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Comeback : Schwimmstar Ian Thorpe kehrt zurück

Überraschend kündigt der fünffache Schwimm-Olympiasieger Ian Thorpe vier Jahre nach seinem Rücktritt ein Comeback an. Dass er sich schon wieder auf Olympia vorbereitet, konnte er über Monate geheim halten.

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Ian Thorpe.
Ian Thorpe.Foto: AFP

Der Oberkörper – insgesamt eine Spur zu massig, mit überschaubar herausgearbeiteten Muskelpartien – ist zwar noch nicht ganz in Olympiaform, aber sonst sieht Ian Thorpe blendend aus. Tiefengebräunt ist der Schwimmheld der Australier – das Ergebnis der vielen Trainingseinheiten, die der 28-Jährige zuletzt in Sydneys Andrew Boy Charlton Pool absolviert hat. Außerdem hat Thorpe Grund zu guter Ausstrahlung bei der Aufsehen erregenden Pressekonferenz, bei der er am Mittwoch sein Comeback bekannt gab. Er freute sich auch über sein gelungenes Versteckspiel mit den Medien.
In 18 Monaten will der fünfmalige Goldmedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in London wieder an den Start gehen – eine mittlere Sensation, die er medaillenwürdige fünf Monate vor der Öffentlichkeit geheim hielt. „Im September habe ich die Entscheidung getroffen, wieder wettkampfmäßig zu schwimmen“, erklärte Thorpe bei seinem live im Fernsehen übertragenen Auftritt in Sydney – und drehte der Medienmeute nachträglich nochmals eine lange Nase. Sogar seine Familie erfuhr erst im Januar von seinen Comeback-Plänen, und alle Freunde, die eingeweiht waren, bat er, „geschickt zu lügen“. Denn: „Ich brauchte diesen Raum, um die richtige Entscheidung zu treffen.“
Schon im November 2006 hatte Thorpe einen viel beachteten Entschluss gefasst – mit seinem Rücktritt vom Schwimmsport, als gerade mal 24-Jähriger. Schwindende Motivation gab der Freistilspezialist damals als Grund an. In einem etwas düstereren Licht erschien das Bye bye des Australiers aber vier Monate später, als die französische Sporttageszeitung „L’Equipe“ von erhöhten Werten von Testosteron und Wachsturmhormon bei Thorpe im Rahmen einer Trainingskontrolle im Mai 2006 berichtete. Im November 2007 stellte der Weltverband Fina, der erst in den letzten Jahren wieder durch seine laxe Anti-Doping-Politik negativ auffiel, die Ermittlungen gegen den Australier ein.
„Mein Name wird für immer befleckt sein“, schäumte Thorpe anschließend dennoch – nun will er diesen Namen wieder aufpolieren. Die Konkurrenz nahm die Nachricht aus Down Under schon einmal mit viel Wohlwollen auf. „Seine Gegenwart wird das Interesse am Schwimmen weiter steigern. Er ist einer der wirklich Großen, es wird spaßig sein, ihn in London wieder dabei zu haben“, ließ Bob Bowman, Trainer des 14-maligen Olympiasiegers Michael Phelps, aus den USA ausrichten.
Im zum „Rennen des Jahrhunderts“ hoch gejazzten Olympiafinale über 200 Meter Freistil hatte Thorpe 2004 neben dem fliegenden Holländer Pieter van den Hoogenband auch den großen Phelps besiegt. Die Zeit des deutschen Vorzeigeschwimmers Paul Biedermann dagegen kam erst, als Thorpe sich bereits aus dem Pool verabschiedet hatte. Als Biedermann – im Hightech-Anzug – dem Australier bei der WM 2009 dessen Fabelweltrekord über 400 Meter Freistil entrissen hatte, schickte Thorpe sportlich korrekt eine Glückwunsch-SMS nach Rom. Bundestrainer Dirk Lange sagte gestern jedoch: „Man darf nicht vergessen: Thorpes Rekorde sind in den letzten Jahren nur durch die Superanzüge geknackt worden.“
Da kann der australische Wassermann mit der phänomenalen Schuhgröße 51 im nächsten Jahr einiges gerade rücken. „Es gibt noch Dinge, die ich im Schwimmen nicht erreicht habe und die ich gerne schaffen möchte“, erklärte Thorpe, der sich jenseits der Heimat in Abu Dhabi und Europa auf die London-Spiele vorbereiten will, und lächelte dazu: „Bevor ich 30 bin, noch einmal bei Olympia zu schwimmen, das stand auf meiner Wunschliste – neben einer Rolle als James Bond, der Gründung einer Rockband oder einer Pilotenlaufbahn. Und das mit dem Schwimmen erschien mir realistischer.“
Der direkte Vergleich mit den Gewinnern aus der Ära der Hightech-Anzüge, wie Biedermann, könnte zu den Dingen zählen, die Thorpe nachholen will. Wobei sich der gebürtige Sydneysider, der olympisches Einzelgold bislang über 400 (zwei Mal) und 200 Meter Kraul (einmal) gewann, neben den 200 speziell auf die 100 Meter Freistil fokussieren will. Zu einem Showdown mit Biedermann wird es zumindest über diese Distanz in London kaum kommen. Doch ganz unabhängig davon betont Bundestrainer Lange: „Ich freue mich sehr auf die Duelle mit Thorpe. Denn wenn er dabei ist, wird die Luft für alle dünner.“

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