Conny Pohlers : Aufgeblüht beim alten Rivalen

Vor einem Jahr sah es um die Turbine-Spielerin Conny Pohlers nicht so gut aus. In Potsdam war die Fußballerin frustriert und traf kaum mehr ins Tor. Dann wechselte sie zum 1. FFC Frankfurt - und überzeugt seitdem als Torjägerin.

Helen Ruwald
Conny Pohlers
Conny Pohlers zu Potsdamer Zeiten. -Foto: Manfred Thomas

Berlin - Als Conny Pohlers vor gut einem Jahr ihren Wechsel von Turbine Potsdam zum langjährigen Rivalen 1. FFC Frankfurt verkündete, giftete Turbines Trainer Bernd Schröder beleidigt: „Ihre Ansprüche waren höher als ihre Leistungen.“ In Frankfurt fällt die Beurteilung der Nationalspielerin völlig anders aus. „Sie ist eine sensationelle Stürmerin“, sagt Manager Siegfried Dietrich, „sie hat voll eingeschlagen und ist aufgeblüht. Sie ist ein Teil unseres Erfolgs.“ Die 29-Jährige kämpft mit dem Bundesliga-Zweiten um den deutschen Meistertitel, steht im Uefa-Cup-Finale und im DFB-Pokal-Endspiel, in dem heute (16.30 Uhr, live im ZDF) der 1. FC Saarbrücken klarer Außenseiter ist.

Um zu wissen, wie es Conny Pohlers geht, reicht ein Blick auf die Torjägerliste der Fußball-Bundesliga. Dort steht Pohlers zusammen mit Inka Grings auf Platz eins, 17 Mal hat sie in bislang 13 Spielen getroffen. „Ich kann mich nicht beschweren. Es kann so weitergehen“, sagt Pohlers. Ihre Rekordmarke von 36 Treffern in der Saison 2005/06 wird sie zwar nicht mehr erreichen, hat aber schon mehr als doppelt so oft getroffen wie in der gesamten vergangenen Saison in Potsdam, als ihr nur acht Bundesligatore gelangen. Es war Turbines Chaos-Saison, in oder vor der sich eine Nationalspielerin nach der anderen verabschiedete. Die einen kamen mit den sportlichen Entscheidungen von Trainer Schröder nicht mehr zurecht, die anderen mit seiner ruppigen Art. Pohlers hatte im Dezember 2006 „Abnutzungserscheinungen“ zwischen Team und jahrzehntelangem Trainer ausgemacht und sich seinen Rücktritt gewünscht.

Schröder blieb zwar, dafür ging Pohlers. „Ich will nicht zurückblicken“, sagt die Nationalspielerin, die mit Turbine nicht nur Knatsch hatte, sondern viele tolle Jahre, in denen sie zwei deutsche Meistertitel, drei DFB-Pokalsiege und einen Uefa-Cup-Sieg feierte. In Frankfurt spielt Pohlers, die der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Warendorf angehört, neben Weltklassestürmerin Birgit Prinz und Nationalspielerin Petra Wimbersky, eine andere Ex-Potsdamerin. „Ich wusste, dass es bei dem Überschuss an Nationalspielerinnen schwer würde“, sagt Pohlers, „aber das war gerade der Reiz.“ Sie musste sich auch auf eine andere Art des Trainierens einstellen: In Potsdam stand Athletik im Vordergrund, in Frankfurt sind Taktik und Ballarbeit wichtiger.

Entscheidend dafür, dass Pohlers sich beim amtierenden Meister und Pokalsieger durchsetzte, war nach Ansicht von Trainer Hans-Jürgen Tritschoks, dass „sie Rückendeckung braucht, und die habe ich ihr gegeben“. Als sie nicht für die WM 2007 nominiert wurde, bei der Deutschland den Titel verteidigte, führte Tritschoks Einzelgespräche mit der enttäuschten Pohlers, um sie wieder aufzubauen. Beim EM-Qualifikationsspiel Anfang Mai gegen Belgien steht sie wieder im Kader von Bundestrainerin Silvia Neid. Auch heute hat sie die Möglichkeit, sich mit einem erstklassigen Spiel für den Olympiakader zu empfehlen. Das Olympiastadion ist ein Ort, an dem Conny Pohlers sich wohlfühlt: Bei zwei ihrer drei Pokalsiege schoss sie das Führungstor, in allen drei Spielen war der 1. FFC Frankfurt der Gegner.

0 Kommentare

Neuester Kommentar