Sport : Comeback eines Sünders

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Von Ingo Wolff

Berlin. Andrasch Starke stellte sich auf dem Weg vom Auslauf zurück zur Tribüne der Hamburger Galopprennbahn Horn aufrecht in den Sattel und streckte einen Arm in den Himmel. Der Jockey ließ sich für seinen Triumph beim 133. Deutschen Derby feiern. Starke saß auf Next Desert, dem dreijährigen Galopper und besten Zuchtpferd des Jahres.

Dabei liebt Starke keine großen Gesten. Der deutsche Star unter den Berufsrennreitern konnte schon zweimal zuvor das Blaue Band gewinnen. Der Sieg mit Next Desert ist für den 27-jährigen Kölner aber deshalb etwas Besonderes, weil er im Dezember als Gastjockey in Hongkong mit Kokain erwischt und für ein halbes Jahr gesperrt wurde. Der Zeitraum wurde mit Bedacht gewählt. Der deutsche Galoppsport-Verband wollte seinen Topreiter trotz des Vergehens nicht bei seinem wichtigsten Rennen fehlen lassen. Am 1. Juli durfte Starke am zweiten Renntag der Derbywoche wieder aufsitzen. Genügend Zeit, um nach der Pause die nötige Wettkampfhärte zu bekommen.

Auf der anderen Seite konnte sich wohl kein anderer Reiter so akribisch auf das Derby vorbereiten wie der Stalljockey von Andreas Schütz. Der Kölner Trainer war es auch, der Starke als Erster verziehen und weiterhin das Vertrauen geschenkt hatte. Denn viele Besitzer hatten angedeutet, dass ein Jockey, der Drogen nimmt, eine zu große Gefahr für ihre teuren Pferde ist. Aus ihren Reihen hatte es geheißen: Einem unter Drogen stehenden Autofahrer würde man ja auch keinen Ferrari überlassen.

Der engen Beziehung zwischen ihm und Schütz, dem Erfolgsgespann der vergangenen Jahre, hatte es Starke zu verdanken, dass er doch auf dem besten Pferd des 17-köpfigen Feldes saß. Selbst der Hengst Mamool, den Dubais Scheich Mohammed Al Maktoum in seinem Privatjet hatte einfliegen lassen, wurde hinter Next Desert gewettet. Im Rennen hatte der englische Starjockey Lanfranco Dettori jedoch keine Chance gegen Starke. Der Boden war für ihn zu weich. Der mehrtägige Regen hatte den Turf sehr tief werden lassen.

Next Desert machten diese widrigen Bedingungen aber wenig aus. Starke setzte sich gleich nach dem Start an die zweite Position und demonstrierte beim Einbiegen in die Zielgeraden seine besonderen taktischen Qualitäten. Während alle anderen Jockeys schon hart arbeiten mussten, saß Starke noch entspannt im Sattel und verlängerte den Abstand zwischen sich und der Zweiten, Salva Regina, und der Dritten, Tomori, auf mehrere Pferdelängen. Die 35 000 Zuschauer quittierten diesen außergewöhnlichen Ritt mit Jubel.

Auch der introvertierte Andreas Schütz zeigte Emotionen. Schließlich stammen auch die beiden platzierten Stuten aus seinem Trainingsquartier. Für Starke ist der Sieg aber auch ein finanzieller Ausgleich für das verlorene Halbjahr. Er erhält fünf Prozent der 381 000 Euro Siegprämie.

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