Sport : Christoph Kopp: Ängste und Eitelkeiten

Frank Bachner

Christoph Kopp wird am 26. Oktober in ein Flugzeug steigen, er wird nach Göteborg fliegen, und dann wird er am Kalenderkongress des Welt-Leichtathletik-Verbands IAAF teilnehmen. Er wird dort offiziell als Sportdirektor der Istaf GmbH auftauchen. Das steht jetzt fest, und damit ist zumindest der jüngste Eiertanz bei der Istaf GmbH beendet. Kopp hatte gestern mit Klaus Henk, dem Chef des SCC, und Jörg Wischhusen, Henks Stellvertreter, ein Gespräch. Der SCC, vor allem Wischhusen, wollten eigentlich Rudi Thiel, den frühere Meeting-Direktor offiziell nach Göteborg schicken - und zwar nur Thiel.

Warum jetzt der Sinneswandel? Weil "ich offiziell noch nicht als Sportdirektor unterschrieben habe", sagt Kopp. "Da wollte Wischhusen verhindern, dass ich quasi auch international offiziell inthronisiert werde, ohne einen gültigen Vertrag zu haben. Es könnte ja noch eine Kehrtwendung kommen."

Die SCC-Erklärung greift allerdings ziemlich kurz. Weshalb sollte Kopp zurückrudern? Er hat sich für den Poste entschieden, er amtiert de facto seit 1. Oktober, er hat keinerlei Raum für Zweifel gelassen. Der Grund für die SCC-Entscheidung für Thiel geht tiefer. Wuschhusen bezweifelt, dass Kopp rechtmäßig als Sportdirektor engagiert wurde. Die Gesellschafterversammlung, bei welcher der SCC eine Anstellung von Kopp abgelehnt hatte, habe den 52-Jährigen gar nicht rechtskräftig angestellt. Damit wäre Kopp kurioserweise seit drei Wochen als Sportdirektor aufgetreten, ohne zu wissen, dass er nicht offiziell engagiert worden war.

Dem SCC geht es zwar vor allem um die Trennung von Geschäftsführer Michael John. Dessen Stelle soll neu ausgeschrieben werden. Aber Wischhusen will auf dem freien Markt auch einen neuen Sportdirektor suchen. Kopp vermutet zwar, dass der SCC-Vizepräsident aus Kostengründen einen Mann sucht, der sowohl als geschäftsführer als auch als Meeting-Direktor arbeitet, aber dann verlöre Kopp einen bedeutenden Teil seiner Verantwortung. Und dann wäre er weg. "Wenn ich keine Athleten verpflichten dürfte, würde ich nicht fürs Istaf arbeiten", sagt Kopp.

Eigentlich ist bei der Istaf GmbH ja angedacht, dass Kopp in Zukunft als Ansprechpartner für den Istaf-Vermarkter als Ansprechpartner dient. Damit wäre John aus der Schusslinie von ISL, andererseits könnte er weiterhin als Geschäftsführer arbeiten. So wäre jeder der untereinander zerstritteen Gesellschafter zufrieden. Aber wenn für Kopp ein Ersatz gesucht wird, dann ist diese Lösung hinfällig. "Doch dann", sagt ein hochrangiger Istaf-Insider, "wären wir die Lachnummer schlechthin. Dann würde man einen Mann wegschicken, den man ein paar Wochen zur Mitarbeit gewonnen hatte."

Sollte so ein Mann kommen, dann würde er einen Kopps des Wischhusen möchte Der fitg seivotiert gegen den 52-Jährigen. Und jetzt formulierte Wischhusen nach Informatione des Tagesspiegel Zweifel, dass Zweifel, dass mandie Abstimmug Der SCC möchte SDer eigentliche Grund der SCC-Entscheidung für Thiel ist ein anderer. -Eeine iheie uoer er wird hat noch keinen Termin, aber er will "so schnell wie möglich Klarheit". Soll ihm doch der SCC, einer der Gesellschafter der Istaf GmbH, sagen, gegen ihn vorliege. Schließlich sagt sonst doch jeder, dass Kopp das Zeug zu einem gutem Istaf-Sportdirektor hat. "Ich verstehe es nicht", sagt Kopp. "Und ein Dritter versteht das Ganze sowieso nicht." Ist ja auch alles hochkompliziert in der Affäre um das Internationale Stadionfest (Istaf). Es geht um wirtschaftliche Ängste, verletzte Eitelkeiten, alte Seilschaften und Machtkämpfe.

Vordergründig geht der Streit nur um GmbH-Geschäftsführer Michael John. Mit dem kommt der Istaf-Vermarkter ISL nicht klar, seit John im Sommer 1999 mit dem Sportartikelhersteller Nike über die Ausrüstung der Kampfrichter beim Istaf 1999 redete. ISL fühlte sich übergangen, übernahm die Gespräche, und Nike fühlte sich seinerseits von John veralbert. Deshalb hätte sich Nike fast geweigert, die Ausrüstung zu liefern. Als die dann doch bereit lag, zog sie dummerweise keiner der Kampfrichter an. Ein Bereichsleiter hatte dies, eigenmächtig, verboten. Nike war empört, und ISL benannte den Chef-Aufseher John als Schuldigen.

ISL wirft John aber auch zu großen Personalwechsel in der Geschäftsstelle vor. Diesen Vorwurf werten Kritiker als billiges Manöver. Als John Anfang 1999 Geschäftsführer wurde, traf er auf Mitarbeiter, die sich zu großen Teilen dem früheren Istaf-Geschäftsstellenleiter Jörg Breitenbach zugehörig fühlten. "Man hat John nicht gerade mit offene Armen aufgenommen", sagt ein Istaf-Insider. Johns ironische Art verschärfte die Situation. Schließlich gingen Antje Dohm, Breitenbachs frühere Assistentin, und der Bereichsleiter Dan Schröder. "Die gehörten zu dem Klüngel", meint ein Istaf-Insider.

Beim SCC stellte man sich vor allem gegen John, weil SCC-Chef Henk Angst hatte, die ISL werde sonst weitere Zahlungen verweigern. Dazu kommt, dass diverse SCC-Funktionäre wohl noch nicht vergessen haben, dass John mal in Berlin "zu den jungen Wilden" (Kopp) gehörte. John führte vor vielen Jahren die LG Süd, die Athleten Geld zahlte und damit dem OSC und dem SCC abwarb. Damals war auch Rudi Thiel als OSC-Abteilungsleiter betroffen. Dennoch setzte sich der langjährige Meeting-Direktor für John als Geschäftsführer ein, unterschätzte aber, wie sehr dieser seinen, Thiels, Einfluss eingrenzen würde. Deshalb opponiert Thiel, wie Beobachter registrieren, nun aus dem Hintergrund gegen John.

Thiel ist dem SCC dabei ziemlich egal. Der langjährige Meeting-Direktor soll am Jahresende endgültig ausscheiden, darin sind sich die drei Gesellschafter SCC, BSC und OSC einig. Wichtig ist für den SCC, dass Kopp nicht fährt. Würde der Sportdirektor in Göteborg auftauchen, wäre er quasi auch international offiziell in sein Amt eingeführt. Der SCC möchte aber Kopps Stelle, den Posten des Sportdirektors, neu und international ausschreiben. "Und damit", sagt ein hochrangiger Istaf-Insider, "wäre die Istaf GmbH endgültig zur Lachummer verkommen. Dann hätten wir einen Mann in sein Amt eingeführt, den wir dann einen Monat später daraus wieder entfernen." Kopp ist seit 1. Oktober im Amt, er wurde durch eine Abstimmung in der Gesellschafterversammlung berufen (bei welcher der SCC gegen Kopp votierte). Am 1. November ist die nächste Gesellschafterversammlung. Dort könnte rein theoretisch über eine internationale Ausschreibung abgestimmt werden. Wenn zwei der drei Vereine zustimmen, hat Kopp sein Amt los. Aber nur, wenn er nicht schon vorher zurückgetreten ist.

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