Sport : Chronik der Intrigen

Wie der FC St. Pauli zu Grunde gerichtet wurde

Peter Ahrens

Die Untoten – das sind die, die immer weiter leben. Egal, was man ihnen antut. Es muss ihnen schon ein Pflock mitten ins Herz gerammt werden, um ihrem Dasein ein Ende zu machen. Die Vorstandsmitglieder des FC St. Pauli haben sich in den vergangenen Jahren alle Mühe gegeben, diesen Pflock einzuschlagen. Der publicity-fixierte Vereinspräsident Corny Littmann, sein Vorgänger Reenald Koch und der frühere Manager Stephan Beutel haben den Verein in trautem Gegeneinander an den Rand des Kollapses gebracht. Aber eben nur an den Rand.

Christoph Ruf, der als früherer Redakteur der Vereinszeitschrift selbst Angestellter des Klubs war, hat den Niedergang von der Bundesliga in die Drittklassigkeit aus der Nähe mitbekommen und in „Die Untoten vom Millerntor“ detailreich aufgeschrieben. Es ist eine Chronique scandaleuse der Intrigen und Egoismen. Doch bevor der Leser sein Retter- T-Shirt aus dem Schrank holt, um es zu verbrennen, gelingt dem leider nachlässig redigierten Buch die Kurve: Im zweiten Teil erzählen unter anderem Freiburgs Trainer Volker Finke und Schauspieler Peter Lohmeyer, was sie an dem Verein fasziniert und warum zu erbärmlichen Regionalligakicks noch fast 20 000 Leute kommen. Nicht tot zu kriegen.

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