Cockpit bei Lotus : Begehrter Schleudersitz

Nico Hülkenberg und Felipe Massa kämpfen um ihre Zukunft in der Formel 1. Trotz der Geldprobleme ist das Cockpit von Lotus das interessante in der gesamten Rennserie.

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Nico Hülkenberg ist auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Foto: dpa
Nico Hülkenberg ist auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber.Foto: dpa

Die Sitze bei Red Bull und Ferrari für 2014 sind vergeben – das interessanteste Cockpit in der Formel 1 ist derzeit das von Lotus. Eben jenes, welches Kimi Räikkönen mit seinem Wechsel zu Ferrari gerade frei gemacht hat. „Und zwar vor allem deshalb, weil ich dort ewig mein Geld nicht bekommen habe“, wie der Finne vor dem Rennen in Singapur am Wochenende eindeutig erklärte.

Räikkönens Worte wird auch Nico Hülkenberg mit Interesse vernommen haben. Der Deutsche gilt derzeit vielen Experten als Favorit auf den Lotus-Sitz. Es wäre dann das dritte Team hintereinander, wo Hülkenberg mit finanziellen Problemen rechnen müsste. 2012 bei Force India und dieses Jahr bei Sauber gab es schon Verzögerungen bei den Zahlungen. Aber zumindest sportlich wäre der Wechsel ein Erfolg, denn der Wagen ist schnell. Und die Aussichten für den Emmericher sind nicht so schlecht. Lotus-Teamchef Eric Boullier gab schon vor einiger Zeit zu, ein Auge auf Hülkenberg geworfen zu haben. Dessen Manager Werner Heinz hat auch sehr gute Kontakte zu den Teambesitzern, Gerard Lopez und Eric Lux. Mit ihnen kann er sich auf Deutsch unterhalten – ein Vorteil, denn sein Englisch ist nicht das beste.

Die Konzentration auf die Muttersprache hat wohl auch zu gewissen Fehleinschätzungen und Missverständnissen in den Verhandlungen mit Ferrari geführt. So nahe, wie sich Heinz und Hülkenberg immer dem Cockpit bei den Roten wähnten, waren sie nie – schon gar nicht mehr ab dem Zeitpunkt, als auch Räikkönen für Ferrari zu haben war. Enttäuscht über das Scheitern trat Heinz öffentlich nach und beschwerte sich, er habe die Absage nur per SMS bekommen. Das ist für die Branche schon mehr als das Übliche, oft gibt es bei Scheitern von Verhandlungen überhaupt keine Absage. Auch deshalb rief Heinz’ Verhalten bei Ferrari und auch anderen Teams Stirnrunzeln hervor.

Hülkenberg versuchte nun in Singapur, die Sache herunterzuspielen. Große Kontroversen kann er im Moment nicht gebrauchen kann, seine Konzentration gilt der großen Lotus-Chance. Bei seinem jetzigen Team Sauber hat er nämlich keine Zukunft, das wird auf beiden Seiten immer wieder deutlich. Das Team hat ihm verübelt, dass die ausstehenden Gehaltszahlungen an ihn publik wurden. Und eine Rückkehr zu Force India scheint auch nicht so einfach zu sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass man dort mit Adrian Sutil und Paul di Resta weiter macht, ist größer.

Der Emmericher muss also alles versuchen, im Kampf um das Lotus-Cockpit die Konkurrenz aus dem Feld zu schlagen. Die besteht auf den ersten Blick vor allem aus Felipe Massa. Der Brasilianer muss nach acht Jahren bei Ferrari jetzt Räikkönen weichen und versucht verzweifelt, wenigstens bei einem einigermaßen konkurrenzfähigen Team unterzukommen. Sein Manager Nicolas Todt, der Sohn des Fia-Präsidenten Jean Todt, versucht dabei vor allem, mit Massas Erfahrung zu punkten. Angesichts der im nächsten Jahr anstehenden umfangreichen Reglementänderungen ein nicht ganz unwichtiger Punkt. Andererseits gilt Massa nach seinen nicht immer überzeugenden Leistungen in den letzten Jahren in der Formel 1 eher als der Mann von gestern, Hülkenberg als der der Zukunft.

Durch die ständigen Finanzprobleme bei Lotus gibt es aber noch einen dritten Kandidaten, der sich im Moment noch ziemlich im Verborgenen anbietet. Felipe Nasr ist ebenfalls Brasilianer und derzeit noch im Spitzenfeld der Nachwuchsserie GP2 unterwegs. Der 22-Jährige hat einige Sponsor-Millionen im Gepäck und interessanterweise dasselbe Management wie der abgewanderte Räikkönen. Vor allem dank seiner mangelnden Erfahrung dürfte das Talent eigentlich keine Chance gegen seine Konkurrenten haben. Aber wenn er wirklich einen zweistelligen Millionenbetrag auftreibt, könnte er durchaus noch an beiden vorbeiziehen. Karin Sturm

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