Copa America : Wenn Kobe Bryant und Jürgen Klinsmann für Lionel Messi trommeln

Das größte Fußballturnier des Jahres steigt in den USA: Die Copa America Centenario soll Kasse machen.

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Jürgen Klinsmann mit den USA das Turnier gegen Kolumbien in der Nacht auf Samstag.
Jürgen Klinsmann mit den USA das Turnier gegen Kolumbien in der Nacht auf Samstag.Foto: AFP

Als die USA mit der Weltmeisterschaft 1994 zuletzt ein großes Fußballturnier abhielten, waren die Werbespots legendär. Da wurde dem TV-Publikum erklärt, dass man, anders als beim American Football, den Ball nicht in die Hand nehmen dürfe und auch nicht über die Latte schießen müsse, sondern ins Tor.

Im Jahre 2016 muss Fußball in den USA immer noch beworben werden, auch wenn die Grundkenntnisse über das Spiel ausgeprägter sind. In einem Spot des Senders Fox nimmt Basketball-Star Kobe Bryant einen Ball elegant mit dem Fuß auf und sagt: „Die größten Superstars der Welt kommen in diesem Sommer zur Copa America in die USA.“ Damit meinte er ausnahmsweise nicht sich selbst. Bryant zählt auf: „Lionel Messi? Ja, ist dabei. Luis Suarez? Zweifellos. James Rodriguez, Chicharito, Alexis Sanchez? Yes, Yes und Yes.“

Es wirklich ein vorzeigbares Star-Aufgebot, dass sich in diesem Juni zur sogenannten Copa America Centenario einfindet. Die Sonderausgabe der Südamerika-Meisterschaft findet dabei erstmals außerhalb Südamerikas statt. Der Verband Conmebol feiert damit sein 100-jähriges Bestehen – und versucht, gemeinsam mit dem Nord- und Mittelamerikaverband Concacaf die klammen Kassen zu füllen. Das größte Fußballturnier des Jahres 2016 findet nicht in Frankreich statt, sondern parallel in den Football-Großarenen Amerikas. „Die Copa America bietet mehr Qualität als die Europameisterschaft“, ist sich Jürgen Klinsmann sicher. Der Trainer eröffnet mit dem Gastgeber das Turnier gegen Kolumbien in der Nacht auf Samstag (3.30 Uhr deutscher Zeit, live bei Sat. 1).

Dass Kobe und Klinsmann derart die Werbetrommel rühren, hat einen Grund. Obwohl außer Brasiliens Neymar, der zum olympischen Fußballturnier muss, alle Stars zugesagt haben, ist ein wirtschaftlicher Erfolg nicht garantiert. Für das Finale am 26. Juni in New York werden zwar bereits Tickets für 2000 Euro verkauft. Aber ob Vorrundenspiele wie Panama gegen Bolivien oder Jamaika gegen Venezuela die riesigen Football-Schüsseln füllen und für den erhofften Schnitt von 62 000 Zuschauern pro Partie sorgen? Die Organisatoren könnten sich mit den hohen Ticketpreisen verrechnet haben.

Fifa zahlt seit Februar keine Fördergelder

Doch auf das Geld sind die Verbände Nord- und Südamerikaner angewiesen. Der Weltverband Fifa überweist seit Februar keine Fördergelder mehr, 20 Millionen US-Dollar sollen derzeit noch eingefroren sein. Schließlich waren es vor allem Conmebol- und Concacaf-Funktionäre, die im Mai 2015 beim Fifa-Kongress in Zürich verhaftet wurden und für eine Skandalwelle im Weltfußball sorgten. Allein vor der Copa America Centenario sollen 110 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern für Marketing- und Fernsehrechte geflossen sein. Viele Verbände waren auf einmal führungslos, das lange geplante Turnier stand auf der Kippe. Doch der US-Verband rettete die Veranstaltung, zog heimische Großsponsoren wie Coca Cola, Nike und Mastercard an Land.

Für die Amerikaner ist es auch ein Testlauf für eine mögliche WM-Bewerbung 2026. Die Südamerikaner träumen dagegen von einer Vereinigung der beiden Kontinentalverbände. Fußballerisch mögen Brasilien, Argentinien & Co. Großmächte sein, aber finanziell und politisch sind ihre Möglichkeiten ausgereizt. Zuletzt luden sie schon Gastmannschaften zur Copa America ein, um ein Gegengewicht zur EM der Europäer zu bilden. Die Frage ist, wer in einem Superverband die Führung übernähme. Vieles spricht für die USA, deren Justiz-Behörden mit ihren Ermittlungen die Säuberungswelle im Fußball erst anstießen und Fifa-Chef Gianni Infantino mit ins Amt hoben. Während in Südamerika noch eine alte, reformunwillige Funktionärskaste das Sagen hat, stellten sich die Concacaf-Verbände neu auf und lassen sich nun von den USA vermarkten, transparenter – und lukrativer.

Man sollte sich daran gewöhnen, dass die Stars des Weltfußballs bald vermehrt in den USA auflaufen. Und dass man den Ball nicht über das Tor, sondern hinein schießen muss, wird dann noch der letzte Zuschauer lernen.

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