Sport : Christoph Daum: "Ich habe grundsätzlich nur ein Ziel"

ANDREAS ARENS

Locker, gelöst und sehr umgänglich wirkte Christoph Daum bei seiner Rückkehr nach Deutschland. In der vergangenen Woche sah Daum wieder deutschen Fußballrasen. Zwar ist Daum nach seiner Kokain-Affäre nicht als gefeierter Trainer der Bundesliga ins Rheinland zurückgekehrt, aber immerhin als Couch des türkischen Spitzenvereins Besiktas Istanbul. In Bitburg, an der Sportschule auf dem früheren US-Militär-Flugplatz in der Südeifel, trainierte Daum bis Sonntag für die neue Saison und für sein neues Leben. Sechs Tage lang.

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Daum machte Witze. Keinen Autogrammwunsch ließ er unerfüllt, verdutzten Radio-Reportern erzählte er, dass er mit Besiktas hauptsächlich in Bitburg sei, "um die heimische Flora und Fauna ausgiebig zu studieren". Nach der kleinen Expedition in Bitburg will Daum am heutigen Montag mit seinen Kickern ins Vorbereitungs-Camp nach Troisdorf bei Bonn weiterreisen. Was es da wohl für Pflanzen zu sehen gibt?

Bei der Arbeit auf dem sattgrünen Rasenplatz in Bitburg war es freilich mit Daums Lockerheit vorbei. Zweimal täglich bat er das Team - gerade verstärkt durch Sixten Veit von Hertha BSC - zu den Übungseinheiten, ließ die türkischen Nationalspieler oft mehr als zwei Stunden lang trainieren. Wenn was falsch lief, tobte Daum wie ein Derwisch auf dem Platz herum und fauchte so sehr, dass selbst Torwarttrainer Eike Immel am Spielfeldrand ängstlich dreinblickte. Daum will seinem Team, das er vor der Saison weitgehend umgekrempelt hat, seinen Stempel aufdrücken. Sein Vorhaben nach dem enttäuschenden vierten Platz in der letzten Saison hat er bereits definiert: "Ich kenne grundsätzlich nur ein Ziel, nämlich Meister zu werden."

Und danach? "Es hat bereits Anfragen aus der Bundesliga gegeben", verrät Daum, "aber ich hatte keine Lust, nur im Mittelfeld der Tabelle herumzugurken." Ja, der Mann hat Ansprüche, und denen soll ein Verein gefälligst genügen. In die deutsche Eliteliga zurückkehren und sich nach der Drogen-Affäre noch einmal beweisen - darauf kann er offenbar kaum warten. Der zwischenzeitliche Sturz ins Bodenlose scheint Daum noch angestachelt zu haben. Von Gerüchten um seinen neuerlichen Drogenkonsum will er nichts wissen. "Unter dem Strich kann mir keiner etwas beweisen. Das alles sind doch nur Unterstellungen", giftet er die Journalisten an.

"Einige werden sich entschuldigen"

Daum hat allen Grund zum Granteln. So wie es aussieht, muss er sich im Herbst vor dem Landgericht in Koblenz wegen Drogenbesitz und Anstiftung zum Drogenhandel verantworten. Aber Daum bleibt auch diesmal Optimist. Er rechnet mit einer Verfahrenseinstellung. "Ich bin überzeugt, dass in naher Zukunft alles erledigt ist", sagte er, "die Gerüchte werden der Wahrheit weichen und einige werden sich bei mir entschuldigen müssen."

Doch Daum weiß, dass er vorsichtig sein muss. Auch der Öffentlichkeit in der Türkei sind die Drogen-Eskapaden nicht entgangen. "Doch meine türkischen Freunde behandeln das Ganze nicht so tiefgreifend", sagt Daum mit breitem Grinsen. Eine entspannte Atmosphäre, die Christoph Daum vor dem Prozess-Auftakt im Herbst sicher gut gebrauchen kann. In Istanbul hat er noch einen Vertrag bis Juni 2003. Und vielleicht sieht Daum danach noch einmal deutschen Fußballrasen.

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