Cottbus und Union : Zwei entfernte Bekannte

Energie Cottbus hat Union nicht nur in der Tabelle überholt. Während die Lausitzer feiern, ist man in Köpenick froh, wenn die Saison bald vorbei ist.

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Cottbus - Nur kurz kreuzten sich die Wege der Teams nach Spielschluss noch einmal. Bei ihrem Gang in die Kabinen trafen sie aufeinander und wirkten nach 90 gemeinsam verbrachten Minuten auf dem Fußballfeld dennoch wie Fremde. Die Cottbuser grölten vor Begeisterung; die Unioner bewegten sich irgendwo zwischen Entsetzen und Verwirrung. Unterschiedlicher hätten die Emotionen nach dem 4:2 am Montagabend im Stadion der Freundschaft kaum ausfallen können – symbolischer auch nicht, spiegeln sie doch die Entwicklung beider Klubs wider.

Während es den 1. FC Union in der Zweiten Liga bis auf Rang 13 zurückgeworfen hat, ist Energie Cottbus auf den zehnten Platz nach vorn gekrabbelt. „Eine klare Entwicklung in die richtige Richtung“ hat der Cottbuser Coach Claus-Dieter Wollitz erkannt. „Jetzt zahlt sich die Geduld aus.“ Es hat tatsächlich ein bisschen gedauert, bis sich bei den Lausitzern aus einer jungen, neu zusammengewürfelten Truppe eine funktionierende Mannschaft gebildet hat, die Fußball mittlerweile auch kunstvoll vorzutragen weiß.

Nach sechs Spieltagen lag Energie noch auf Platz 14 – und damit 13 Ränge hinter Union. Doch im Gegensatz zu den Köpenickern, die nicht mehr an ihren frechen Saisonstart anknüpfen konnten, haben sich die Cottbuser stetig gesteigert: Auf halbem Weg haben sie den Rivalen aus Berlin eingeholt – und nun mit ein wenig Verzögerung überholt. Dabei wäre für sie sogar mehr möglich gewesen. Nicht umsonst ärgerte sich Energies Torhüter Gerhard Tremmel, „dass wir so viele Punkte liegengelassen haben“.

Für die Lausitzer könnte die Saison offenbar gerne noch um ein paar Wochen verlängert werden, in Köpenick dürfte man dagegen heilfroh sein, dass bald Schluss ist. Der Berliner Coach Uwe Neuhaus sorgte sich nach der Niederlage am Montag sogar noch um den Verbleib in Liga zwei: „Wenn wir keinen Punkt mehr holen, wird es eng.“ Sechs Zähler liegt sein Team bei noch zwei ausstehenden Partien vor Platz 16. Mit derlei Gedanken setzt man sich in Cottbus nicht mehr auseinander – Größeres scheint hier anzustehen. „Wenn wir so zusammenbleiben und noch ein, zwei Verstärkungen bekommen, könnte es eine gute nächste Saison werden“, sagte Abwehrspieler Markus Brzenska. Ein paar Meter weiter suchte Unions Verteidiger Bernd Rauw immer noch nach Worten. Katrin Schulze

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