Cottbus und Wollitz : Die Lausitz und der Wahnsinn

Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz kritisiert die eigenen Fans und droht mit Abschied. Dabei war er der Bundesliga als Trainer noch nie so nah wie zurzeit bei Energie.

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Forciert Claus-Dieter Wollitz seinen Abschied aus Cottbus?
Forciert Claus-Dieter Wollitz seinen Abschied aus Cottbus?Foto: dpa

Sie tanzten nach dem 3:1-Erfolg im DFB-Pokal-Achtelfinale beim VfL Wolfsburg wild umher. Einige Spieler des Fußball-Zweitligisten Energie Cottbus schmissen sogar ihre Trikots in die rund 2500 Mann starke Fankurve. Nur einer wurde vermisst – der Trainer. Claus-Dieter Wollitz blieb der Jubelarie fern. Mit den Fans aus Cottbus, die am Mittwochabend mehrere Feuerwerkskörper gezündet hatten, wollte er nichts mehr zu tun haben. Stattdessen kritisierte er die eigene Fanszene hart. Vergleichbares hat es in Deutschland wohl noch nicht gegeben. „Das macht so keinen Spaß mehr, sich bei jedem Auswärtsspiel zu schämen“, sagte Wollitz. „Am Ende glaube ich, dass das bewusst gegen uns und meine Person gemacht wird. Mein Vertrag läuft im Sommer aus. Am 3. Januar werde ich mich entscheiden, ob ich weitermache.“

Wollitz spricht über ein mögliches Ende seines Engagements in der Lausitz, vielleicht kokettiert er auch damit. Bei der impulsiven Art, die der Cottbuser Coach an den Tag legt, ist es manchmal schwer, das zu unterscheiden. Zumal es nicht das erste Mal ist, dass der 45-Jährige derlei Andeutungen verbreitet, obwohl er doch in Cottbus maßgeblich für den seit einiger Zeit vorgetragenen erfrischenden und erfolgreichen Fußball verantwortlich ist. Auch aus privaten Gründen hat Wollitz schon seinen Abschied in Erwägung gezogen, weil seine Familie in Osnabrück wohnt – und dort auch bleiben will. Der private Frieden ist das eine, das andere ist das Umfeld von Energie, mit dem Wollitz nun schon eine ganze Weile Probleme hat.

Seit sich der Trainer vor ein paar Monaten für einen Verkauf der Namensrechte vom Stadion der Freundschaft aussprach, darf die Beziehung zum Anhang als gestört bezeichnet werden. Es rumort heftig. Die vorerst letzte Episode dessen konnte man in Wolfsburg beobachten, wo Wollitz in der Halbzeit zu den Cottbuser Zuschauern gestiefelt war, um sie wild gestikulierend zurechtzuweisen. „Ich habe sie gefragt, ob sie wahnsinnig sind. Unsere Leistung wird durch die Feuerwerkskörper zerstört“, sagte er. „Es ist alle 14 Tage bei den Auswärtsspielen derselbe Ablauf. Ist doch klar, dass alle einen Hals auf uns haben. Und was glauben Sie, warum unser Hauptsponsor gekündigt hat?“

Wollitz betonte, dass der Cottbuser Aufwärtstrend durch die von Fans verursachten Geldstrafen in dieser Saison von bald 300 000 Euro behindert werde und Cottbus in negativem Sinne inzwischen auf einer Stufe mit Hansa Rostock und Dynamo Dresden stehe. In Wahrheit musste Cottbus in dieser Spielzeit bisher erst 10 000 Euro für die Vergehen seiner Zuschauer berappen. Die wohl auch von Emotionen befeuerte Kritik des Trainers findet bei Energie höchstens geteilte Zustimmung. Auch Thomas Lange, seit acht Jahren ehrenamtlicher Fanbeauftragter in Cottbus, ist die Freude über den Sieg in Wolfsburg vergangen. „Der Vergleich mit Rostock und Dresden ist zu hart. In dieser Saison gab es nur bei drei Spielen Probleme mit Feuerwerkskörpern“, sagt er. „Und den normalen Fans tut der Trainer Unrecht.“

Aber Claus-Dieter Wollitz gefährdet auch seine eigene Zukunft. So nah wie zurzeit in Cottbus war er der Bundesliga als Trainer noch nie.

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