vor allem ihr Gatte Jiang Shan sein Fett weg. Dass er viel zu dick sei und außerdem fürchterlich schnarche, hatte Li Na der Welt längst ausführlich mitgeteilt und sich mit dem Publikum köstlich darüber amüsiert. Jiang Shan ist ein sehr genügsamer Zeitgenosse, doch in den letzten zwei Wochen hatte er die Tribüne stets vor den Reden seiner Frau verlassen und lieber vor dem Stadion eine geraucht. Nach diesem Finale jedoch gab es für ihn kein Entkommen und Li Na schlug wieder genauso bissig zu wie zuvor bei ihrem 7:6- und 6:0-Erfolg über die Slowakin Dominika Cibulkova.

„Danke, dass du mich so reich gemacht hast“, rief Li Na aber zuerst fröhlich ihrem Manager zu, der sich über den Siegerscheck von knapp zwei Millionen Euro wohl ebenso freute wie sie. Max Eisenbud hatte die Chinesin zu einer Marke gemacht, sie jüngst auf Platz zwei der Forbes-Liste der bestverdienenden Sportlerinnen geführt, hinter seiner anderen Klientin Maria Scharapowa. Das Publikum johlte. Weiter ging ihr Dank an ihren Trainer Carlos Rodriguez, der schon Justine Henin zum Erfolg geführt hatte. „Dass du mich im Winter so gequält hast“, dafür sei sie ihm nun doch verbunden, obwohl sie ihn während des harten Trainings so oft verflucht hatte. Aber die größere Fitness, das gestärkte Selbstvertrauen hatte ihr nun in Melbourne im dritten Anlauf erstmals den Titel eingebracht.

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Und dann kam er endlich dran, als Letzter. „Du bist jetzt der berühmteste Ehemann in China“, sagte sie lachend und Jiang Shan versuchte mitzulachen. Was blieb ihm übrig. „Er ist mein Hittingpartner, er holt meine Getränke, bespannt meine Schläger – er macht alles“, zählte sie auf, als sei er mehr Angestellter als Gatte. „Danke, du bist ein netter Kerl“, rief sie ihm zu, aber sie war noch nicht fertig: „Du hast so viel Glück, dass du mich gefunden hast!“ Die Zuschauer grölten, doch mancher mag ihre Worte angezweifelt haben. Nach dem Matchball war Li Na hinüber zu ihrer Box gelaufen, aber wer geglaubt hatte, sie würde Jiang Shan küssend um den Hals fallen, kennt die Chinesin schlecht. Ein höflicher Händedruck war alles, was er von ihr bekam. Dazu noch die Aufforderung, ihr doch nun bitte ein schönes Geschenk zu kaufen, das sie sich natürlich selbst aussuchen würde. Zum morgigen Hochzeitstag, es ist der achte im Hause Li. Und so scheint diese Verbindung auf ihre eigene Art doch zu funktionieren. „Dass er nicht mehr mein Trainer ist, hat unsere Ehe gerettet“, stellte sie kürzlich fest.

Nun war es der verbale Clinch, der die Zuschauer mehr amüsierte als der Schlagabtausch mit Cibulkova. Die Nummer 20 der Welt hatte ein bemerkenswertes Turnier gespielt, war in ihrem ersten Grand-Slam-Finale jedoch schlicht überfordert. Dass Li Na im ersten Satz selbst noch nervös war, machte den Spielstand enger als nötig. Nach dem Gewinn des Tiebreaks fiel sichtlich der Druck von ihrem Schultern ab, und sie überrollte die Slowakin danach förmlich. „Sie war viel besser als ich heute“, lobte Cibulkova und die Tränen liefen ihr übers Gesicht, „aber ich bin so stolz, dass ich für mein Land so weit gekommen bin.“

Als erste Slowakin hatte sie es in ein Major-Endspiel geschafft. Von ihren fünf Millionen Landsleuten hatten etliche ihren furiosen Lauf bei den Australian Open verfolgt. Bei Li Na war das Echo sogar noch heftiger gewesen, als sie 2011 bei den French Open triumphierte. Damals saßen gut 400 Millionen Chinesen vor dem Fernseher. Mit dem Hype, der sich danach entwickelte, kam sie lange nicht klar. Nun hat Li Na ihr Umfeld perfekt für sich positioniert, wirkt stärker als je zuvor – und das mit fast 32 Jahren. „Ich bin nicht alt“, stellte sie lachend klar: „Alter bedeutet gar nichts.“ Niemand wollte ihr widersprechen. Jiang Shan schon gar nicht.

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