Sport : Christoph Metzelder

Wie der Dortmunder das Spiel in Bremen erlebte

Steffen Hudemann

Man kann sich für einen Verteidiger angenehmere Aufgaben vorstellen, als in einem Spiel abwechselnd gegen Ivan Klasnic und Miroslav Klose zu spielen. Die beiden Stürmer des SV Werder Bremen bilden den torgefährlichsten Sturm der Bundesliga. Neun Treffer haben sie zusammen in den ersten vier Begegnungen erzielt. An diesem fünften Spieltag wird wieder jeder von ihnen einmal treffen – doch es wird nicht Christoph Metzelders Schuld sein.

Der 24 Jahre alte Innenverteidiger steht sicher in der Defensive. Seine Mannschaft lässt sich weit in die eigene Hälfte zurückfallen. Werder versucht es mit Anspielen in die Spitze auf Klasnic oder Klose, doch immer lauert Christoph Metzelder direkt hinter ihnen. Wenn ein Bremer Angriff wieder einmal in der Dortmunder Abwehr hängen bleibt, und das passiert in der Anfangsphase oft, dann ist es meist Metzelder, der sein Bein dazwischen hat. Sogar gegen den kopfballstarken Klose gewinnt der Verteidiger fast alle Bälle in der Luft. In der ersten Halbzeit sieht er nur einmal schlecht aus. Am Mittelkreis kommt er bei einem Bremer Konter gegen Klose zu spät. Doch der Schiedsrichter verzichtet auf eine Gelbe Karte.

Eine halbe Stunde ist gespielt, als der Ball gefährlich in den Fünfmeterraum des Dortmunder Tores segelt. Bremens Klose und Naldo fliegen schon heran. Doch wieder ist es Metzelder, der eher am Ball ist und zur Ecke klärt. Als Klose etwas später zum Ausgleich trifft, hat Metzelder die Vorlage gegeben. Aber auch die ist ihm nicht vorzuwerfen. Bremens Leon Andreasen hat Torwart Weidenfeller umkurvt und den Ball aufs freie Tor geschossen. Metzelder hat die Situation erkannt und klärt für seinen Torhüter. Dass der Ball zu Klose prallt, ist Pech.

Christoph Metzelder war einmal die große deutsche Abwehrhoffnung. Bei der WM 2002 war es auch sein Verdienst, dass die Mannschaft das Finale erreichte. Dann zog er sich eine komplizierte Achillessehnenverletzung zu. Fast zwei Jahre konnte Metzelder nicht Fußball spielen.

Seit einem halben Jahr ist er wieder fit. Vielleicht noch rechtzeitig für die kommende WM. Bundestrainer Jürgen Klinsmann überlegt, Metzelder zum nächsten Lehrgang einzuladen. Und wenn der Verteidiger immer so spielt wie in Bremen, sollte Klinsmann nicht länger zögern. Obwohl sein Nebenmann Christian Wörns die Kapitänsbinde trägt, ist es Metzelder, der in der Verteidigung den Überblick behält und die manchmal konfusen Außenverteidiger zurechtweist. Metzelder ist zumindest an diesem Tag der Chef der Dortmunder Abwehr. Doch auf seine gute Leistung folgt keine Belohnung. In der 54. Minute funktioniert die Dortmunder Abseitsfalle nicht, Klasnic trifft zum 2:1. Wenig später hoppelt Micouds Flanke ins Dortmunder Tor.

Nach dem Abpfiff applaudiert Christoph Metzelder enttäuscht den aus Dortmund angereisten Fans. Auf der anderen Seite, in der Kurve der Werder-Fans, lassen sich gleichzeitig die Sieger feiern. Sie heißen heute Ivan Klasnic und Miroslav Klose.

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