Sport : Cottbus trifft in letzter Minute

Energie holt noch ein 1:1 beim Hamburger SV

Karsten Doneck

Hamburg . Der letzte Angriff rollte. Energie Cottbus kam über die rechte Seite. Nichts ging mehr – beim Gastgeber Hamburger SV. „Nach 75 Minuten sah es so aus, als ob wir dem hohen Anfangstempo Tribut zollen mussten“, sagte HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Cottbus drückte und drängte in der letzten Viertelstunde, um den 0:1-Rückstand durch Cardosos Treffer kurz nach der Pause noch wettzumachen. Ohne Erfolg. Bis zum letzten Angriff. Über rechts.

Da rutschte Hamburgs Ujfalusi bei seiner Attacke an der Außenlinie gegen den ballführenden Latoundji aus. Der Cottbuser zog los, drang in den Strafraum ein, schob Ledesma den Ball durch die Beine, und in der Mitte eilte Andrzej Juskowiak heran, um Latoundjis Hereingabe unhaltbar zum 1:1-Endstand zu verwandeln. „Gut für die Moral“, fand Energie-Trainer Eduard Geyer das Unentschieden. Geyer hatte gut lachen. Latoundji und Juskowiak waren beide erst zum Schlussspurt eingesetzt worden. „Genau zum richtigen Zeitpunkt“, wie Geyer sagte. Neben ihm hatte auch Juskowiak das richtige Näschen gehabt. „Ich ahnte schon, dass Latoundji dem Ledesma den Ball durch die Beine schieben würde“, sagte er, wies aber darauf hin, dass der Punktgewinn vor 36 370 Zuschauern in der AOL-Arena kaum mehr als ein kurzes Luftholen im Abstiegskampf bedeutet. „Jetzt müssen wir uns Punkt für Punkt an die 40-Punkte-Marke heranarbeiten“, sagte Juskowiak.

Beim HSV herrschte nachher Ernüchterung. Dietmar Beiersdorfer jammerte: „Das ist superärgerlich. Mit einem Sieg hätten wir einen Sprung nach oben machen können. Wir haben ja auch genügend erfahrene Leute, die müssen so ein Ding über die Runden bringen.“ Vorher war der HSV Tabellenzehnter, das ist die Mannschaft jetzt immer noch. Und einer der Routiniers hatte vorab noch intern für Aufregung gesorgt. Sergej Barbarez, der Torjäger, sollte eigentlich Anfang dieser Woche seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag verlängern. Die Sache ist geplatzt, Barbarez schmollt. Er ist mit dem Vertragsangebot des HSV nicht einverstanden, fordert einen Vertrag für drei Jahre, der HSV bietet aber nur zwei Jahre. „Wir können nicht länger als bis zum 30. Juni mit Sergej Barbarez planen“, sagt Dietmar Beiersdorfer nahezu ultimativ und rechtfertigt die Verhandlungsposition des Vereins: „Wir haben ihm ein faires und finanziell gutes Angebot gemacht, sind bis an unsere Schmerzgrenze gegangen.“ Und dem Verhandlungspartner Barbarez schreibt Beiersdorfer ins Stammbuch: „Es darf eben auch keine einseitige Liebe sein.“ Barbarez, der gegen Cottbus beim Stande von 0:0 mit einem Schuss gegen den Innenpfosten viel Pech hatte, soll in Kontakt mit dem VfL Wolfsburg stehen sowie Drähte nach England gelegt haben – möglicherweise zu Tottenham Hotspur.

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