Comeback des Jahres perfekt : Martin Schmitt holt Silber im Chaos-Springen

Martin Schmitt hat bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Liberec beim Springen von der Großschanze die Silber-Medaille gewonnen. Dabei war Schmitt praktisch schon nach dem ersten Sprung Vize-Weltmeister - denn der zweite Durchgang musste abgebrochen werden.

Eric Dobias[dpa]
Schmitt
Martin Schmitt: Rückkehr in die Weltspitze. -Foto: dpa

LiberecAls Martin Schmitt mit Silber im Chaos-Springen von Liberec die erste WM-Medaille für die deutschen Skispringer seit vier Jahren gewonnen und das Comeback des Jahres perfekt gemacht hatte, wirkte der Routinier wie in Trance. Nachdem die Nachricht vom endgültigen Abbruch auf dem Bildschirm im Sprungturm der Großschanze aufgeleuchtet war, schüttelte der 31-Jährige immer wieder ungläubig den Kopf, ehe er dem neuen Weltmeister Andreas Küttel aus der Schweiz freudestrahlend um den Hals fiel und danach die Glückwünsche der Konkurrenz entgegennahm.

"Es war einfach eingeblendet, dass nur der erste Durchgang zählt. Da war ich erleichtert, weil mit dem starken Schneefall wäre es schon schwierig geworden. Es ist ein Traum, dass ich bei einer WM noch einmal auf dem Podium stehe. Ich habe meine Konzentration bis zum Schluss gehabt und deshalb oben eine ganze Weile gebraucht, um das zu realisieren. Die Farbe der Medaille ist mir ganz egal", sagte Schmitt. Der ehemalige "Überflieger" war praktisch schon nach seinem 133-Meter-Satz im ersten Durchgang Vize-Weltmeister, denn der finale Durchgang musste wegen eines heftigen Schnee-Sturms abgebrochen werden.

Rückkehr in die Weltspitze

Der viermalige Weltmeister veredelte acht Jahre nach seinem doppelten Gold-Coup von Lahti seine großartige Laufbahn. Der Schwarzwälder hatte nach sechs Jahren voller Rückschläge in diesem Winter eine kaum für möglich gehaltene Rückkehr in die Weltspitze gefeiert und im Saisonverlauf bereits mit zwei Podestplätzen im Weltcup seine wiedergewonnene Stärke demonstriert.

"Diese Silbermedaille ist Gold wert. Nach dieser langen Durststrecke so zurückzukommen, ist eine tolle Leistung. Ich gönne ihm das vom Herzen. Er ist für eine tolle Saison belohnt worden", erklärte Bundestrainer Werner Schuster. Als die Entscheidung der Jury, den Wettbewerb nach zweimaligen Neustart abzubrechen, bekanntwurde, lagen sich Trainer, Funktionäre und Athleten des Deutschen Skiverbandes (DSV) jubelnd in den Armen. Das letzte Edelmetall für die deutschen Skispringer hatte es 2005 in Oberstdorf mit Silber im Team-Wettbewerb von der Normalschanze gegeben.

"Ich hatte mich mental auf einen zweiten Sprung eingestellt und war im Kopf klar. Mit diesem Ausgang kann ich aber auch leben. Es war sehr nervenaufreibend", meinte Schmitt. Schon nach seinem ersten Versuch hatte er erleichtert die Faust geballt. "Ich war relativ gelassen. Der Sprung war sehr gut und flugtechnisch stark. Ich bin sehr zufrieden, aber es kann noch viel passieren", sagte Schmitt zur Halbzeit.

Das Finale wird zum Nervenspiel

Damit sollte er recht behalten, denn das Finale wurde zum befürchteten Nervenspiel. Nach 23 Startern brach die Jury den Durchgang wegen heftigen Schneefalls ab und startete nach 20-minütiger Unterbrechung neu. "Wir wussten, dass ein Schnee-Schauer kommt. Aber wir dachten, dass wir den Wettkampf noch durchbekommen", sagte Walter Hofer, Renndirektor des Weltverbandes FIS.

Mit Hochdruck-Saugern versuchten zahlreiche Helfer, die Anlaufspur vom Schnee zu befreien. Zudem wurde der Anlauf um zwei Luken verlängert. "Die Bedingungen sind nicht wirklich besser, sondern eher schlechter geworden", berichtete Michael Neumayer, der mit 119 Metern als 28. nur mühevoll ins Finale gerutscht war. Immer wieder wurde der Wettkampf unterbrochen, was die Springer zunehmend vor unlösbare Aufgaben stellte, so dass die Jury den Wettbewerb nach 17 Athleten endgültig stoppte.

Ein Opfer der Bedingungen war zuvor auch Michael Uhrmann geworden, der bei 102 Metern vom Himmel fiel. "Ich bin nicht auf Geschwindigkeit gekommen", erklärte der Bayer. Mit seinem gewerteten Sprung von 124,5 Metern belegte er Rang 17. Stephan Hocke segelte im ersten Durchgang bei günstigen Windbedingungen auf 127 Meter. "Das war mit Abstand mein bester Sprung bei dieser WM. Ich habe schon an der Kante gewusst, da geht was", berichtete der Thüringer nach seinem hervorragenden 12. Platz.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben