Sport : Cottbus und die Kraft der Kamele

André Görke

Die Kamele sind schuld. Und der Wüstensand. Klare Sache. Sagt zumindest Christian Beeck. Beeck ist Mannschaftskapitän des Fußball-Bundesligisten FC Energie Cottbus, und nach dem 4:0-Sieg gegen den FC St. Pauli erzählte er: "Wir haben im Winter in Dubai nicht nur gut trainiert. Da haben wir auch Kamele gestreichelt. Seitdem läuft es bei uns."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Blödsinn? Ja, natürlich. An den Kamelen liegt es sicher nicht, dass Cottbus seit der Winterpause ordentlichen Fußball spielt. Vielleicht lag Beeck ein bisschen zu lange in der Sonne. Aber woher kommt dann der Erfolg? Eine kluge Antwort darauf kann in Cottbus niemand geben. Sie wissen dort selbst nicht, was die Mannschaft anders macht als in all den Monaten zuvor. Fußball wird in der Lausitz eben gearbeitet. Das war schon immer so. Doch in der Hinrunde ist dabei nicht viel herausgekommen. Energie konnte in 14 Spielen nicht gewinnen, und die Menschen in Cottbus haben sich schon seelisch auf Mannheim statt München vorbereitet.

Die Abschiedstour begann Ende Januar. Da kam Werder Bremen in die Lausitz, der Tabellenvierte, eine klare Angelegenheit. Doch plötzlich gewann Cottbus wieder ein Fußballspiel. Zwei Wochen später kam Hertha BSC - und wieder gewann Cottbus. Wie auch gegen Hansa Rostock und Schalke 04. Das Selbstvertrauen wuchs, und nach dem Sieg über St. Pauli, dem höchsten seit dem Bundesliga-Aufstieg, haben sie in Cottbus den Punkt erreicht, an dem sie wieder an den Klassenerhalt glauben. "Wir leben von der Leidenschaft und dem Willen. Wenn wir diese Qualitäten in die nächsten Spiele transportieren können, dann haben wir eine gute Chance", sagt Trainer Eduard Geyer.

Seit der Winterpause läuft es für seine Mannschaft richtig gut. Zumindest in den Heimspielen. "Wenn wir zwei oder drei der letzten vier Heimspiele gewinnen, sind wir durch", sagt Stürmer Marko Topic, der gegen St. Pauli zwei Tore erzielt hat. Auf fünf Tore hat er es für seinen Arbeitgeber gebracht, alle in der Rückrunde erzielt. Eine halbe Million Euro hatte der FC Energie im Sommer für ihn nach Wien überwiesen. Warum trifft er erst jetzt? "Keine Ahnung", sagt Topic. "Früher lief gar nichts. Jetzt geht einfach alles rein."

Der Erfolg ist angenehm, aber er kommt überraschend. Denn die Neuen, die Cottbus im Winter verpflichtet hat und die den Klub retten sollten, spielen nicht oder sind verletzt. Für den neuen Erfolg sind die alten Cottbuser Spieler verantwortlich. Bruno Akrapovic. Oder Vasile Miriuta. Ohne sie geht es eben nicht.

Energie Cottbus hat nun 29 Punkte angesammelt, doppelt so viele wie nach Abschluss der Hinrunde. Der Sieg gegen St. Pauli war vor allem für die Psyche wichtig. Gegen einen Gegner Hertha BSC oder Schalke 04 hätten die Cottbuser verlieren können. Gegen St. Pauli mussten sie gewinnen. Am Sonnabend stand die Mannschaft als Favorit unter mächtigem Druck, das Spiel machen zu müssen. Cottbus ist mit der Situation perfekt umgegangen. St. Pauli kam nie ins Spiel. Die Cottbuser haben eine Menge Selbstvertrauen bekommen, sie glauben wieder an sich. Und an Kamele.

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