Confed-Cup-Finale : Brasilien reicht eine Halbzeit

Nach einem 0:2 zur Pause gewinnt der Rekord-Weltmeister Brasilien das Confed-Cup-Finale gegen die USA noch mit 3:2.

Thomas Becker[Johannesburg]
Luzio
Bayern-Profi Lucio köpfte in der Schlussphase des Finales gegen die USA den 3:2-Siegtreffer. -Foto: dpa

Soll noch einer sagen, der Confed-Cup sei eine langweilige, künstlich die Saison verlängernde Angelegenheit ohne sportlichen Wert - auch in der letzten Partie wurden die Skeptiker eines Besseren belehrt: In einem packenden Finale besiegte Rekord-Weltmeister Brasilien die USA in Johannesburg mit 3:2 (0:2) und holte sich zum dritten Mal nach 1997 und 2005 die Trophäe. Luis Fabiano (46./74. Minute) und Bayern-Profi Lucio (84.) drehten die Partie vor 52 291 Zuschauern im Ellis-Park-Stadion, die nach Treffern von Clint Dempsey (10.) und Landon Donovan (27.) bereits zu Gunsten der US-Amerikaner entschieden zu sein schien.

Auf den Favoriten zu wetten hatte sich im Verlauf dieses Turnier ja bereits als wenig lukrativ erwiesen, und auch am letzten Nachmittag dieser WM-Generalprobe hätte es fast wieder eine dieser dicken Überraschungen gegeben. Das Spiel um den reichlich bedeutungslosen Platz drei raffte sich nach eher müdem Beginn noch zu einer Klasse-Partie mit Krimi-Qualitäten auf: Spanien besiegte die Gastgeber nach wechselvollem Spiel mit 3:2 nach Verlängerung - und verdarb damit den Südafrikanern die ganz große Abschlussparty. Doch allein das Zustandekommen von zwei Treffern - so viel wie insgesamt in den vier Turnierspielen zuvor - lässt die Erwartungen an die Bafana Bafana für die WM im kommenden Jahr gewaltig wachsen.

Überhaupt zeigte man sich generell zufrieden mit dem Verlauf des Confed-Cups. Zwar hat Fifa-Boss Sepp Blatter angekündigt, seine Manöverkritik erst nach dem Turnier kundzutun, aber schon am Sonntag erschienen in den Tageszeitungen Johannesburgs ganzseitige Anzeigen des Fifa-Organisationskomitees mit dem Text: „Siyabonga South Africa! - Danke, Südafrika!“ Die WM wird nicht nur ein Fest für die Augen, sondern auch ein Ohrenschmaus: packende Rhythmen, wunderbare Chöre, und an die Vuvuzela-Kakophonie gewöhnt man sich wohl auch.

Die Sympathien der Zuschauer des Endspiels waren eindeutig verteilt, die gelben Trikots der Brasilianer gegenüber den Yanks oder Obama-Boys genannten US-Amerikanern klar in der Überzahl. Auch in der Partie gehörten die ersten Torszenen dem hohen Favoriten, doch schon nach zehn Minuten nutzte der Außenseiter seine erste Chance: Clint Dempsey vom FC Fulham verarbeitete eine Flanke von links unter gefälliger Beobachtung von Kapitän Lucio wie selbstverständlich zum 1:0. Damit nicht genug: Mitten hinein in eine brasilianische Drangphase mit viel Arbeit für den überragenden US-Torhüter Tim Howard (FC Everton) platzte in der 27. Minute ein schulmäßiger Konter, den der vom FC Bayern im März schnöde verjagte Landon Donovan kühl und sehr smart zum 2:0 abschloss. Eine große Überraschung deutete sich an.

Doch schon in der ersten Minute der zweiten Hälfte gelang Luis Fabiano mit einem straffen Linksschuss aus der Drehung der Anschlusstreffer. Ein Angriff nach dem anderen rollte nun Richtung US-Strafraum, entlastende Konter blieben bis auf zwei Möglichkeiten von Donovan und Dempsey aus. Brasiliens Coach Dunga schickte zwei frische Spieler ins Feld, der Druck wuchs, und erneut war es Luis Fabiano, der in der 72. Minute traf, diesmal per Kopf. Es war bereits sein fünfter Treffer bei diesem Confed–Cup. Und schließlich war es sechs Minuten vor dem Spielende Lucio, der den Favoriten rettete.

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