Sport : Christian Vander

Wie Bochums Torwart das Spiel gegen Mainz erlebte

Richard Leipold

Die schlechteste Nachricht vor dem so genannten Endspiel gegen den FSV Mainz 05 erreichte den VfL Bochum schon vor einer Woche, während der Partie in München: Wegen einer Roten Karte ist Stammtorwart Rein van Duijnhoven gesperrt. Christian Vander würde ihn vertreten müssen. Der Bochumer Cheftrainer Peter Neururer, ein Fußball- und Nachrichtenverkäufer der besonderen Art, tat in der Öffentlichkeit so, als wäre nichts geschehen, als wäre der Ausfall der Nummer eins vor dem ultimativen Abstiegskick gegen Mainz nur eine Fußnote. Was die Sperre bedeutet? „Rein gar nichts“, behauptete der Neururer. „Vander hat seine Bundesligatauglichkeit mehrmals unter Beweis gestellt, er genießt unser hundertprozentiges Vertrauen.“

Falls Christian Vander bei wohlwollender Betrachtung je als Torwart mit Befähigung für Spiele der erste Liga galt, hat er diesen Eindruck beim 2:6 gegen Mainz 05 eindrucksvoll widerlegt. In heikler Lage war er seinen desolaten Mitstreitern nicht nur kein Rückhalt – er verunsicherte sie zusätzlich, und zwar von Anfang an. Bei einem Freistoß von Antonio da Silva aus dreißig Metern und bei einem harmlosen Schuss von Benjamin Weigelt wirkte er besonders hilflos. An Hilfe oder moralische Aufbauarbeit war nicht zu denken. Die Bochumer Fans hatten nur noch Hohn und Spott für ihn übrig. Manche klatschten Beifall, wenn er die einfachsten Bälle hielt oder vom Gegner angeschossen wurde. Andere riefen „Vander raus!“ Neururer zeigte für diese Reaktionen kein Verständnis, musste aber zugeben, dass dem Torhüter „zweifelsfrei der eine oder andere Fehler unterlaufen ist“.

An diesem Bochumer Unglückstag wurde Vander zur Symbolfigur des Niedergangs, der aller Voraussicht nach in den fünften Abstieg des Vereins aus der Fußball-Bundesliga münden wird. „Er ist eine unserer tragischen Figuren“, sagte Neururer. Der Trainer hatte Vander stets stark zu reden versucht – auch wenn es dazu in dieser Saison wenig Grund gab. Wenn der Glaube an diesen Torhüter ohne herausragende Stärke mit ihm durchging, fühlte Neururer sich sogar an den „jungen Jens Lehmann erinnert“. Nationalspieler Lehmann, in jungen Jahren Torwart des FC Schalke, fuhr einst mit der Straßenbahn nach Hause, weil er nach einer desaströsen Leistung ausgewechselt worden war. Vander indes musste sein Waterloo gegen Mainz bis zum Schluss ertragen. Kein Taxi und keine Straßenbahn kam vorgefahren, um ihn zu erlösen. Wo Mitleid oder Güte angebracht gewesen wären, haben die Fans ihn niedergemacht. Christian Vander war am Samstag einfach zur falschen Zeit am falschen Ort – im Tor des VfL Bochum.

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