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Christian Ehrhoff im Interview : „Als ich in die Halle einlief, hatte ich Gänsehaut“

Eishockey-Star Christian Ehrhoff über seine Rückkehr nach Krefeld, den Tarifstreit in den USA und seine Erinnerungen an Berlin.

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Zurück in der Heimat. Christian Ehrhoff.
Zurück in der Heimat. Christian Ehrhoff.Foto: dpa

Herr Ehrhoff, Können Sie sich an Ihr letztes Duell mit den Eisbären Berlin erinnern?

Natürlich. Es war im Halbfinale 2003, eine spannende, umkämpfte Serie, in der wir uns am Ende 3:1 durchgesetzt haben. Glaube ich jedenfalls.

Korrekt. Sie haben in dem Jahr dann auch mit Krefeld die Meisterschaft gewonnen.

Der Erfolg gegen die Eisbären war der Schlüssel zum Titel, das hat uns damals unheimlich viel Selbstvertrauen gegeben. Leider ist es bis heute die einzige Meisterschaft, die ich gewinnen konnte.

Sie sind danach als 21-Jähriger in die USA gewechselt und haben neun Jahre in der National Hockey League (NHL) gespielt.

Der Abschied ist mir nicht leicht gefallen, wir hatten grad die Meisterschaft gewonnen. Diese Bilder werde ich immer im Kopf behalten. Aber wenn ein Angebot aus der NHL kommt, gerät man natürlich ins Grübeln. Es war im Rückblick auf jeden Fall der richtige Schritt.

Nun hat die NHL kürzlich ihre Spieler ausgesperrt, die Saison droht auszufallen. Sie waren einer der ersten Spieler, die einen neuen, in diesem Fall alten Verein gefunden haben: Krefeld.

Krefeld ist meine Heimat, ich lebe in der Sommerpause hier und trainiere dann mit den Pinguinen. Ich kenne die Umgebung und alle Spieler. Deswegen kam für mich eigentlich auch nur Krefeld in Frage. Ich bin dann auch sehr herzlich empfangen worden, sowohl von den Mitspielern als auch von den Fans. Als ich zum ersten Mal in die Halle eingelaufen bin, hatte ich Gänsehaut.

Wollen sich Ihre Teamkollegen von den Buffalo Sabres auch in Europa fithalten?

Grundsätzlich wollen natürlich alle ihrem Beruf nachgehen, aber die Situation ist kompliziert. Viele Jungs warten erstmal ab, weil im Tarifstreit eine kurzfristige Einigung nicht ausgeschlossen ist. Aber je länger der Lockout dauert, desto mehr Spieler werden nach Europa kommen.

Wie beurteilt denn die Öffentlichkeit in den USA die Situation?

Für mich sieht es so aus, als hätte die Liga durchaus eingeplant, dass die Saison mit Verspätung beginnt. Beim letzten Lockout 2004 waren eher die Spieler die Buhmänner, in diesem Jahr stellen sich die Leute ganz klar auf unsere Seite. Die Liga hat großspurig Rekordeinnahmen und Rekord-Zuschauerzahlen verkündet – und die Spieler dann wenige Wochen später ausgesperrt. Dafür haben die Fans kein Verständnis. Seit ein paar Tagen laufen nun wenigstens wieder die Verhandlungen, das ist ein positives Zeichen.

Sie haben in den USA einen Rentenvertrag. Können Sie sich trotzdem vorstellen, Ihre Karriere in Krefeld zu beenden?

Mein Vertrag läuft noch neun Jahre, das ist eine lange Zeit, zumal ich noch nicht über das Karriereende nachdenken möchte. Aber ausschließen will ich es nicht.

Im Mai findet in Finnland die Eishockey-WM statt. Mit Christian Ehrhoff im deutschen Trikot?

Ich kenne den neuen Bundestrainer Pat Cortina zwar noch nicht persönlich, habe von befreundeten Spielern aber gehört, dass sie sehr angetan von ihm waren. Wenn ich die Möglichkeit habe und fit bin, werde ich für Deutschland spielen. Das hängt in erster Linie von der Entwicklung in den USA ab. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass der Lockout ein ganzes Jahr anhalten wird.

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