Chronologie eines Olympia-Sieges : Der Tag der Britta Steffen

Ihren Tagesablauf bis zum Start hatte Britta Steffen eigentlich genau geplant, den Wecker auf 7.25 Uhr gestellt, doch dann kam es ganz anders. Britta Steffen erzählt.

Peking 2008 - Schwimmen
Das Lächeln nach den Freudentränen. Britta Steffen hat die Medaille.Foto: dpa



2 Uhr: „Da war ich auf einmal wach, bin auf Toilette gegangen, habe mich wieder ins Bett gelegt und mir gedacht: Jetzt schnell wieder einschlafen. Aber dann: 100 Kraul, ich steh’ auf dem Startblock, ich schwimme. Uuh, habe ich gedacht, na gut schwimmste einmal durch. Dann bin ich in Gedanken einmal durchgeschwommen. Und jetzt kannste schlafen, Britta. Ging aber nicht. Eigentlich könnte ich schon aufstehen und schwimmen."

Irgendwann in der Nacht: „Dann bin ich doch noch eingeschlafen."

6.30 Uhr: „Da bin ich aufgewacht und konnte gar nicht mehr einschlafen. Dann habe ich ein bisschen gelesen, mir die Zeit vertrieben, Musik gehört."

8 Uhr: „Ich bin mit meinen beiden Freundinnen Daniela Götz und Nicole Hetzer zum Essen gegangen, die haben mich dann begleitet."

Anschließend: „Ich bin zum Einschwimmen gegangen, dann habe ich noch mal mit Norbert gesprochen (Norbert Warnatzsch, ihr Trainer), mit Frau Janofske gesprochen (ihrer Mentaltrainerin)."

Vor dem Rennen: „Ich hatte eine sehr gute Unterstützung, es ist ja heute üblich, dass man jemand mit zum Vorstart nimmt, weil man heute in diese hochtechnologischen Schwimmanzüge gar nicht mehr alleine reinkommt. Das war Nicole Hetzer. Die hat mich aufgebaut und gesagt: 'Weißt Du, Britta, das Wichtigste ist nicht der Sieg, sondern der Kampf und der Wille, eine gute Leistung zu zeigen.' Und ich wusste, ich kann kämpfen, ich will eine gute Leistung zeigen, unabhängig vom Ergebnis."

11.06 Uhr: „Dann sind wir reingelaufen, es ging los und plötzlich war alles wie in Trance."

11.08 Uhr: Das Rennen beginnt.

53,12 Sekunden später: Britta Steffen schlägt an. „Es war ein Moment, in dem ich dachte, das genießte jetzte, egal, was an der Anzeigetafel steht, selbst wenn es nicht Gold ist. Dann habe ich mich umgedreht und dachte: Ha, doch gewonnen."

11.30 Uhr: Siegerehrung. Mit Tränen in den Augen feiert Britta Steffen ihre Goldmedaille. Was in ihr vorging? „Von: Mama, Papa, ich hab’s geschafft bis hin zu: haha, schön, ich habe es mir selbst bewiesen, war alles dabei."

11.50 Uhr: Pressekonferenz. Sie sagt: „Ich bin mit Augen zu geschwommen."

Anschließend: Dopingkontrolle.

Ihre Pläne: „Ich rufe jetzt meine Familie und meinen Freund an, um das mit ihnen zu teilen."

18.30 Uhr: Start im Vorlauf über 50 Meter Freistil. Mit einer Zeit von 24,90 Sekunden zieht Britta Steffen als Vorlauf-Sechste in das Halbfinale ein.

20.54 Uhr: Britta Steffen scheidet über 4 mal 100 Meter mit der deutschen Lagenstaffel aus und verpasst das Finale. 

Aufgezeichnet von Friedhard Teuffel.

Britta Steffen
Der Gang zum Startblock. Nur noch wenige Minuten zum Gold.Foto: dpa

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