Confed-Cup in Russland : Deutschland erkämpft sich ein 1:1 gegen Chile

Fast eine Halbzeit lang zeigen die leidenschaftlichen Chilenen dem jungen deutschen Team die Grenzen auf. Dann erzielt Lars Stindl den Ausgleich.

Chance genutzt. Im zweiten Spiel beim Confed-Cup erzielte Lars Stindl sein zweites Tor.
Chance genutzt. Im zweiten Spiel beim Confed-Cup erzielte Lars Stindl sein zweites Tor.Foto: Darren Staples/Reuters

Joachim Löw muss sich also doch noch etwas in Geduld üben, um sein kleines persönliches Jubiläum begehen zu können. Bei günstigem Verlauf hätte er gestern Abend als Bundestrainer etwas erreichen können, was keinem seiner zum Teil ja recht prominenten Vorgänger gelungen ist – der einhundertste Sieg als Nationaltrainer. Doch seine Mannschaft tat ihm diesen Gefallen in der Kasan-Arena nicht – sie konnte gegen die wilden Chilenen einfach nicht mehr erreichen als ein am Ende halbwegs gerechtes 1:1 (1:1).

Aber auch so wird der 57-jährige Bundestrainer nicht ganz unzufrieden gewesen sein. Seine jungen Spieler konnten wertvolle Erfahrungen sammeln gegen den Weltranglisten-Vierten. In vielen Belangen war der Südamerikameister von 2015 den Deutschen auch überlegen, aber mit fortlaufender Zeit wurden die Unterschiede geringer. Und so haben beide Mannschaften beste Chancen, das Halbfinale des Confed-Cups zu erreichen. Beiden Team würde im dritten Gruppenspiel jeweils schon ein Unentschieden reichen.

Für das Spiel gegen die von Löw als Turnier-Topfavorit ausgerufenen Chilenen nahm der Bundestrainer gleich vier personelle Wechsel vor im Vergleich zum Auftaktsieg gegen Australien. Für Bernd Leno hütete Marc-André ter Stegen das Tor, davor liefen Emre Can, Matthias Ginter und Niklas Süle für Julian Brandt, Antonio Rüdiger und Sandro Wagner auf. Bis auf Lars Stindl waren damit alle deutschen Spieler der Startelf in den 90ern geboren – bei den Chilenen sind alle Starter in den 80ern zur Welt gekommen.

Und wie erwartet wurde das Spiel für die neu zusammengestellte Confed-Cup-Mannschaft Löws die erste harte Prüfung. Zumal sie nach einem schlimmen Pass von Shkodran Mustafi aus dem eigenen Strafraum heraus nach gerade mal fünf Minuten auch schon in Rückstand geriet. Alexis Sanchez vom FC Arsenal ließ sich die Chance nicht entgehen und nutzte den Patzer seines Londoner Mannschaftskollegen zum 1:0. Ter Stegen im deutschen Tor war machtlos.

Die junge und unerfahrene deutsche Elf hatte ihre liebe Not gegen das aggressive Pressing der Chilenen. Man sah den Spielern um Kapitän Julian Draxler förmlich an, wie unerfahren sie noch sind gegen Mannschaften wie Chile, die mit körperlicher Wucht und wilder Entschlossenheit agieren. Immer wieder trieb der 30 Jahre alte Artuo Vidal vom FC Bayern seine Mitspieler bei der La Roja an. Nach zwanzig Minuten hätte es auch 0:2 stehen können, doch der Gewaltschuss von Eduardo Vargas gegen die Unterkante des deutschen Torbalkens klatschte ins Feld zurück. Auch hier wäre ter Stegen machtlos gewesen.

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Die deutsche Mannschaft brauchte ein Weilchen, um selbst auch nur in die Nähe des chilenischen Tores zu kommen, zu hilf- und mutlos wirkte über weite Strecken ihr Aufbauspiel. Vor allem Leon Goretzka, im ersten Turnierspiel noch bester Deutscher, versank in den Tiefen des Mittelfeldes ohne Zugriff auf das Geschehen zu bekommen. Einzig Draxler und Stindl gaben im ersten Abschnitt aus der Distanz Schüsse ab, die entweder das Tor verfehlten oder für Torhüter Johnny Herrera keine Gefahr darstellten. Vielmehr hatte die Elf von Löw damit zu tun, die Chilenen von ihrem Tor fernzuhalten und damit weiteren Schaden zu verhindern.

Als die Kräfteverhältnisse auf dem Platz sich gerade zu manifestieren drohten, gelang den Deutschen plötzlich der Ausgleich. Emre Can trieb den Ball energisch in die chilenische Hälfte hinein, er passte auf die linke Seite, wo Jonas Hector sofort nach innen querlegte. Vor dem Tor hielt dann Stindl sein langes Bein rein – 1:1. Es war eine wunderschöne Kombination, und doch bleib es ein aus deutscher Sicht schmeichelhafter Halbzeitstand.

Die Chilenen ließen den zweiten Abschnitt etwas ruhiger angehen, von ihrem Flitzebogen-Fußball war nichts mehr zu sehen. Trotzdem blieben die Südamerikaner spielbestimmend und im Ballbesitz dominant. Doch dabei sprangen auch bei ihnen die ganz klaren Torchancen nicht mehr heraus. Am Ende gingen dann beide Mannschaften kein großes Risiko mehr ein. Joachim Löw nahm während des gesamten Spiels keinen einzigen Wechsel vor. Seine junge Elf hatte sich reingekämpft und letztlich gut dagegen- und standgehalten. (Tsp)

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