Courage im Stadion : Klare Kante gegen Nazis

Bremer Fans sind gegen rechte Störer aufgetreten. Ein Beispiel von Zivilcourage, die auch dem DFB und den Vereinen zu verdanken ist. Ein Kommentar von Tagesspiegel-Redaktionsdirektor Gerd Appenzeller.

Gerd Appenzeller

Heute ist der 9. November, der Tag, an dem vor 70 Jahren Schlägertrupps der SA und ihre klammheimlichen Sympathisanten jüdische Geschäfte verwüsteten und Synagogen in Brand setzten. Keine Überraschung, dass einen Tag vor diesem Datum des Gedenkens irgendwo in Deutschland Neonazis versuchen wollten, ihre Uneinsichtigkeit in das Grauen der Geschichte zu demonstrieren. Sie hatten sich das Bundesligaspiel VfL Bochum gegen Werder Bremen ausgesucht – und scheiterten am entschlossenen Widerstand der Bremer Fans. Die riefen in Sprechchören „Nazis raus!“ und holten die Polizei, die dem braunen Spuk ein Ende bereitete.

Auch Hertha geht gegen Neonazis vor

Es hilft offenbar doch etwas, dass der DFB vor allen Spielen für seine Aktion gegen Ausländerhass und Rechtsextremismus wirbt. Die Botschaft kommt bei den Fans an: Zwischen dem Sport auf der einen und Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit auf der anderen Seite gibt es keine Brücke und keinen auch noch so schmalen Steg. Die Vereine haben sich längst mit diesem kompromisslosen Kampf gegen den politischen Extremismus solidarisiert. Kein Wunder: Bei jedem Bundesligaklub spielen Ausländer, im Publikum sind Tausende Zuschauer, die entweder selbst oder deren Eltern aus anderen Ländern eingewandert sind. In Berlin demonstriert die Vereinsführung von Hertha seit Jahren erfolgreich, dass gegen Neonazis nur eine klare Kante hilft. Im Olympiastadion hört man immer noch – wie überall in der Liga – manchen grenzwertigen Spruch. Antisemitische und ausländerfeindliche Töne gibt es keine mehr. Bravo – und danke.

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