Christian Ehrhoff : "Eine Schlägerei gehört dazu"

Eishockey-Nationalspieler Christian Ehrhoff spricht mit dem Tagesspiegel über die NHL – und Olympia.

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Seit Jahren in der NHL glücklich. Christian Ehrhoff.Foto: dpa

Herr Ehrhoff, werden Sie bei den Olympischen Spielen einen Heimvorteil haben, weil Sie als Deutscher für die Vancouver Canucks spielen?



Ich glaube nicht. Ich werde sicherlich das Stadion gut kennen, aber die Zuschauer werden dann wohl doch eher für Kanada sein (lacht).

Was rechnen Sie sich für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei Olympia aus?


Wir haben natürlich eine Außenseiterrolle. Unser härtester Gegner in unserer Gruppe sind die Schweden, die kommen als Olympiasieger der letzten Spiele in Turin. Die Finnen sind auch sehr stark. Insgesamt wird es beim Turnier wohl keine leichten Gegner geben.

Wahrscheinlich werden Sie auch gegen Ihre eigenen Teamkollegen aus Vancouver spielen müssen.

Da wird genauso gespielt wie gegen jeden anderen. Auf dem Eis gibt es nunmal keine Freunde, danach kann man trotzdem wieder ein Bier trinken gehen.

Vor den Vancouver Canucks und den San José Sharks haben Sie für die Krefeld Pinguine gespielt. Wo hat es Ihnen bisher am besten gefallen?


Krefeld war wie ein Traum für mich, weil ich da groß geworden bin und dort durch die ganzen Jugendabteilungen gegangen bin. Als ich dann nach San José gekommen bin, war ich einfach nur glücklich, endlich in der National Hockey League dabei zu sein. Dort habe ich mich sehr wohl gefühlt – genauso wohl fühle ich mich aber in Vancouver – auch wenn es hier viel mehr regnet. Dafür ist die Stadt an sich schöner. Mit dem Stanley Park, Granville Island, und dem Wasser lässt sich Vancouver am ehesten mit San Francisco vergleichen.

Haben Sie auch Mentalitätsunterschiede auf dem Eis zwischen Kanada und den USA festgestellt?

Auf jeden Fall, wenn es ums Eishockey geht. Das ist hier in Kanada die Nummer eins. Solch einen Medienrummel wie hier gibt es nirgendwo anders. In San José waren die Fans zwar auch zahlreich da, aber es war eher Nebensache. Da kam nach dem Spiel vielleicht ein Reporter von der Lokalzeitung in die Kabine. Hier in Kanada sind es dann gleich fünf Reporter und mehrere Fernsehteams.

Was läuft im Training anders?

In Kalifornien und Kanada läuft es ähnlich ab, aber im Vergleich zu Deutschland haben wir hier zwei Fitnesstrainer, die speziell für uns zuständig sind und Krafttraining mit uns machen. In Deutschland gab es dafür kein Geld.

Gibt es Unterschiede in der Spielkultur?

San José und Vancouver spielen ja in der gleichen Liga, insofern gibt es keine großen Unterschiede. Im Vergleich zu Deutschland ist die Eisfläche hier viel kleiner und es wird mehr gecheckt, also mit viel mehr Körpereinsatz gespielt. Das macht das Spiel härter und schneller.

Die Kanadier schlagen auch eher mal auf dem Eis zu.

Hier gibt es wirklich viele Schlägereien. Da bekommt man fünf Minuten Strafzeit, aber mehr nicht. In Deutschland wäre man raus aus dem Spiel, wenn man in eine Schlägerei gerät. Aber hier gehört das dazu.

Wie kommen Sie damit zurecht?

Ich prügle mich nicht so gern. Ich glaube, ich hatte insgesamt erst zwei Prügeleien. Das ist nicht unbedingt mein Job im Team.

Würden Sie nach Deutschland in die DEL zurückgehen?

Nein, ich lebe hier meinen Traum. Das nordamerikanische Eishockey ist nicht zu vergleichen mit dem deutschen, allein schon vom Gehalt. Ich möchte so lange wie es geht in der NHL spielen. Das ist die beste Liga der Welt.

Das Gespräch führte Ulrike Pape.

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