Sport : Costa Rica im Sinn

Philipp Lahm löst den Knoten, Marco Reus debütiert stark und Khedira ist der neue Leader.

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Jubelrutscher. Philipp Lahm löste mit einer Kopie seines Tores aus dem WM-Eröffnungsspiel 2006 den Knoten gegen defensive Griechen. Foto: dpa
Jubelrutscher. Philipp Lahm löste mit einer Kopie seines Tores aus dem WM-Eröffnungsspiel 2006 den Knoten gegen defensive...Foto: dpa

Manuel Neuer:

Gut, dass Neuer vor einem Jahr zu den Bayern gewechselt ist. Die Saison in München war die perfekte Vorbereitung auf das Viertelfinale gegen Griechenland. Neuer kennt das ja aus dem Verein, dass er wenig zu tun bekommt, sich in den entscheidenden Momenten aber keine Unkonzentriertheit leisten darf. Klärte einmal wie ein guter alter Libero, parierte einen Schuss von Ninis und war bei den Gegentoren ohne Abwehrmöglichkeit.

Jerome Boateng: Der Münchner kehrte nach seiner Gelbsperre in die Anfangself zurück und widerstand der Versuchung, seinen Vertreter Lars Bender in der Torschützenliste einholen zu wollen. Boateng neigt manchmal zum Überkandidelten. Beschränkte sich gegen Giorgios Samaras auf das Einfache. War an drei Toren beteiligt: an zwei der Griechen und am 2:1 durch Khedira.

Mats Hummels: Schwieriges Spiel für einen Innenverteidiger, wenn der Gegner eigentlich gar nicht angreifen will und trotzdem eine latente Bedrohung darstellt. Als Hummels kurz vorm Einschlafen war, wagte er einen beherzten Vorstoß in die griechische Hälfte – was allerdings auch keine besonders gute Idee war, weil er den Ball verlor und einen gefährlichen Konter initiierte. Im Kerngeschäft des Verteidigers, dem Verteidigen, dafür gewohnt sicher.

Holger Badstuber: Schwieriges Spiel für einen Innenverteidiger, wenn … (s. o.). Badstuber streute ein paar haarsträubende Fehlpässe in der Spieleröffnung ein, vielleicht um den Nervenkitzel zu erhöhen. Gelang ihm blendend.

Philipp Lahm: Mit 27 schon Deutschlands EM-Rekordspieler. Bestritt sein 13. Endrundenspiel und ist schon so lange dabei, dass er sich noch an die WM 2006 erinnern kann. Zum Glück. Als sich erste Frustration über die fruchtlosen Offensivbemühungen bei den Deutschen bemerkbar machte, kam Lahm Costa Rica in den Sinn. Er zog mit dem Ball von links in die Mitte, zog mit rechts ab und traf zum 1:0.

Bastian Schweinsteiger: War vor zwei Jahren bei der WM der Stabilisator im deutschen Spiel, entpuppte sich gestern als Sicherheitsrisiko. Spielte Fehlpässe en Masse und traf mit großer Sicherheit fast immer die falsche Entscheidung. Kämpfte entschlossen gegen seine Formschwäche an, machte es dadurch aber eher noch schlimmer.

Sami Khedira: Der Bundestrainer hat Khedira als „Inbegriff von Präsenz“ bezeichnet. Was damit gemeint ist, war gestern gut zu sehen. Khedira war überall: links, rechts, vorne, hinten, in der Mitte. Zeigte nach einer Stunde, dass er, wie sein teaminterner Konkurrent Toni Kroos, auch ein Zwischenspieler ist – als er zwischen zwei griechischen Verteidigern hindurchsprintete und mit einem Volleyschuss zum 2:1 traf. Der Madrilene ist bisher der stabilste deutsche Spieler bei der EM.

Marco Reus: EM-Debüt für den Gladbacher. Nicht nur „Querläufer“ (Löw), sondern auch Längs- und Steilläufer. War immer in Bewegung und in der ersten Hälfte an sechs Offensivaktionen beteiligt. Verbesserungswürdig sein Abschluss. Lernt aber schnell, wie sein Volleyschuss zum 4:1 bewies.

Mesut Özil: Ein Auftritt, der möglicherweise wieder Stoff für Debatten liefert. War das jetzt ein gutes Spiel von Özil? Oder eher doch keins? Die Spektakelfans werden vielleicht immer noch für Variante B votieren, weil ihnen das Besondere gefehlt hat. Experten wie der Bundestrainer werden entgegnen, dass das Einfache das Besondere ist. Der Freistoß etwa, mit dem Özil das 3:1 durch Klose vorbereitete.

André Schürrle: Rückte für Podolski ins Team und stand ihm in defensivem Eifer nicht nach. Dass Schürrle nach vorne etwas mehr gelang als Podolski, machte er durch etliche Fehler wieder wett. Leitete den Konter ein, der zum Ausgleich für die Griechen führte.

Miroslav Klose: Durfte beim ersten Spiel in seinem Geburtsland Polen erstmals von Beginn an spielen – weil ein Kombinationsspieler gegen das griechische Defensivdickicht von größerem Wert ist als ein Strafraumstürmer wie Mario Gomez. Lief viel, schuf Räume, behauptete den Ball – und kann auch Tore. Mit seinem Kopfballtreffer zum 3:1 beseitigte er die letzten Zweifel am Einzug ins Halbfinale. Vier Tore fehlen Klose jetzt noch zum Rekord von Gerd Müller.

Thomas Müller: Ganz neues Gefühl für ihn, nicht in der Startelf zu stehen. Kam in der 67. Minute für Schürrle und hatte gleich eine gute Chance.

Mario Gomez: Ersetzte zehn Minuten vor Schluss Miroslav Klose.

Mario Götze: Kam in der 80. Minute für seinen Kumpel Reus. EM-Debüt für den Dortmunder.

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