College-Basketball : Giffeys Weg ist nicht der Königsweg

Niels Giffey hat alles richtig gemacht, der Berliner kehrt aus den USA mit zwei Meistertiteln und einer Zukunft als Basketball-Profi zurück. Für viele andere deutsche Talente wird der Traum von der College-Karriere aber nie in Erfüllung gehen. Ein Kommentar.

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Traum vom Fliegen. Niels Giffey holte mit der Universität von Connecticut seinen zweiten US-Meistertitel am College.
Traum vom Fliegen. Niels Giffey holte mit der Universität von Connecticut seinen zweiten US-Meistertitel am College.Foto: dpa

Zwei Titel, weltweite Aufmerksamkeit, eine Zukunft als Profi: Niels Giffey hat alles richtig gemacht. 2010 war der Basketballer aus dem Nachwuchs von Alba Berlin in die USA an die Universität von Connecticut gewechselt, wo er seine College-Karriere mit der zweiten Meisterschaft krönte. In der Nacht zu Dienstag hieß es 60:54 im Finale gegen Kentucky. Demnächst wird der Berliner erneut Barack Obama die Hand schütteln, danach kehrt der 22-Jährige wohl in die Bundesliga zurück – als Nationalspieler und mit einem Abschluss in Wirtschaftswissenschaften. Von einer ähnlichen Entwicklung träumen viele Basketballer, zurzeit versuchen sich mehr als 20 deutsche Talente am College – für viele wird Giffeys Weg aber der falsche sein, Obama werden sie nicht kennenlernen.

Vor Giffey haben schon viele deutsche Basketballer vom College profitiert, als kleine Auswahl lassen sich die Nationalspieler Gnad, Schrempf, Welp, Nürnberger, Rödl, Okulaja, Femerling, Herber oder Jagla nennen. Was viele Spieler lockt, sind die ausverkauften Hallen, das professionelle Umfeld, die in Deutschland kaum zu realisierende Möglichkeit des Studiums parallel zum Sport – und nicht zuletzt die Nähe zur Topliga NBA. Der Schritt in die USA ist allerdings keinesfalls der Königsweg.

Am College gibt es viele Spiele und vergleichsweise wenig Training, die Coaches sind gezwungen, Ergebnisse zu liefern. Deshalb werden Spieler allzu schnell in Rollen gepresst, was ihrer Entwicklung schadet. So flüchtete Lucca Staiger einst aus Iowa, weil er sich als eindimensionaler Distanzschütze missbraucht sah. Elias Harris ging als Ausnahmeathlet mit technischen Defiziten ans College. Seit kurzem spielt er für Bamberg – technisch kaum verbessert, athletisch im Profibereich nicht mehr herausragend. Auch Giffey – eigentlich ein kompletter Basketballer – saß in Connecticut zunächst viel auf der Bank und durfte selbst in seiner letzten Saison kaum einmal seine Rolle als Verteidigungsspezialist und Dreierschütze verlassen.

Seine Erfahrungen aus vier Jahren College kann Niels Giffey aber niemand nehmen. Und seinem Selbstvertrauen und Chancen als Profi wird der Titelgewinn vor Millionen von Fernsehzuschauern und knapp 80.000 Fans im Football-Stadion von Dallas kaum abträglich sein.

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