Comeback des Turners : Fabian Hambüchen: Ein Star sucht seinen Platz

Früher als geplant kehrt der Ex-Weltmeister nach seiner Verletzung zurück. Für die Qualifikation zur Turn-WM nimmt er einiges in Kauf.

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Hält wieder die Stange. Fabian Hambüchen kehrt nach seiner Achillessehnenverletzung am kommenden Wochenende erstmals wieder ans Reck zurück. Foto: p-a/dpa
Hält wieder die Stange. Fabian Hambüchen kehrt nach seiner Achillessehnenverletzung am kommenden Wochenende erstmals wieder ans...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Es wird ein Test, eine Generalprobe vor der großen Herausforderung. Fabian Hambüchen wird sich das Trikot des KTV Straubenhardt anziehen, er wird sich in Heidelberg den Zuschauern präsentieren, und dann beginnt das große Zittern. Hält die Achillessehne? Wie gut wird er in den Stand kommen? Fragen, die Fabian Hambüchen, der frühere Reck-Weltmeister, eigentlich am 13. August in Altendiez beantworten wollte, bei der Qualifikation für die Turn-WM in Japan im Oktober. Aber es steht zu viel auf dem Spiel, deshalb wird Hambüchen schon am Samstag in der Bundesliga an die Geräte gehen, gegen die KTG Heidelberg. „Es ist ein Training unter Wettkampfbedingungen“, sagt Andreas Hirsch, der Chef-Bundestrainer.

Altendiez, das wird die echte Herausforderung. Da geht es nicht allein ums Comeback des Turners Hambüchen nach monatelanger Verletzung. Da geht es auch um die Frage, wie er zurückkommt. Hirsch meint vor allem Hambüchen, wenn er allgemein fragt: „Welche Position nimmt welcher Sportler ein? An welcher Stelle wird er gebraucht?“

Wo wird Hambüchen gebraucht in der deutschen Riege? Bei einem gesunden Hambüchen ist die Antwort klar. „Wenn wir einen Mehrkämpfer Hambüchen haben, der Sprung und Boden machen kann, aber hallo...“, sagt Hirsch. Das Problem ist nur, dass Hambüchen derzeit weder Sprung noch Boden absolvieren kann. Er kann wegen der Verletzung maximal vier Geräte turnen, er fällt damit bei der WM in Japan für den Mehrkampf aus. Ausgerechnet für den wichtigsten Wettkampf.

Wenn die deutsche Riege in Japan ins Mehrkampf-Finale einzieht, ist sie für die Olympischen Spiele qualifiziert. Das ist für Hirsch das bedeutsamste Ziel, alles andere ist nachrangig. Verpasst sie den Endkampf, hat sie im Januar eine zweite Qualifikationschance, aber daran möchte Hirsch gar nicht denken.

Es gab Diskussionen, ob Hambüchen in Altendiez ausnahmsweise auf besonderen Weichmatten landen darf. Der Arzt hatte dies zur Bedingung für einen Start gemacht. Und Wolfgang Hambüchen, Vater und Trainer des Ex-Weltmeisters, hatte dies nachdrücklich mit Verweis auf die Erfolge seines Sohnes verlangt. Aber der Wunsch rief Diskussionen hervor. „Wir wollen eigentlich Bedingungen haben, wie sie bei der WM auch sind“, sagt Hirsch. Andererseits: Unnötigen Ärger wollte auch niemand. Also beschloss die Verbandsführung: Gleiches Recht für alle. Weichmatten stehen nun jedem zur Verfügung. Jeder kann entscheiden, ob er sie nutzt. Denn auf diesen Matten kann man nicht so gut stehen wie auf härterem Untergrund. „Jeder kann sich’s aussuchen, aber Fehler auf weichen Matten werden nicht nachsichtiger bewertet als Patzer auf harten“, sagt Hirsch.

Angst vor einer neuen Verletzung hat Hambüchen nicht, jedenfalls hat Hirsch bisher nichts davon bemerkt. Hambüchens Problem ist wohl mehr seine derzeit unklare sportliche Rolle und die Rolle, die er nun in der Mannschaft spielt. Er tritt gerne als Leitfigur und Medienstar auf, deshalb ist er bei einigen Kollegen im Team auch unbeliebt. Doch jetzt muss er erst einmal seinen Platz in der Hierarchie neu finden. Die Frage ist: „Wie sehr kann er der Mannschaft helfen?“, sagt Hirsch. Dass Hambüchen ausgerechnet beim Sprung und am Boden, zwei seiner Stärken, ausfällt, „macht es für ihn nicht einfacher. Das ist wie beim Kartenspiel. Wenn man zwei Trümpfe schon ausgespielt hat, wie setzt man die anderen ein?“

Hirsch räumt Hambüchen in Altendiez auf keinen Fall einen Bonus ein, auch nicht nach dessen 32 Medaillen bei internationalen Wettkämpfen. Er muss eine Riege stark machen, da kann teaminterne Konkurrenz nur gut sein. „Das Handicap des einen“, sagt Hirsch, „ist ja die Chance des anderen.“

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