Christian Beeck : "Das steckt kein Zweitligist einfach so weg"

Unions Teammanager Christian Beeck spricht im Interview über Verletzungen, Abstiegskampf und den Fall Younga-Mouhani.

Christian Beeck, 38, ist seit 2005 Teammanager beim 1. FC Union. Von 1999 bis 2005 spielte Beeck für Energie Cottbus, Unions Gegner am Montag.
Christian Beeck, 38, ist seit 2005 Teammanager beim 1. FC Union. Von 1999 bis 2005 spielte Beeck für Energie Cottbus, Unions...Foto: p-a/Eibner

Herr Beeck, hinter Ihnen liegen turbulente Tage. Hat es Sie überrascht, wie heftig die Reaktionen auf das Foul von Macchambes Younga-Mouhani gegen den Bochumer Matias Concha ausfielen?

Keine Sekunde. Unsere Gesellschaft ist leider so geworden. Wenn man einen Menschen an den Pranger stellen kann, wird das auch getan. Unser Spieler hat sich sehr zeitnah mehrmals dafür entschuldigt. Dass Concha sich so schwer verletzt hat, tut ihm wirklich leid. Doch anstatt diese Entschuldigung ernst zu nehmen, wurde lieber eine Hetzkampagne gegen Younga-Mouhani gestartet.

Die Fernsehbilder von Younga-Mouhanis Einsteigen sehen brutal aus.

Das stimmt. Ich möchte die Schwere der Verletzung auch gar nicht wegreden. Im Gegenteil: Wir bedauern zutiefst, dass sich Concha das Schien- und Wadenbein gebrochen hat. Aber solche Verletzungen gibt es im Fußball leider immer wieder.

Nach dem Spiel gegen Bochum gab Younga-Mouhani Interviews, in denen er die Geschehnisse als Berufsrisiko darstellte. Er sagte: „Das ist Fußball.“

Mac ist der deutschen Sprache nicht zu einhundert Prozent mächtig. Er lebt zwar schon einige Jahre hier, aber seine Muttersprache ist Französisch. Er hat das anders gemeint, als es rüberkam.

Hätte man den Spieler nicht besser schützen müssen, wenn er Probleme mit der Sprache hat?

Der Spieler hat sich mit seiner ehrlichen Art und Weise bemerkenswert verhalten. Ein Schutz des Spielers war nicht nötig, da er kein Verbrechen begangen hat, sondern eine Zweikampfsituation sehr tragisch geendet ist.

Bei Union trafen in den letzten Tage viele Mails ein, in denen Younga-Mouhani rassistisch beleidigt wurde.

Wer glaubt, dass es in Deutschland keinen Rassismus mehr gibt, ist ein Träumer. Rassismus ist leider nicht nur ein Problem im Fußball, sondern auch in anderen Gesellschaftsteilen. Was die Mails betrifft: Das ist einfach nur traurig und beschämend.

Die Aufregung um Younga-Mouhani kam zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Sportlich steckt Ihre Mannschaft in einer schwierigen Phase.

Wir befinden uns im Abstiegskampf, das ist richtig. Natürlich haben wir uns die Saison sportlich anders vorgestellt, aber es gibt mehrere Gründe, warum wir jetzt da stehen, wo wir stehen.

Die wären?

Im Verlauf der Saison wurde die Liste der Verletzten immer länger. Das heißt am Ende, dass der Trainer immer wieder gezwungen wurde, die Mannschaft umzustellen. Da stellen sich nur schwer Automatismen ein. Unter den acht Spielern, die uns gerade fehlen, sind einige eingeplante Leistungsträger. Das steckt kein Team in der Zweiten Liga einfach so weg.

Im Sommer wurde der Kader verstärkt. Von den neuen Spieler hat sich aber nur Ahmed Madouni durchgesetzt. Muss man von verfehlter Transferpolitik sprechen?

Das zu bewerten bedarf einer anderen Plattform, denn jeder verpflichtete Spieler hat seine eigene Geschichte. Es ist schwer genug, weil einige jetzt geneigt sind, die Krise an ihnen festzumachen. Das ist aber grundsätzlich falsch, und ich werde das auch nicht tun.

Müssen Sie sich im Winter verstärken?

Wir haben in den vergangenen Jahren in den Transferperioden immer darauf geachtet, im Rahmen unserer Möglichkeiten Verbesserungen vorzunehmen. Daran wird sich auch nichts ändern.

Vor allem im Angriff hatten Sie in der ganzen Hinrunde Probleme. Werden Sie im Winter einen neuen Stürmer verpflichten?

Zu all diesen Dingen werde ich mich nicht öffentlich äußern. War aber ein netter Versuch!

Was würde ein Abstieg finanziell für den Verein bedeuten? Muss man im Winter alle Anstrengungen in Kauf nehmen, um den Abstieg zu verhindern?

Dazu muss man nur mal unsere Etats aus der Zweiten Liga und der Dritten Liga vergleichen. Das Präsidium wird für den Klassenerhalt an die Grenze des wirtschaftlich Machbaren gehen, so viel ist sicher.

Ihr Aufgabengebiet hat sich in dieser Saison erweitert. Als Teammanager wirken Sie mehr an den Schreibtisch gebunden und nicht mehr so nah am Geschehen.

Ich bin genau so nah an der Mannschaft wie immer. Aber es stimmt, dass ich mich etwas aus der Öffentlichkeit zurückgezogen habe. Ich muss nicht jeden Tag in der Zeitung stehen. Es reicht, wenn einer die sportlichen Dinge bewertet. Das ist bei uns der Trainer.

Wie ist ihr Verhältnis zu Uwe Neuhaus?

Professionell in unseren Arbeitsbereichen, so wie immer seit dreieinhalb Jahren.

Am Montag spielt Union in Cottbus, wo Sie sechs Jahre als Profi unter Vertrag standen. Wie intensiv verfolgen Sie die Entwicklung des Klubs?

Ich bin recht gut informiert, was gerade in Cottbus passiert. Die Cottbuser haben eine junge Mannschaft und spielen erfolgreich. Ich freue mich für Cottbus.

Das Gespräch führte Sebastian Stier.

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