Sport : Christoph Daum: 63 Mal eingekauft

Christoph Daum ist von seiner Drogen-Vergangenheit eingeholt worden und muss um seine Zukunft als Fußball-Trainer bangen. In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Koblenz gegen den 47-jährigen Ex-Cheftrainer von Bundesligist Bayer Leverkusen wird ihm der unerlaubte Erwerb von Kokain in 63 Fällen vorgeworfen. Dies teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Erich Jung mit. Im Falle einer Verurteilung wegen illegalen Besitzes von Drogen drohen Daum bis zu fünf Jahren Haft oder eine Geldstrafe. Daum, derzeit Trainer des türkischen Erstligisten Besiktas Istanbul, glaubt trotz der konkreten Anschuldigungen, den Prozess glimpflich zu überstehen. "Es wird sich zeigen, dass ich nur das kleinste Rad am Wagen war. Ich gehe davon aus, dass das Verfahren eingestellt wird", sagte Daum, der im Juni wieder Vater wird.

Eine Verurteilung könnte zudem eine Bestrafung durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach sich ziehen. Falls Daum nachgewiesen werden könnte, dass er während eines Spiels oder Trainings unter Drogen-Einfluss stand, reicht der Strafenkatalog von dem Entzug der Trainerlizenz bis zu einer hohen Geldstrafe.

Zum Thema Online Spezial: Die Affäre Daum im Rückblick Scharfe Kritik am Vorgehen der Koblenzer Staatsanwaltschaft äußerte der Rechtsanwalt von Daum, Thomas Stankewitz. "Die gefährliche Mischung zwischen einem falschen Gutachten und der verlockenden Aussicht auf Medieninteresse führt zu einem solch absurden Anklageergebnis", hieß es in einer Erklärung. Danach stütze sich die Staatsanwaltschaft auf ein "inhaltlich falsches Gutachten" des gerichtsmedizinischen Instituts Köln zur angeblich positiven Haaranalyse Daums. Es galt als Beweis für die Kokain-Einnahme des Trainers.

Die Staatsanwaltschaft habe das Kölner Gutachten in München mit dem Ergebnis überprüft, dass bereits "bei oberflächlicher Betrachtung Verfahrensfehler im Analysegang nachweisbar" seien. Dies hätte auch ein von Daum selbst eingeholtes Gutachten des bestätigt. Auch Ermittlungsergebnisse der Verteidigung seien nicht übernommen worden. Oberstaatsanwalt Jung meinte: "Richtig daran ist, dass die Verteidigung uns das zwar geschrieben hat, aber nie etwas gekommen ist." In den vergangenen zwei Jahren soll Daum laut Jung wiederholt drei bis fünf Gramm zu einem Gramm-Preis von 160 Mark erworben haben. Zudem habe der Trainer bei einem seiner Mitangeklagten im Sommer 2000 die Beschaffung von gleich 100 Gramm Kokain "zumindest durchschnittlicher Qualität" in Auftrag gegeben.

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