Comeback der Überführten : Sportgerichtshof erlaubt Dopern Olympia-Start

Der Internationalen Sportgerichtshof Cas hat den Versuch des Britischen Olympischen Komitees (BOA), überführte Doper auch nach Ende ihrer Sperre von Olympia auszuschließen, für nicht rechtens erkannt. Eine Entscheidung mit Folgen.

Tom Mustroph
Freie Bahn. Sprinter Dwain Chambers darf in London antreten.
Freie Bahn. Sprinter Dwain Chambers darf in London antreten.Foto: AFP

Nun dürfen sie doch. Der Sprinter Dwain Chambers, erster überführter Kunde des Doping-Designers Victor Conte (Balco-Labor), darf sich wieder Hoffnungen auf einen Olympiastart in seiner Geburtsstadt London machen. David Millar, einer der vielen Epo-Sünder im Radsport, darf ebenfalls in London antreten und kann dann seinem Landsmann Mark Cavendish dabei helfen, den Olympiasieg im Straßen-Radrennen zu erringen. Das sind zwei der Resultate des mit Spannung erwarteten Urteils des Internationalen Sportgerichtshofs Cas, das am Montag ergangen ist. Der Cas erklärte damit den Versuch des Britischen Olympischen Komitees (BOA), überführte Doper auch nach Ende ihrer Sperre von Olympia auszuschließen, für nicht rechtens.

„Das ist enttäuschend“, kommentierte Großbritanniens Sportminister Hugh Robertson die Entscheidung. Robertson hatte gehofft, dass die britischen Sportverbände autonom ihre Nominierungskriterien bestimmen könnten. Dazu gehören neben der sportlichen Qualifikation auch ethische Komponenten. Die Welt-Antidoping-Agentur (Wada) sah in einem Olympia-Bann für Ex-Doper allerdings eine von ihrem Reglement nicht gedeckte weitere Doping-Sanktion und legte Einspruch ein. Der Cas gab nun diesem Einspruch statt. Die Richter hielten sich an den Grundsatz, dass niemand für das gleiche Delikt zweimal bestraft werden darf.

Die britischen Sportfunktionäre hätten im Übrigen schon vorab wissen können, dass sie mit ihrer Werbeaktion für ein sauberes Olympia auf so verlorenem Terrain stehen wie etwa ihre Kicker bei einem Elfmeterschießen gegen die DFB-Auswahl. Seit 1992 versuchen sie, zurückgekehrte Doper von der Olympiaqualifikation auszuschließen. Seitdem gab es 25 Verfahren. In 24 wurde dem Einspruch der Sportler stattgegeben. Auf diese juristische Vorgeschichte wies der Cas in seiner Urteilsbegründung hin. Der Einzige, der seinen Einspruch nicht bis zum Ende durchzog, war – in Hinblick auf Olympia 2008 in Peking – Dwain Chambers. Jetzt profitiert der Europameister und HallenWeltmeister ohne eigenes Zutun vom Engagement der Wada. Das ist pikant, aber eben auch rechtens.

„Wir haben unsere Position sehr sorgfältig geprüft und bedauern die vielen hysterischen und fehlerhaften Attacken des Britischen Olympischen Komitees“, erklärte Wada-Präsident John Fahey. In ihrem Versuch, die Olympischen Spiele in ihrem Land zumindest von Dopingvergangenheit zu reinigen, hatten die Gastgeber teilweise überzogen reagiert.

Ganz vom Tisch ist eine Olympiasperre für Ex-Doper aber nicht. Dazu müsste das Wada-Reglement geändert werden. Diesen Weg schlug der Cas vor. Dieser Gedanke liegt zudem auf der Linie einiger Sportler. Der britische 110-Meter-Hürden-Europameister Andy Turner teilte mit: „Entweder man sorgt weltweit für eine lebenslängliche Sperre für Doper – oder man lässt es komplett bleiben.“

Die Debatte um eine Verschärfung der Regelung wird damit angefacht. Fraglich ist nur, ob es sich um ein temporäres Interesse handelt, oder ob es tatsächlich den Willen zur gründlichen Säuberung des Sports gibt. Um Änderungen des Wada-Codes wird es erst nach Olympia gehen.

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