Christoph Harting nicht beim Istaf : Allein im Ring

Das Bruderduell beim Istaf fällt aus – Christoph Harting sagt wegen eines Infekts ab. Doch auch ohne den Diskuswerfer kommen Samstag sieben Olympiasieger aus Rio nach Berlin.

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Olympiasieger Christoph Harting kann wegen eines Infekts nicht starten - kommt aber ins Stadion.
Olympiasieger Christoph Harting kann wegen eines Infekts nicht starten - kommt aber ins Stadion.Foto: dpa

Wie ein Bundesligatorwart beim Abschlag – so könnte sich Robert Harting heute im Berliner Olympiastadion vorkommen. Den Diskusring haben die Veranstalter des Istaf erstmals in den Rasen eingelassen, mitten in den Fünfmeterraum, und das auch noch vor der Ostkurve, wo bei Heimspielen von Hertha BSC die Stimmung gemacht wird. Von hinten der Schall, von vorne der Wind, genauso hat es sich Harting gewünscht, Gegenwind kann den Diskus noch einmal beflügeln. So will Robert Harting aus seiner verkorksten Saison hinausschweben.

Der wichtigste Gefährte fehlt dabei allerdings, sein Bruder Christoph, der Olympiasieger von Rio. Ein Infekt habe ihn erwischt, auch Antibiotika hätten nichts genützt. Und so fällt das erste Bruderduell nach den Olympischen Spielen aus, für das ihre Stadt Berlin die freundlichste Bühne gewesen wäre. Also ist es im Wettbewerb noch ein bisschen wie früher, als Robert Harting die größte Portion Aufmerksamkeit beim Diskuswerfen abbekam. Und mehr als an sein Scheitern mit Hexenschuss in der Qualifikation von Rio wird er sich vielleicht an die WM 2009 erinnern, als er zum letzten Mal in Berlin vor der Ostkurve werfen durfte – und dem Polen Piotr Malachowski im letzten Versuch noch den Titel entriss.

Das ausgefallene Bruderduell macht auch das „eigentlich“ in Martin Seebers Vorschau auf das 75. Istaf aus. „Eigentlich“ stimme sportlich alles, sagt der Meeting-Direktor. Sieben Olympiasieger aus Rio sind am Start. „Aber wir haben eben eine Absage bekommen, die uns weh tut und leid tut.“ Immerhin komme Christoph Harting ins Stadion, sagt Seeber, er werde Autogramme schreiben und zu den Zuschauern sprechen. Und so wie ihn das breite Publikum in Rio kennen gelernt hat, könnte auch das ja Gesprächsstoff bieten.

19 deutsche Olympiasieger kommen ins Stadion

Während das Istaf Robert Hartings Heimspiel ist, wird es Thiago Braz da Silva diesmal anders gehen. Der Brasilianer hatte in Rio Gold im Stabhochspringen gewonnen, das Publikum brachte ihn zum Fliegen und buhte seinen französischen Konkurrenten Renaud Lavillenie aus. Revanche nehmen kann in Berlin aber nur Lavillenies Bruder Valentin. Statt Rachegelüsten könnte ein bestimmendes Gefühl des Istaf ohnehin eher die Melancholie sein. Nicht nur die Leichtathletik-Saison neigt sich dem Ende entgegen, gleich mehrere bedeutende Athletinnen und Athleten verabschieden sich ganz vom Spitzensport. Christina Obergföll etwa wird ihren letzten Wurf mit dem Speer machen, ebenso Linda Stahl.

Das Istaf als größtes deutsches Leichtathletikfest wird außerdem Stabhochspringer Björn Otto, Hammerwerferin Betty Heidler und Springer Raul Spank die Bühne für ihren Abschied bieten. Auch der US-Amerikaner Bernard Lagat bestreitet sein letztes Rennen, der frühere Doppelweltmeister über 1500 und 5000 Meter läuft seine letzten 3000 Meter in Europa und hat beim Blick in die Startliste noch einmal festgestellt, dass es höchste Zeit zum Gehen ist. „Ich bin elf Jahre älter als der nächstjüngere Athlet“, sagt der 41-Jährige.

So wird dieses Jubiläums-Istaf einiges an Vergangenheit vorführen, 19 deutsche Olympiasieger kommen ins Stadion, unter ihnen Ulrike Meyfarth, Klaus Wolfermann, Heike Henkel, Astrid Kumbernuss und Ulf Timmemann, alle aus einer Zeit, als es der Leichtathletik als olympischer Kernsportart noch viel besser ging. Das Istaf erhebt aber auch den Anspruch für die neue Zeit der Leichtathletik zu stehen. „Wir wollen unser Konzept der Eventisierung weiterführen“, sagt Martin Seeber, „mit Pyrotechnik nicht nur der Show wegen, sondern auch für die Zuschauerführung.“ Beim Diskuswerfen dürfte es allerdings keine Orientierungsschwierigkeiten geben. Diskus ist beim Istaf da, wo sonst die Tore fallen.

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