• Ciriaco Sforza sitzt zwischen allen Stühlen. Weder FC Bayern noch Dortmund haben Interesse an ihm

Sport : Ciriaco Sforza sitzt zwischen allen Stühlen. Weder FC Bayern noch Dortmund haben Interesse an ihm

Mathias Schneider

In der Fußball-Bundesliga beginnen nach den "Flurschäden" der ersten Wochen die Aufräumarbeiten. Vor dem vierten Spieltag am Wochenende mühen sich die Verantwortlichen gleich einer Hand voll Clubs, die durch widerspenstiges Personal verursachten Risse wieder zu kitten. "Er soll gehen, damit wir wieder in Ruhe arbeiten können", grollte Vorstandschef Jürgen Friedrich vor dem Gastspiel des 1. FC Kaiserslautern bei Werder Bremen in Richtung seines ehemaligen Kapitäns Ciriaco Sforza, der in der letzten Woche verbal am Trainer-Denkmal Otto Rehhagel gerüttelt hatte. Auch Meister Bayern München, Borussia Dortmund sowie Stuttgart und Duisburg versuchen, die Erfolg bringende Ruhe wieder herzustellen.

Die tiefsten Gräben tun sich aber am Betzenberg in Kaiserslautern auf. Vor dem sonntäglichen Gastspiel an der Weser, wo Rehhagel seine größten Erfolge feierte und auf seinen langjährigen Spieler und jetzigen Kollegen Thomas Schaaf trifft, drängt das "Problem Sforza" die Verantwortlichen mehr denn je. Zwar möchte der tief gekränkte Rehhagel, vom Schweizer Nationalspieler ob seines Führungstils und der Einkaufspolitik schwer kritisiert, seinen verstoßenen "Sohn" lieber heute als morgen aus dem Haus jagen, doch derzeit winken die einstigen Interessenten aus München und Dortmund ab.

"Das ist Senf nach der Mahlzeit", klärt Dortmunds Präsident Gerd Niebaum auf. Noch vor der Saison hätten die Westfalen, am Samstag gegen den SC Freiburg auf dem Prüfstand, den Rebell liebend gern verpflichtet. Doch derzeit hat Niebaum bereits alle Hände voll zu tun, seinen Spielmacher Andreas Möller zu besänftigen, der bei Coach Michael Skibbe noch immer vergeblich um eine Stammplatzgarantie fleht. "Ich habe auch weiterhin das uneingeschränkte Vertrauen zu unserem Präsidenten. Der wollte mich sicher nicht verhökern", fügt Möller vielsinnig hinzu. Ein Vereins-Tausch mit Sforza ist gegenwärtig für alle Beteiligten (noch) kein Thema.

Wie sauer Bier bietet dagegen der VfB Stuttgart, Tabellenletzter unter dem neuen Coach Ralf Rangnick, die Profis Martin Spangring, Torhüter Marc Ziegler, Thorsten Legat, Sasa Markovic, Mitko Stojkovski und Srgjan Zaharievski feil. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir nicht vorstellen, dass einer der Spieler in den nächsten Monaten eine Rolle spielt", sagte Rangnick.

Die Rute hat Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld seinen aufbegehrenden Stars gezeigt. Sollten sich die Männer um Lothar Matthäus und Mario Basler auch in Zukunft öffentlich ausweinen, abwatschn oder durchzechen, drohen Abmahnungen. Mit den verletzten Kahn, Basler, Babbel, Zickler, Kuffour und Lizarazu schwindet zumindest am Samstag auch ein Teil des Konfliktstoffes. Dafür steht Kapitän Stefan Effenberg nach seinem Syndesmoseriss wieder zur Verfügung. "Das Spiel beim MSV Duisburg ist die Einleitung in einer ganz intensive Phase. Es geht nicht um drei Punkte, sonder um eine Standortbestimmung", glaubt der Coach. Als Tabellen-Neunter hinken die Bayern noch meilenweit dem eigenen Anspruch hinterher.

Das tut auch der Gegner MSV Duisburg. Dennoch hat Trainer Friedhelm Funkel trotz der Querelen mit dem Vorstand nach dem Weggang von Sportchef Gerd Merheim seinen Kontrakt um ein Jahr verlängert. Funkel will es mit "diesen Herren" noch einmal versuchen. Neuer Kapitän wurde nach dem Rückzug Wohlerts sein Teamkollege Stefan Emmerling.

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