Clasico gegen FC Barcelona : Toni Kroos bei Real Madrid: Verloren in der Mitte

Der Sieger im Clasico am Sonntagabend wird einen großen Schritt Richtung Meisterschaft machen. Doch Nationalspieler Toni Kroos hat vor dem Spiel gegen den FC Barcelona Probleme mit seiner Rolle bei Real Madrid.

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Der Statiker. Toni Kroos soll Reals Bindeglied zwischen Defensive und Offensive sein. Zuletzt fiel es ihm nicht immer leicht, diese Rolle auszufüllen. Foto: picture alliance / dpa
Der Statiker. Toni Kroos soll Reals Bindeglied zwischen Defensive und Offensive sein. Zuletzt fiel es ihm nicht immer leicht,...Foto: picture alliance / dpa

Den vergangenen Sonntag nutzte Toni Kroos, um das Spiel seiner Mannschaft aus einem anderen Blickwinkel zu verfolgen. Von der Ersatzbank aus. Wobei das mit der Ersatzbank so eine irreführende Sache ist. Bei Real Madrid nehmen die Reservespieler auf weich gepolsterten, mit blauem Kunststoff überzogenen Stühlen Platz. Nichts soll das Wohlbefinden des teuren Personals am Arbeitstag mindern.

Es war das erste Mal seit seiner Ankunft im Sommer, dass der Mittelfeldspieler nicht in der Startelf stand. Trainer Carlo Ancelotti wollte das Risiko einer Sperre nicht eingehen. Eine gelbe Karte gegen Levante (2:0), und Kroos hätte am Sonntag Real Madrid im Clasico beim FC Barcelona (ab 21 Uhr live bei laola1.tv) gefehlt. Das Aufeinandertreffen der beiden Giganten des spanischen Fußballs hat auch in diesem Jahr wieder vorentscheidenden Charakter. Barcelona ist Erster, Real liegt einen Punkt dahinter. Der Sieger macht einen großen Schritt in Richtung Meisterschaft.

Bei seinem ersten Clasico war Toni Kroos bester Spieler auf dem Platz

Im Hinspiel (3:1) war Kroos vielleicht der beste Mann auf dem Feld, von den Zuschauern im Estadio Santiago Bernabeu wurde er ausgiebig beklatscht. Zuletzt ist der Applaus deutlich weniger geworden für Kroos und für Real Madrid. Die Mannschaft verspielte in der Meisterschaft einen komfortablen Fünf-Punkte-Vorsprung und geriet in der Champions League gegen Schalke 04 in arge Bedrängnis. Kroos wirkte bei den Spielen oft verloren im Mittelfeld.

In Spanien heißt es, Reals Mannschaft wäre seit dem Gewinn des Weltpokals im Dezember zu satt. Die Motivation der Spieler reiche nicht mehr aus, um auch in diesem Jahr Titel zu gewinnen. Für Toni Kroos trifft das sicher nicht zu. Sein Problem ist ein anderes. Eines, für das er nicht verantwortlich ist – resultierend aus der Einkaufspolitik des Vereins. Real Madrids Mannschaft ist nicht unbedingt nach sportlichen Kriterien zusammengestellt und ausgeglichen genug besetzt. Im Kader gibt es viele Spieler, die sich von ihrer Anlage her sehr ähnlich sind – gerade im Mittelfeld. Luka Modric, Isco, Asier Illarramendi, James Rodriguez oder eben Kroos sind alles offensiv ausgerichtete Mittelfeldspieler. Keiner von ihnen verkörpert die Idealbesetzung für den Part vor der Abwehr.

Toni Kroos hat Probleme damit, für Reals defensive Stabilität zu sorgen

Ancelotti hatte sich als Sechser früh auf Kroos festgelegt, aber der bekommt regelmäßig Probleme mit seiner Aufgabe, wenn er neben den oft zu offensiven Isco und Modric für Stabilität sorgen soll. So wie in San Sebastian (2:4), als er oft die Abstände zwischen sich und der Viererkette zu groß werden ließ. Erschwerend wirkt dabei, dass Real in Cristiano Ronaldo, Gareth Bale und Karim Benzema meist drei Spieler auf dem Feld hat, deren Ertrag für die eigene Defensivarbeit gleich null ist. Längst wird auch außerhalb Madrids geraunt, dass es ein Fehler war, Xabi Alonso zum FC Bayern ziehen zu lassen. „Kroos und Alonso hätten Reals Spiel zusammen eine ganz andere Tiefe verliehen“, sagte der Trainer Quique Sanchez Flores erst kürzlich der Zeitung „El Pais“.

Der defensivste von Reals aktuellen Mittelfeldspielern, der Kroos absichern könnte, spielt in Ancelottis Überlegungen keine Rolle mehr. Sami Khedira steht gegen Barcelona nicht im Kader, offiziell wegen Trainingsrückstand nach einer Magen-Darm-Infektion. Die Probleme in Reals Statik sind kaum zu übersehen, trotzdem versucht Kroos, keinen Unmut über seine Rolle aufkommen zu lassen. „Wir spielen mit drei zentralen Mittelfeldspielern. Ich bin der Defensivste von uns und fühle mich dabei wohl“, sagte er kürzlich dem vereinseigenen Fernsehsender. Vermutlich würde er sich etwas weiter vorn noch wohler fühlen.

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