Sport : Coming-out eines Sportstars

Schwimmer Mark Tewksbury ist schwul und sagt das auch

Matthias Oloew

Während seiner Sportkarriere ist ihm das nie passiert. Aber ausgerechnet in Sydney, seiner Premiere bei den Gay Games, konnte Mark Tewksbury nicht mitmachen: „Ich habe mir den Knöchel verstaucht", sagt der Kanadier. Tewksbury ging in Sydney nicht an den Start, doch Aufsehen erregte er auch so. Denn der Schwimm-Olympiasieger von 1992 bekennt sich offen zu seiner Homosexualität. Das ist im Spitzensport immer noch selten.

Für den 34-Jährigen war es kein einfacher Weg. Tewksbury hatte sein Coming-out, nachdem er sich aus dem Profisport zurückgezogen hatte. „Es ist für Profisportler unglaublich schwer, sich zur Homosexualität zu bekennen", sagt er. Gilt das immer noch in Zeiten von Homo-Ehe und rechtlicher Gleichstellung? „Es ist richtig, wir haben einen langen Weg zurückgelegt", sagt Tewksbury. „Aber Gesetze zu ändern, ist das eine, die Gesellschaft mit ihren Traditionen und Moralvorstellungen zu ändern das andere."

Ein Beispiel: „Beim Fußball oder Eishockey herrschen ganz eigene Gesetze. Man macht sich zur Zielscheibe, wenn man sich dort outet." Darüber hinaus könnten Sponsoren zögern, lesbische und schwule Sportler zu unterstützen. „Abgesehen davon hatte ich während meiner Sportkarriere gar keine Zeit, um mir Gedanken um einen Freund oder eine Freundin zu machen."

Dazu kam er erst später. Da lernte er den Berliner Schauspieler Benjamin Kiss kennen und lieben. Dreieinhalb Jahre waren beide zusammen. „Er hat eine ganz wichtige Rolle in meinem Leben gespielt", sagt Tewksbury. Denn es war Benjamin Kiss, der ihn davon überzeugte, öffentlich zu seiner Homosexualität zu stehen. Das geschah 1998. Das Medienecho in Kanada war enorm.

Ein Star ist Mark Tewksbury in seiner Heimat noch heute. Obwohl er zwischenzeitlich nach Australien ging, um sein Studium abzuschließen. Dann lebte er für einige Zeit in Berlin bei seinem Freund. Jetzt ist er zurück nach Montreal gezogen. Dort hat er eine neue Aufgabe: als Botschafter für die nächsten Gay Games 2006 in seiner Heimat.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben