Sport : Cottbuser Kreisverkehr

Der FC Energie bleibt ein Ausbildungsverein

Karsten Doneck

Berlin - Die Bundesliga-Saison neigte sich bereits dem Ende entgegen. Und Kevin McKenna wurde einfach nicht müde, Treue zu geloben. Ersten, noch leisen Wechselgerüchten trat der kanadische Fußball-Nationalspieler des Bundesligaklubs Energie Cottbus energisch entgegen. Öffentlich teilte er den Energie-Fans mit: „Ich bin Cottbuser, ich bleibe Cottbuser – da kann kommen, was will.“ Große Worte, die gut ankamen in der Lausitz. Nur: Es waren leere Worte. Kaum war die Saison vorbei, unterschrieb McKenna beim 1. FC Köln. Seinen plötzlichen Sinneswandel erklärte McKenna etwas flapsig damit, er müsse schließlich „eine Familie ernähren“. Als ob der 27-Jährige in den beiden Jahren zuletzt in Cottbus Hunger gelitten hätte.

McKenna spielt in Köln zwar nur in der Zweiten Liga, soll aber, so das Gerücht, erstklassig verdienen, und zwar doppelt so viel wie in Cottbus: 60 000 Euro statt 30 000 Euro pro Monat. Er ist indes kein Einzelfall: Auch die Cottbuser Torjäger Sergiu Radu und Vlad Munteanu zogen aus der Lausitz fort, beim VfL Wolfsburg werden ihnen die Summen gezahlt, die einen Verein wie Energie Cottbus an den Rand des Ruins treiben würden.

Es ist das alte Dilemma in Cottbus. Der FC Energie kauft relativ unbekannte Fußballer preiswert ein, zumeist in Osteuropa, bildet sie unter dem exzellenten Trainer Petrik Sander aus und muss sie dann zu finanzstärkeren Klubs ziehen lassen. Dieser Durchlauf von Profis hat zwei Seiten: eine wirtschaftliche und eine sportliche. „Wir sind schuldenfrei“, teilte Energie-Präsident Ulrich Lepsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Spree-Neiße, unlängst der jubelnden Mitgliedschaft auf der Jahreshauptversammlung des Klubs mit. Mit existenzbedrohenden 4,5 Millionen Euro stand der Klub vor zwei Jahren in der Kreide. Für die Transfers am Ende dieser Saison fließen gut fünf Millionen Euro in die Kassen.

Aber der Ausverkauf der besten Spieler ist sportlich fragwürdig. „Wir bauen eine absolut konkurrenzfähige Mannschaft auf“, versprach Manager Steffen Heidrich den Fans, die der Transferpolitik ihres Klubs schon selbstzerstörerische Züge bescheinigten. Energie hat nun eingekauft. Dimitar Rangelow, Ovidiu Burca, Efstathios Aloneftis und Kristijan Ipsa heißen die Neuen – ein Bulgare, ein Rumäne, ein Zypriot und ein Kroate. Heidrich muss sich vorkommen wie der kleine Junge am Eisstand, der verlangt: Geben Sie mir von allem etwas, möglichst billig.

Fast zwangsläufig ist der FC Energie in der nächsten Saison darauf angewiesen, dass die neuen Spieler auch wirklich einschlagen. Wenn nicht, wird die Mannschaft große Schwierigkeiten haben, die Klasse zu halten. Im Erfolgsfall jedoch muss der Verein wieder damit rechnen, dass ihm die Besten am Saisonende weggeschnappt werden. Ein schwer zu durchbrechender Kreislauf. Daniel Gunkel forderte schon nach dieser Saison, „der Mannschaft für den Aufstieg und den anschließenden Klassenerhalt ein Denkmal zu setzen“. Gunkel freilich wird in Cottbus keine imaginären Denkmäler mehr bauen helfen. Er ging zu Mainz 05. Ihm ist die Zweite Liga lieber als Cottbus.

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