Cottbus : Arbeit ohne Lohn

Cottbus verliert immer wieder kurz vor Schluss. Trainer Bojan Prasnikar versteht jedoch nicht, warum seine Trainingsmethoden plötzlich hinterfragt werden.

Karsten Doneck[Cottbus]

Bojan Prasnikar hielt die Zeit für reif, um aus der Haut zu fahren. Vor dem Spiel gegen Schalke 04 hielt der Trainer des FC Energie Cottbus einen Monolog voller Zorn, der seine Zuhörer an die berühmte Wutrede des damaligen Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni erinnerte. Prasnikar, der Slowene, mokierte sich in holprigem Deutsch darüber, dass sich einige seiner Spieler öffentlich über allzu intensives Training beschwert hatten. „Die Punkte kommen doch nicht von alleine, auch kein lieber Gott wird sie uns geben“, hielt Prasnikar allen Kritikern entgegen. Dass auf den FC Energie noch viel Arbeit wartet, zeigte auch die 0:2-Niederlage gegen Schalke am Samstag: Beide Gegentore fielen erst in der Schlussphase, als die Gäste nach einem Platzverweis gegen Orlando Engelaar nur noch mit zehn Mann auf dem Feld standen.

Nun werden sich in Cottbus wieder zwei Fraktionen bilden: Die einen werden sagen, durch das harte Training von Prasnikar fehle den Cottbusern die Kraft, um volle 90 Minuten durchzustehen, die anderen werden dagegenhalten, die Spieler müssten noch viel härter rangenommen werden, damit sie nicht immer zum Schluss einbrechen. Ein müßiger Streit. Aus den Fakten lässt sich indes Handlungsbedarf ableiten: Zehn der insgesamt 17 Cottbuser Gegentreffer in dieser Saison fielen in der letzten halben Stunde.

Dass seine Trainingsmethoden plötzlich hinterfragt werden, versteht Prasnikar nicht: „Harte Arbeit hat doch gerade hier immer zum Erfolg dazugehört.“ Zehn Jahre lang, von 1994 bis 2004, hat schließlich ein Eduard Geyer Maßstäbe in Cottbus gesetzt, was Belastung und Intensität des Trainings angeht. Geyer verkörperte eine solche Autorität, dass jeder Profi wusste: Widerstand ist zwecklos.

Bojan Prasnikar hat sicher ebenso feste Vorstellungen wie Geyer, der 55–Jährige kommt aber nicht ähnlich grimmig, nicht halb so kompromisslos wie sein Vorvorgänger daher. „Wir trainieren mit Kopf und Verstand“, betont Prasnikar. Die Ergebnisse der Cottbuser in dieser Saison lassen freilich am Erfolg seiner Methode Zweifel aufkommen. Dabei ähnelt die aktuelle Lage der in der vorigen Saison, die mit dem Klassenerhalt noch zufriedenstellend endete. Nach dem elften Spieltag hatte Cottbus damals erst fünf Punkte, diesmal sind es sechs. Am Ende der Hinrunde der Saison 2007/08 war Energie bei 15 Punkten angelangt.

Solche Aufholjagden sind nicht beliebig wiederholbar. Zumal die Mannschaft in der Offensive krankt. Energie hat erst sechs Tore erzielt – in elf Spielen. Der genesene Stürmer Emil Jula etwa zeigte nach seiner Einwechslung gegen Schalke gute Ansätze, mehr aber nicht. Dimitar Rangelow, der die letzten drei Tore für Cottbus erzielt hat, war gesperrt. „Drang zum Tor, ohne die Defensive zu entblößen – da müssen wir wieder hinkommen“, fordert Prasnikar, „und zwar über volle 90 Minuten.“ Und dafür wird er hart mit der Mannschaft arbeiten, garantiert.

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