Comeback : Lance Armstrong fährt für Astana

Lance Armstrong hat einen Radrennstall für sein Comeback gefunden: das doping-belastete kasachische Team Astana. Mit ihm möchte er 2009 seinen achten Sieg bei der Tour de France feiern.

Mathias Klappenbach

Berlin - Die ganz großen Probleme der Welt werden verhandelt, wenn die „Clinton Global Initiative“ (CGI) zu ihrem Jahrestreffen nach New York einlädt. Die Klimaerwärmung, Krankheiten wie Aids und Bildung für die Kinder in den ärmsten Ländern stehen auf der Tagesordnung, wenn sich in New York unter anderem einflussreiche Entscheider aus der Wirtschaft und 50 aktuelle oder ehemalige Regierungschefs austauschen. Mehr als zehn Milliarden Dollar hat der ehemalige US- Präsident Bill Clinton in den vergangenen Jahren bereits gesammelt, um Gutes zu tun. Einen besseren Rahmen als die CGI, um für Unterstützung für sein Anliegen zu werben, kann man sich kaum vorstellen. Und nur auf den ersten Blick mag es nicht passen, wenn ein 37 Jahre alter Sportler bei dieser Gelegenheit die Einzelheiten seines geplanten Comebacks bekannt gibt.

Der Amerikaner möchte sein Comeback auch für den Kampf gegen Krebs nutzen

Denn es handelt sich um Lance Armstrong, den siebenmaligen Gewinner der Tour de France. In den Jahren 1999 bis 2005 hat er das größte Radrennen der Welt dominiert. Es waren die Jahre nach seinem ersten Comeback, denn 1996 war bei dem bis dahin durchaus erfolgreichen jungen Profi fortgeschrittener Hodenkrebs diagnostiziert worden, er hatte bereits Metastasen im Bauchraum und in der Lunge sowie zwei Tumore im Gehirn. Nach zwei Operationen und vier Zyklen Chemotherapie hatte Armstrong den Krebs besiegt. Er hatte nicht die damals übliche Chemotherapie gewählt, weil die als Nebenwirkung eine Verringerung seiner Lungenkapazität zur Folge gehabt hätte, eine Fortsetzung seiner Karriere als Radprofi wäre wohl nicht möglich gewesen.
Der Krebspatient Armstrong ging den ganz harten Weg, und er kehrte stärker als zuvor zurück, als Dominator des wichtigsten Wettbewerbs seines Sports. Und er gründete die „Lance Armstrong Foundation for Cancer Research“, bekannt durch ihre gelben Armbänder, auf denen „Livestrong“ steht. „Ich kann keinen achten Tour-de-France-Sieg versprechen, aber ich garantiere, dass ich dafür kämpfen werde, das Krebs weltweit in das Bewusstsein der Menschen gerückt wird“, sagte Armstrong gestern. Auch Armstrong ist es zu verdanken, dass in den vergangenen Jahren in Texas Milliarden Steuergelder in die Krebsforschung investiert wurden, seine eigene Stiftung hat bereits mehr als 250 Millionen Dollar gesammelt. Das sind die Zahlen, die Armstrong offiziell mehr interessieren als die Ziffer 8 vor seinen Toursiegen.

Armstrong will seine Blutwerte im Internet veröffentlichen

Die will er mit dem Team Astana erreichen, das wegen verschiedener Dopingfälle in diesem Jahr von der Tour ausgeschlossen war. Im nächsten Jahr und für die beiden darauf hat Astana aber bereits eine Startgarantie, die die 18 wichtigsten Teams mit der Führung der Tour ausgehandelt haben. Leiter des Teams ist Johann Bruyneel, Armstrongs früherer Teamchef bei den Teams US Postal und Discovery Channel. Einige von Bruyneels früheren Fahrern und Armstrongs Helfern aus dieser Zeit sind später wegen Dopings auffällig geworden, so Manuel Beltran, Tyler Hamilton, Roberto Heras und der bei der Tour 2006 überführte Sieger Floyd Landis.
Armstrong selbst konnten kurz nach seinem Rücktritt 2005 zweifelsfrei im Jahr 1999 eingefrorene Blutproben zugeordnet werden, in denen sich Spuren des Blutdopingmittels Epo fanden, das 1999 noch nicht nachweisbar war. Da es aber keine notwendige Vergleichsprobe mehr gab, hatte Armstrong, der Doping stets abgestritten hat, keine Konsequenzen zu befürchten. Dennoch wird er bei seiner Rückkehr vermehrt mit dieser Vergangenheit konfrontiert werden, auch wenn er gestern die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Anti-Doping-Experten Don Catlin ankündigte und seine Blutwerte für jedermann zugänglich ständig im Internet veröffentlichen will – auf der Homepage seiner Stiftung. „Ich stehe jeden Tag für Tests zur Verfügung“, sagte Armstrong. Sicher auch ein Zugeständnis an seinen Ruf in Europa, denn in den USA hat er es geschafft, die Indizien gegen ihn als Schmierkampagnen von antiamerikanisch gesinnten Neidern zu verkaufen.

Nach seinem Rücktritt lief er dort als – offenbar unzureichende – sportliche Herausforderung Marathon, ließ sich mit verschiedenen Schauspielerinnen blicken und kümmerte sich vor allem um seine Stiftung. Immer wieder wird er mit einer politischen Karriere in Verbindung gebracht, und er lässt durchblicken, dass er für das Amt des Gouverneurs in Texas zur Verfügung stünde. Seine Positionen zu einem schärferen Waffengesetz und der Ermöglichung eines Schwangerschaftsabbruchs sind jedenfalls bekannt.
Zuvor hat sich Armstrong aber entschieden, noch einmal einen harten Weg zu gehen, sich noch einmal oder vielleicht sogar zweimal der größtmöglichen sportlichen Herausforderung zu stellen. Ernstzunehmende Wettkämpfe hat er seit seinem Rücktritt nicht bestritten. Und doch ist der Respekt in der Szene riesig, zu oft hat Armstrong alle abgehängt.

Die allgemeine Meinung ist, dass Armstrong nicht antreten würde, wenn er nicht gewinnen könne, und viele Fahrer und Experten rechnen sogar mit seinem Sieg. Große Aufmerksamkeit ist der Tour 2009 mit Armstrong auf jeden Fall gewiss.

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