Sport : Christoph Metzelder

Wie der Verteidiger das Länderspiel erlebte

Michael Rosentritt

Das Beste für Christoph Metzelder an diesem Spiel ist, dass er das Ende noch auf dem Platz erlebt. Der Dortmunder war angeschlagen ins Trainingslager gegangen, aber schon nach wenigen Tagen hat er wieder seine volle Belastbarkeit erreicht. Bundestrainer Jürgen Klinsmann setzt auf die Erfahrung des Vizeweltmeisters von 2002 und ist daher das Risiko eingegangen. Wie wertvoll Metzelder für die deutsche Abwehr sein kann, zeigt sich beim Spiel gegen die Luxemburger schon nach wenigen Minuten. Er mahnt seine Nebenleute zur Wachheit und zur Einhaltung der gedachten Linie, auf der sie zu stehen haben. Auf seine Kommandos verschiebt sich die Viererkette: bei eigenem Ballbesitz nach vorn, bei Ballbesitz des Gegners nach hinten. Meist treibt Metzelder seine Nebenleute vor, weil die harmlosen Luxemburger bereits kurz nach Überqueren der Mittellinie gestellt werden können.

Kommt der Gegner wirklich einmal dem deutschen Tor näher, rückt Metzelder als erster aus der Kette und attackiert den Ball führenden Spieler. Dann sichert ihn meist der linke Außenverteidiger ab, der sich dann nach innen verschiebt, auf Metzelders Stammposition. Im ersten Spielabschnitt ist das Jansen, in der zweiten Halbzeit Hitzlsperger. Meist klappt das gut, dennoch vergewissert sich der Dortmunder stets mit Seitenblicken.

Wenn die deutsche Elf Abstoß hat, passt Torwart Lehmann den Ball oft auf Metzelder. Der kann von den deutschen Verteidigern am besten ein Spiel eröffnen. Metzelder hat an diesem Nachmittag relativ wenige Zweikämpfe zu bestreiten. Meist kann er seinen Gegenspielern die Bälle ablaufen. Er hat ein gutes Stellungsspiel, und weiß, wann er den Sprint anzusetzen hat.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit tauscht Klinsmann die personelle Zusammensetzung der Viererkette bis auf Metzelder und Friedrich. Jetzt empfängt Metzelder die Kommandos von Per Mertesacker, der für Huth kam und für die WM- Startelf gesetzt sein dürfte. Für Metzelder scheint das kein Problem zu sein. Die Kommandos sind gleich, und die Kräfte des Gegners schwinden.

Die meiste Zeit schaut sich der 25 Jahre alte Dortmunder den Auftritt seiner Vorderleute recht gelassen an. Doch bevor es ihm langweilig wird, schaltet er sich sogar mit ins Angriffsspiel ein. Ein Tor schießt er zwar nicht, aber er hat auch keins zugelassen. Und: Er hat durchgespielt.

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