Sport : Cottbus: Schöner als Aufsteigen

Als das kleine Fußball-Wunder geschafft war, wurde selbst der harte Hund Eduard Geyer weich. Mit feuchten Augen umarmte er Manager Klaus Stabach, rannte in die Fankurve und ließ sich im Kreis seiner Mannschaft von den rund 8000 Energie-Anhängern mit lautstarken Sprechchören feiern. Auch die Spieler des Aufsteigers waren nach dem 1:0 (1:0) bei 1860 München, das den Klassenerhalt des Aufsteigers endgültig besiegelt hatte, völlig aus dem Häuschen.

"Das ist einfach geil, heute feiert ganz Cottbus", verkündete Sebastian Helbig freudestrahlend. "Drinbleiben ist tausendmal schöner als aufsteigen", jubelte Jörg Scherbe. Bruno Akrapovic sprach vom "schönsten Tag meiner Fußballer-Karriere". Und selbst Geyer, der wegen seiner Rückenprobleme beim Schlusspfiff nicht einmal von der Bank aufspringen konnte, konnte seine Emotionen nicht verbergen: "Wir haben viele Höhen und Tiefen erlebt - mehr Tiefen. Aber nun sind wir alle sehr stolz. Stolz auch darauf, dass wir die Menschen, die die ganze Zeit zu uns gestanden sind, nicht enttäuscht haben." Nach einer Mannschaftsfete in der Kultkneipe "Stadtwächter" bedankte sich die ganze Stadt bei einem offiziellen Empfang bei ihren Stars.

Für Helbig war der Klassenerhalt "eine Sensation". Vor der Saison war der Klub von vielen Experten als Absteiger Nummer eins gehandelt worden. Schließlich war Cottbus gemeinsam mit der SpVgg Unterhaching mit Abstand finanzschwächster Klub des Oberhauses. Dennoch bewies er, dass auch eine Multi-Kulti-Auswahl ohne große Starszu einem verschworene Haufen zusammenwachsen kann.

Bei all der Freude wollte auch Kapitän Vasile Miriuta nicht als Spielverderber auftreten. "Ich bleibe zu 99 Prozent bei Energie", sagte der von einigen Klubs (Hamburg, Mönchengladbach) umworbene Spielmacher. Gesagt, gefeiert.

Verdient hatte es sich der Neuling,, nach einem Nervenspiel allemal. Doch weniger die katastrophalen Sechziger hatten die Nerven der Cottbuser strapaziert, als vielmehr die Ergebnis-Einblendungen aus Gelsenkirchen. "Das war nichts für schwache Nerven. Das war ein Krimi und bis zuletzt sehr, sehr eng", sagte Geyer. Nachdem die SpVgg Unterhaching bereits 2:0 und 3:2 auf Schalke geführt, dann aber doch verloren hatte, hätte Cottbus in München sogar verlieren können. Am Ende freute sich Energie nach einem Tor von Antun Labak (25.) jedoch darüber, den Klassenerhalt aus eigener Kraft geschafft zu haben.

Übermütig werden sie dabei nicht. Sie hoffen vielmehr, dass alles noch einmal genau so eintreffen möge wie dieses Mal. "Wir werden auch im nächsten Jahr gegen den Abstieg kämpfen und hoffentlich drin bleiben", orakelte Miriuta.

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