Sport : Cottbus verspielt ein 2:0 und verliert 2:3 gegen Frankfurt

Karsten Doneck[Cottbus]

Im Cottbuser Stadion der Freundschaft schenken sie nun wieder Glühwein aus – 0,4 Liter für 2,90 Euro. Der Absatz dürfte an diesem Samstagnachmittag nicht eben umwerfend gewesen sein. Erwärmend wirkte bei herbstlichen Temperaturen schon das recht lebhafte Geschehen auf dem Stadionrasen. Nach konzentriertem Beginn und einer scheinbar sicheren 2:0-Führung begann bei Energie Cottbus gegen Eintracht Frankfurt erst die Phase der Überheblichkeit, dann das große Flattern. Am Ende stürzten sich die Cottbuser durch ihre 2:3 (2:1)-Heimniederlage gegen die in der zweiten Hälfte mächtig aufdrehenden Hessen in noch ärgere Abstiegsnöte. Frankfurt hingegen befreite sich mit dem zweiten Saisonsieg innerhalb von vier Tagen erst einmal von den gröbsten Sorgen.

Schon Mitte der ersten Halbzeit waren die Energie-Fans übermütig geworden. Da mischten sie sich voller Häme in die Vereinspolitik des Gegners ein: „Funkel raus!“, tönte es aus dem Cottbuser Fanblock. Friedhelm Funkel, der Trainer der Frankfurter, saß mit versteinerter Miene auf seinem Stuhl, zeigte auch ob der Schmähungen keinerlei Regung. Seine Eintracht lag zu diesem Zeitpunkt durch zwei Tore von Dimitar Rangelow schon 0:2 zurück, den Diskussionen um Funkels Arbeitsplatz drohte eine Fortsetzung.

Dabei spielt dann auch keine Rolle, dass sich die Eintracht in misslicher Lage befand. Neben vielen Dauerverletzten fielen nach dem ersten Saisonsieg am Mittwoch, dem 2:1 im Nachholspiel gegen Karlsruhe, auch noch die beiden Frankfurter Torschützen Ioannis Amanatidis (Meniskusoperation) und Benjamin Köhler (Verletzung am Außenband des Knies) aus. Auch Mehdi Mahadavikia und Chris fehlten verletzt. „So etwas habe ich in 17 Trainerjahren noch nie erlebt“, klagte Funkel. Seltenheitswert dürfte für ihn auch gehabt haben, wie anfängerhaft der für Chris in die Elf gerückte Aaron Galindo nach einem Einwurf des Cottbusers Cagdas Atan im eigenen Strafraum wegrutschte und damit Rangelow den Weg freimachte zum erfolgreichen Torschuss.

Überhaupt Dimitar Rangelow. Der Bulgare war vor dem letzten Heimspiel des FC Energie gegen den Hamburger SV in Ungnade gefallen. Es soll zu einem handgreiflichen Disput zwischen ihm und Ervin Skela gekommen sein. Rangelow und Skela wurden für das HSV-Spiel aus dem Kader gestrichen. Jetzt war Rangelow erstmals wieder von Beginn an dabei und erweckte den Eindruck, als wolle er mit besonders viel Engagement alle Diskussionen endgültig beenden. Aber auch er tauchte nach dem Wechsel unter.

Energie fühlte sich nach dem 2:0 zu sicher, zumal auch noch Eintracht-Torwart Oka Nikolov einen satten Distanzschuss von Ervin Skela nur mit Mühe an den Pfosten lenken konnte. Die Quittung kam prompt: Michael Fink schaffte mit einem 25-Meter-Schuss noch vor der Pause den Anschluss. Und gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit musste Mario Cvitanovic gegen Frankfurts Caio auf der Linie retten. Die Eintracht steigerte das Tempo. Cottbus reagierte – aber nur mit Staunen. Der eingewechselte Martin Fenin schaffte folgerichtig das 2:2. Die Antwort der Gastgeber kam postwendend mit einem Pfostenschuss von Dusan Vasiljevic. Nikos Liberopoulos schoss schließlich auch noch das 3:2 für die Eintracht. Die Energie-Fans schoben Frust – und vielleicht machte der Glühwein-Verkäufer ja dann doch noch sein Geschäft.

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