Chronologie zum Nachlesen : Herthas Mitgliederversammlung: Blog und Leserdebatte

Unser Reporter Sven Goldmann hat über die Hertha-Mitgliederversammlung aus dem ICC gebloggt. Lesen Sie hier die Chronologie des Abends und kommentieren Sie mit!

Sven Goldmann
Mitgliederversammlung Hertha BSC Foto: dpa
Präsident Gegenbauer begrüßt die Mitglieder. Zunächst bleibt die Lage überraschend entspannt.Foto: dpa





23:38 Uhr:
Vizepräsident Jörg Thomas und Aufsichtsratsschef Bernd Schiphorst danken den Mitgliedern. Hertha hat sich weiter lieb. Der Blogger dankt für die Aufmerksamkeit.

23:25 Uhr: Hier kommt das Ergebnis: 1477 Mitglieder haben abgestimmt über die Absetzung des Präsidiums. 277 Mitglieder waren dafür, 1073 dagegen, es gab 122 Enthaltungen und fünf ungültige Stimmen.  Das Präsidium bleibt also im Amt, ebenso der Aufsichtsrat, für dessen Absetzung nur 207 Mitglieder gestimmt hatten, dagegen allerdings 1104, diesmal gab es 142 Enthaltungen und 6 ungültige Stimmen.  Die für eine Abwahlnötige Dreiviertelmehrheit wurde also in beiden Fällen nicht ganz so hauchdünn verfehlt.

23:23 Uhr: Ein paar Minuten noch bis zur Verkündung des Abstimmungsergebnisses über einen Abwahlantrag, für den sich hier keiner mehr interessiert.

23.04 Uhr: Die Luft ist raus und die Zeit reif für den Auftritt von Arne Friedrich. Der Kapitän findet selbstkritische Worte für seine Leistung und die der Mannschaft. Donnernder  Applaus.

22:57 Uhr: Die schriftliche Abstimmung über den Antrag, den keiner mehr stellen will, wird noch ein halbes Stündchen in Anspruch nehmen. Die Mitgliederschaft zieht sich zurück zu Bier und Bockwurst.

22.44 Uhr: Auch der nächste Antrag wird zurückgezogen, es bleibt nur noch einer übrig auf Abwahl von Präsidium und Aufsichtstrat. Die Antragstellerin ist vorsichtshalber nicht gekommen, hat aber vorher über ihren Mann telefonisch ausrichten lassen, dass sie ihren Antrag ... genau, zurückzieht. Der Versammlungsleiter hält das nicht für ausreichend, um auf die Abstimmung zu verzichten. Es wird also doch abgestimmt über eine Abwahl, die eigentlich niemand will.

22.36 Uhr: Ein Mitglied stellt eine Handvoll Anträge,  die niemand so recht versteht, er selbst wahrscheinlich auch nicht, weshalb er alle Anträge gleich wieder  zurückzieht. Diesem Beispiel folgt auch die nächste Rednerin.

22.28 Uhr: Eine letzte Stilblüte noch, bevor über die Abwahlanträge abgestimmt wird: "Wollen wir nicht alle zusammen mal eine Currywurst essen gehen?"

22:22 Uhr: Der Versammlungsleiter schließt die Rednerliste, aber einzelne Mitglieder protestieren. Ein Antrag zur Änderung der Geschäftsordnung wird eingebracht. Bei der Abstimmung gibt es keine klare Mehrheit.  Die Diskussion geht weiter... 

22.21 Uhr: "Wir könnten ja die Abwahlanträge heute abend zurückziehen und uns im Februar noch mal treffen, mal sehen, was bis dahin passiert ist."

22.18 Uhr: "Herr Gegenbauer, der Sparkurs ist doch eine absolute Milchmädchenrechnung... Aber Sie sind ja noch neu in diesem Geschäft!"

22.15 Uhr: "Wenn wir am letzten Spieltag den Klassenerhalt schaffen, dann seid ihr im Vorstand verpflichtet, eine Lage auszugeben!" 

22.10 Uhr:  Weiter mit den Stilblüten: "Herr Gegenbauer, wir haben Sie gewählt, weil Sie ein Mann aus der Wirtschaft sind. Warum ist immer noch kein Geld da?"

22.07 Uhr:  Oben rechts im Saal sitzt die Pöbelfraktion, sie setzt Michael Preetz ein bisschen zu, als er den Weggang von Marko Pantelic erklären will.  

22.04 Uhr: 
"Wir haben kein Geld? Doch, aber wir haben es ausgegeben für einen Haufen Spieler, die alle nichts können!"

21.55 Uhr:   "Wenn Sie unsere Unterstützung haben wollen, müssen Sie es hinbekommen, dass die Jungs auf dem Platz ihren Arsch bewegen!"

21.51 Uhr:  "Es war von vornherein klar, dass Lucien Favre gegen die Berliner Fans gearbeitet hat!"

21.45 Uhr:  "Kann mir mal jemand erklären, warum wir im DFB-Pokal immer in der zweiten Runde rausfliegen?"

21.43 Uhr:  "Was die Berliner Medien mit Hertha machen, ist eine einzige Sauerei!" 

21.37 Uhr: "Lucien Favre ist einer der schlechtesten Trainer, die Hertha BSC je hatte!" 

21.29 Uhr: 
Im Folgenden die schönsten Stilblüten aus der erregten Mitgliederschaft. Beginnen wir mit: "Wir sind der Hauptstadtklub, und wir gehören auf Platz eins!" 

21.26 Uhr:  Präsident Gegenbauer ist wieder dran: "Dieses Präsidium ist kein Schönwetterpräsidium, aber Sie müssen uns haben wollen! Jetzt haben Sie das Wort in der Aussprache!" Na, hör'n mer mal... 

21.20 Uhr:  Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller erklärt dem gefassten Auditorium, warum Hertha so wenig Geld hat sich daran in absehbarer Zukunft nicht viel ändern wird.

21.10 Uhr:  Zum Abschluss seiner  Wort für Wort abgelesenen Rede zitiert Preetz Bertolt Brecht und Ernst Bloch. Wie viele im Saal kennen die beiden wohl?  Es gibt braven Anerkennungsapplaus, ein paar Leute stehen sogar auf, weil Preetz am Ende dann doch ein bisschen Gefühl zeigt und damit schließt, dass "diese Stadt schon ganz andere Mauern überwunden hat".  Preetz' nicht zu unterschätzende Leistung ist, dass er das Publikum befriedet hat. Die Revolution wird ausbleiben, so viel kann man wohl schon jetzt sagen.

20.53 Uhr: Ein interessantes Detail: Preetz erzählt, warum Lucien Favre gehen musste. Der Trainer habe selbst nicht mehr gekonnt, nicht mehr gewollt, "er war kein Mann für diese Krise, ich musste diese Entscheidung für Hertha BSC treffen". 

20.39 Uhr: Preetz erwähnt den Namen von Artur Wichniarek, und jetzt wird es richtig laut. Der Versammlungsleiter muss eingreifen. Preetz erzählt, wie er gemeinsam mit dem früheren Trainer Lucien Favre den polnischen Stürmer verpflichtet hat, er bittet um Verständnis und Respekt. Anstandsbeifall. Preetz arbeitet alle Neuverpflichtungen der laufenden Saison ab.

20.35 Uhr: Preetz liest weiter ab, das Publikum wird ungeduldig. Ganz hinten ertönen "Marko Pantelic"-Gesänge.

20.29 Uhr: Wieder setzen Zwischenrufe und Gelächter ein, als Preetz in den Saal ruft: "Die Mannschaft wird kämpfen, mit der Fahne auf der Brust!"

20.24 Uhr: Preetz liest vom Blatt ab. Zwischenrufe unterbrechen ihn, als er die "gute Entwicklung unter Trainer Friedhelm Funkel" lobt. Pfiffe. Preetz bricht ab und bittet um die Chance, ausreden zu dürfen. Er sagt: "Am 14. Spieltag entscheidet sich nicht der Abstieg, bei sieben Punkten Rückstand werden wir nciht aufgeben." Er will reden und für jede Frage zur Verfügung stehen, und wenn es bis nach Mitternacht dauert".

20.24 Uhr: Es wird spannend. Manager Michael Preetz tritt ans Mikrofon.

20.19 Uhr: Bernd Schiphorst kündigt als Vorsitzender des Aufsichtsrats Investitionen in die Bundesligamannschaft an. Er sagt: "Wir wollen nicht absteigen, wir dürfen nicht absteigen, denn zweite Liga ist Mist, ganz goßer Mist!" Trauriger Beifall verabschiedet ihn.

20.07 Uhr:
Der Versammlungsleiter verkündet die Zahl der im Saal anwesenden stimmberechtigten Mitglieder. Es sind 1808, fast dreimal so viel wie bei der letzten Versammlung im Mai. Hertha zieht also noch.

19.53 Uhr: Und weiter geht es mit den Ehrungen. Als "Herthaner des Jahres" wird, nicht ganz überraschend, kein Spieler der der Profimannschaft ausgezeichnet, sondern Jochem Ziegert, Kotrainer der Amateurmannschaft. Seine größte Tat liegt schon ein paar Jahre zurück: 1992 führte Ziegert als Trainer Herthas Amateurmannschaft in das Endspiel um den DFB-Pokal. Ach, selige Vergangenheit.

19.42 Uhr:
 Die obligatorischen Ehrungen für langjährige Mitglieder stehen an. Der gesamte Saal schunkelt. Wo ist die Krisenstimmung?

19.26 Uhr:
Es könnte doch schneller gehen. Das Präsidium beantragt, den Tagesordnungspunkt "Anträge" von Position 17 auf 10 vorzuziehen. Allgemeiner Beifall. Der Antrag wird mit überwältigender Mehrheit angenommen.

19.18 Uhr:
 Werner Gegenbauer eröffnet die Versammlung mit der kuriosen Entschuldigung: "Es herrscht noch größerer Andrang, als wir alle erhofft hatten." Bei der Vorstellung des Vorstandes bekommen allein die Vorsitzenden der Box- und Kegelabteilung Applaus. Mannschaft und Trainer werden mit Pfiffen und Applaus begrüßt. Den größten Beifall bekommt Erich Beer, Herthas Star der Siebziger Jahre. Ein cleverer Schachzug. Die Stimmung im Auditorium ist besser als erwartet.  

19.15 Uhr:
Erste Pfiffe. Präsident Werner Gegenbauer bittet um weitere fünf Minuten Wartezeit, da sich draußen immer noch wartende Mitglieder stauen. Es heißt, die Bilanzen und Stimmzettel seien ausgegangen. Der große Andrang hat die Organisatoren offensichtlich überrascht. 


18.50 Uhr:

Die Mannschaft kommt. Schweigend wandeln die Spieler durch das Foyer, die Fans schauen weg. Die Biermarken für die Getränkestände sind vergriffen.

18.45 Uhr: Das sterile ICC macht heute auf Fußballstadion.  Selten hat das silberne Raumschiff bei einer Mitgliederversammlung von Hertha BSC einen derartigen Andrang erlebt. An den Ständen im Foyer stehen Menschen in blau-weißer Kluft Schlange, um sich ihre Stimmkarte abzuholen. Bis zum entscheidenden Einssatz wird es noch ein bisschen dauern. Der Tagesordnungspunkt „Anträge“, unter den auch eine mögliche Abwahl des Präsidiums fällt, ist an Nummer 17 gelistet.

"Jeder für sich, Gott für uns alle!", sagt Herthas Aufsichtsratsvorsitzender Bernd Schiphorst im Interview mit dem Tagesspiegel vor der Mitgliederversammlung heute Abend im ICC in Berlin-Charlottenburg. Letzter Platz in der Tabelle und Millionenverbindlichkeiten - es dürfte ein turbulenter Abend werden, der vielleicht sogar in einer Abwahl des Präsidiums um Werner Gegenbauer gipfeln könnte. Dafür ist allerdings eine Drei-Viertel-Mehrheit notwendig. "Ich vertraue sehr auf den Souverän, auf die Mitgliederversammlung", sagt Schiphorst beschwörend. Der Aufsichtsrats-Chef stellt sich ausdrücklich hinter Gegenbauer.

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