Sport : Copa América: Alle Vorurteile bestätigt: Argentinien sagt ab

Frank Kohl

Südamerika ist gewalttätig, korrupt und am Rande des Ruins, Regierungen sind bestechlich, die Wirtschaft ist stets marode und die gesetzliche Ordnung eigentlich nur als unkontrollierbares Durcheinander zu bezeichnen. Das ist ein gängiges Vorurteil - und wird gegenwärtig in Kolumbien aufs Treffendste bestätigt. Nachdem die 40. Copa América in Kolumbien bereits wegen der Terrorwelle im Lande auf das kommende Jahr verschoben worden war, wurde am vergangenen Freitag nach einigem Hin und Her überraschend das Turnier wieder für den 11. bis zum 29. Juli angesetzt.

Überzeugungsarbeit des kolumbianischen Präsidenten Andrés Pastrana und Druck von Sponsoren sorgten dafür, dass der Fußball in den kommenden 18 Tagen nun doch in Cali, Medellin und Bogotá rollen wird. Wenn auch einige der vorgesehenen Mannschaften und Spieler nicht erscheinen werden. Kanada sagte gleich nach Ankündigung der Wiederansetzung der Südamerika-Meisterschaft ab. Dafür wird Costa Rica einspringen. Und in der Nacht zu Mittwoch sprang auch Argentinien ab. Als Ersatz für die zurzeit erfolgreichste südamerikanische Mannschaft wird Honduras antreten.

Die Bedenken, so Sicherheitschef Omar Rubiano, seien unbegründet: "Die letzten Attentate haben nichts mit der Copa América zu tun. Klar gibt es Risiken, genauso wie in Brasilien oder Europa. Aber wir sind hier, um dies zu vermeiden." Dafür soll ein gewaltiges Sicherheitsaufgebot sorgen. 20 000 Polizisten, 3000 zivile Sicherheitskräfte, 86 gepanzerte Fahrzeuge und 48 Helikopter sollen die Unversehrtheit der Fußballspieler und Zuschauer sicherstellen. Zusätzlich sind 80 Berater eines auf Antiterroreinsätze spezialisierten Sicherheitsunternehmens aus den USA im Einsatz.

Kein Grund zur Sorge? Kanada und Argentinien sahen das ein wenig anders und sagten ihre Teilnahme ab. In Deutschland mochten der FC Bayern München und Bayer Leverkusen die Geschichte vom sicheren Turnier nicht glauben. Beide Vereine ließen ihre angeforderten Spieler Pizarro (Peru), Elber und Lúcio (Brasilien) nicht zur Copa America reisen und wollen sich notfalls mit dem Weltverband Fifa anlegen. Inzwischen hat der brasilianische Verband die Fifa aufgefordert, "härteste Strafen" gegen die beiden Klubs auszusprechen. Auch sollen sie für internationale Turniere gesperrt werden.

Brasilien trifft der Ausfall von Elber und Lucio besonders hart, denn Trainer Luiz Felipe Scolari konnte nur mit 17 seiner 22 Spieler nach Kolumbien fliegen. Scolari nominierte Ersatz für Elber und Lucio nach. "Auch ich bin in der Lage, andere zum Affen zu machen", sagte der sichtlich verstimmte Trainer. Er wolle Elber und Lucio künftig regelmäßig anfordern, um den Bayern und Bayer zu schaden.

Offen ist nach wie vor der Fall des Münchners Pizarro. Der peruanische Verband FRP hatte bei der Fifa am Montagabend Protest gegen die verweigerte Freigabe eingelegt. Pizarro verspürt allerdings wenig Lust auf eine Reise nach Kolumbien.

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