Sport : Comeback in Zipsendorf

Markus Babbel will Patrick Ebert langsam an Herthas Profis heranführen

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Sprint mit Umwegen. Patrick Ebert möchte schnellstmöglich wieder in der Zweiten Liga auflaufen, Trainer Babbel hält das aus eigener Erfahrung für problematisch.Foto: Winter
Sprint mit Umwegen. Patrick Ebert möchte schnellstmöglich wieder in der Zweiten Liga auflaufen, Trainer Babbel hält das aus...Foto: Ottmar Winter

Berlin - Patrick Ebert wird am Sonntag wieder Fußball spielen. Es ist sein erstes Pflichtspiel für Hertha BSC, seitdem er sich im Sommer beim Test gegen den SSV Ulm einen Riss des Kreuzbandes zuzog. Allerdings wird sich Ebert dieses Comeback ein wenig anders vorgestellt haben, denn es steigt nicht im Kreis der Profis am Sonntag auf der Bielefelder Alm, wie er es vor einer Woche noch sehr laut und sehr deutlich gefordert hatte, – ein wenig zu laut und zu deutlich. Der Mittelfeldspieler Ebert wird am Sonntag die zweite Mannschaft verstärken, im Oberligaspiel beim ZFC Meuselwitz, das Z im Klubnamen steht übrigens für den Meuselwitzer Stadtteil Zipsendorf. Großer Fußball klingt anders.

Die Geschichte mit Patrick Ebert hat eine Vorgeschichte. Sie spielt im Sommer 2003 in England und hat nichts mit Ebert zu tun, wohl aber mit seinem Trainer. Markus Babbel war damals beim FC Liverpool angestellt und gerade vom Guillaume-Barré-Syndrom genesen, einem schweren Nervenleiden, das ihn zwischenzeitlich an den Rollstuhl gefesselt hatte. Im Ligapokalspiel gegen Aston Villa durfte Babbel völlig überraschend von Anfang an mitmachen. Es lief dabei nicht alles nach Wunsch, aber dass ihn Trainer Gerard Houllier schon nach 39 Minuten vom Platz nahm, empfand er als Demütigung. Wütend stapfte Babbel in die Kabine und zog dabei sein Trikot aus. Das wiederum interpretierte Houllier als unentschuldbaren Mangel an Respekt gegenüber dem Klub, der Babbels Vertrag noch während dessen Krankheit verlängert hatte. „Babbel hat uns allen ins Gesicht geschlagen“, hieß es im Liverpooler Fanforum „anfield online“.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Markus Babbel wurde erst nach Blackburn ausgeliehen und kehrte in der Spätphase seiner Karriere noch einmal in die Bundesliga zurück, zum VfB Stuttgart. Für den FC Liverpool hat er nach dem Zerwürfnis mit Houllier nie wieder ein Spiel gemacht. Vor diesem Hintergrund hat es eine durchaus heitere Note, dass Babbel im vergangenen Sommer als Assistent Houlliers gehandelt wurde für den Fall, dass der Franzose zum VfL Wolfsburg gegangen wäre.

Heute sagt Markus Babbel dazu, natürlich habe er damals Fehler gemacht. Aber sein damaliger Trainer habe leider auch nicht die richtigen Worte gefunden im Dialog mit einem ungeduldigen und ehrgeizigen Spieler, der doch nur so schnell wie möglich der Mannschaft wieder habe helfen wollen.

Nun ist er selbst Trainer und sieht sich durch seine Erfahrung mit Houllier bestärkt darin, Geduld mit ungeduldigen Spielern zu haben. Aber auch Nachsicht. Patrick Ebert hat sich im persönlichen Gespräch für seinen ungestümen Vorstoß in der Öffentlichkeit entschuldigt, und der Trainer hat akzeptiert. „Die Sache ist abgehakt“, sagt Babbel. Und dass Ebert im Training schon wieder ganz erstaunliche Sachen zeige. „Aber er braucht einfach Wettkampfpraxis über 90 Minuten, und die kann ich ihm zurzeit nicht geben, denn Experimente können wir uns nicht mehr leisten.“ Genau deshalb sei Eberts Delegierung in die zweite Mannschaft keinesfalls als disziplinarische Maßnahme zu verstehen. Sondern als sportliche Fortsetzung einer medizinischen Rehabilitationsphase.

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