Clijsters' US-Open-Sieg : Mutti ist die Beste

Nach mehr als zweijähriger Auszeit kehrte Kim Clijsters zum Profi-Tennis zurück, spielte in New York erst ihr drittes Turnier - und gewann die US Open. Nach dem Matchball feierte sie auf dem Platz mit ihrer Tochter Jada.

Anke Myrrhe[New York]
US Open Day 14
Mit Tochter und Trophäe. Kim Clijsters und Jada nach dem Finale.Foto: AFP

Es gab an diesem Sonntagabend nur eine, die ihr die Show stehlen konnte. Jada Clijsters Lynch benahm sich auf der großen Bühne des Arthur-Ashe-Stadiums, als habe sie in den bisherigen 18 Monaten ihres Lebens nichts anderes gemacht als vor Fotografen zu posieren. Das beste Bild, das diese von ihr bekamen, war wohl auch das Bild überhaupt dieser US Open: Kim Clijsters posierte mit ihrer Tochter im einen und der Trophäe im anderen Arm. Die 26-Jährige hat es tatsächlich geschafft, nach mehr als zwei Jahren Auszeit und nur einem Monat zurück auf der Tennis-Tour die US Open zu gewinnen. 7:5 und 6:3 besiegte sie im Finale Caroline Wozniacki aus Dänemark und wurde nach Evonne Goolagong Cawley 1980 in Wimbledon, die erste Mutter, die einen Grand-Slam-Titel gewann.

„Ich kann immer noch nicht glauben, dass das passiert ist“, sagte Kim Clijsters völlig überwältigt. „Es ist absolut surreal, dass ich bei meinem dritten Turnier zurück auf der Tour einen Grand Slam gewinne.“ Hätte ihr das jemand vor 18 Monaten erzählt, sie hätte ohne zu zögern den Telefonhörer aufgelegt, sagte sie. Da nämlich lag Kim Clijsters nach der Geburt ihrer Tochter Jada im Krankenhaus und dachte nicht einmal mehr im Entferntesten an Tennis. Mit nur 24 Jahren hatte sie sich entschieden, ihre Karriere zu beenden, weil sie keine Motivation mehr hatte und mehr wollte im Leben. Eine Familie vor allem. Sie heiratete den US-amerikanischen Basketballer Bryan Lynch und bekam Jada.

Am Sonntagabend hat Kim Clijsters allen bewiesen, dass das Konzept von Kind und Karriere auch im Profisport funktioniert. Niemals hatte sie an eine Rückkehr gedacht, hatte sich um die Hochzeit gekümmert, dann ums Stillen – bis sie zu einem Showmatch zur Eröffnung des neuen Center Courts in Wimbledon eingeladen wurde. Das war im Mai. Nur vier Monate später hielt sie perplex jene Trophäe in den Händen, die sie bereits 2005 einmal gewonnen hatte, als den einzigen Grand-Slam-Titel ihrer, wie sie sagt, „ersten Karriere.“ „Ich bin einfach froh, dass ich endlich zurückgekommen bin, um meinen Titel zu verteidigen“, sagte Clijsters lachend ins Mikrofon des Arthur-Ashe-Stadiums. Nach 2005 war sie wegen Verletzungen nicht mehr in New York angetreten. Bis zu diesem Jahr.
„Vielen Dank an den amerikanischen Verband, dass er mir eine Wildcard gegeben hat“, schob die Belgierin noch hinterher. Das Absurdeste ist nämlich, dass Kim Clijsters bisher noch nicht einmal in der Weltrangliste geführt wurde. Erst am Montag tauchte sie dort wieder auf, als Nummer 19. Ein direkter Einstieg unter die Top 20, das brachte Clijsters nur zum Kopfschütteln. „Ich habe das definitiv nicht geplant“, sagte sie. Sie habe lediglich ein Gefühl für das große Tennis wiederbekommen wollen, um dann im kommenden Jahr richtig anzugreifen.

Das Comeback war gut durchdacht. Nach ihrer Ankündigung im März hatten bereits die French Open und Wimbledon die ehemalige Weltranglistenerste mit Wildcards locken wollen. Doch Clijsters wollte erst richtig in Form kommen. „Das war der härteste Teil“, sagte sie. „Ich musste erst mal akzeptieren, dass mein Körper nicht mehr in der gleichen Form war wie früher. Physisch habe ich noch mal komplett bei null angefangen.“

Dass diese Fitness besser ist denn je, bewies sie durch die gesamten US Open hindurch und auch im Finale. Clijsters bewegte sich unglaublich gut, zeigte zweimal ihren berühmten Spagat, um an einen Ball noch heranzukommen. Das Endspiel war ein spannendes Match, wenn auch nicht auf dem gleichen hohen Niveau wie das Halbfinale von Clijsters gegen Serena Williams. Die 19 Jahre alte Caroline Wozniacki war in ihrem ersten Grand-Slam-Finale nur anfangs etwas nervös. Und Clijsters hatte sich im Verlauf des Turniers immer mehr Sicherheit erspielt. Ein richtig gutes Gefühl bekam sie im Achtelfinale gegen Venus Williams, „Da habe ich gemerkt, dass ich das Tempo der Williams-Schwestern mitgehen kann“, sagte Clijsters. Dieses Gefühl transportierte sie bis ins Endspiel. Erst besiegte sie die ältere, dann die jüngere der Williams-Schwestern, die als die größten Konkurrentinnen in diesem Turnier galten, nachdem andere Favoritinnen wie die Weltranglistenerste Dinara Safina früh gescheitert waren. Das Finale war nur noch eine Art Kür, in der Kim Clijsters vor allem ihre mentale Stärke zeigte. „Ich kenne mich selbst jetzt einfach besser“, sagte sie. „Das kann ich auf dem Platz einsetzen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.“

Wie es nun weitergehen wird, welche Turniere sie spielen will, das weiß Kim Clijsters noch nicht so genau. „Ich weiß nur, dass ich nun erst mal nach Hause will, um ein paar Wochen zu relaxen“, sagte sie. Und Jada soll wieder in ihren normalen Familien-Alltag zurück. Denn – und das ist vielleicht die größte Stärke der neuen Kim Clijsters – ihre Tochter steht nun im Mittelpunkt. Nicht mehr nur ihr Tennis.

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