Sport : Crashkurs in Sachen Wir-Gefühl

Was Bruno Labbadia beim VfB Stuttgart geändert hat

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Foto: dapd Foto: dapd
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Stuttgart - Viel Zeit hatte Bruno Labbadia nicht, seine Maßnahmen umzusetzen. Manches musste nach der Verpflichtung des neuen Trainers in großer Eile geschehen. Trotzdem hat sich vor dem heutigen Europa-League-Gruppenspiel gegen Odense bei den Schwaben einiges getan. Da der VfB im Europapokal bereits die nächste Runde erreicht hat, ist das letzte Vorrundenspiel in der Bundesliga gegen Bayern München am Samstag viel wichtiger. „Gegen Odense wollen wir uns Selbstvertrauen für den Sonntag holen“, sagte Labbadia.

Es mutet wie ein Crashkurs an, mit dem der neue Trainer dem VfB-Kader ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln will. Kommunikation hat Labbadia ganz oben auf die Liste geschrieben und für die Tage bis zur Winterpause. Für halb neun am Morgen hat er ein gemeinsames Frühstück verordnet, dem zwischen zwei Trainingseinheiten ein gemeinsames Mittagessen des Kaders folgt. Vom Acht-Stunden-Tag war die Rede. „Wir haben keine Zeit, uns lange aneinander zu gewöhnen“, rechtfertigte Labbadia die Anordnung. „Es geht darum, dass wir eine Gemeinschaft werden, die ein Gefühl für die Situation entwickelt“, sagt Labbadia. Das gehe nur, wenn sich alle einbringen. „Das fängt beim Frühstück an, da muss man miteinander reden.“

Bisher – nach erst vier gemeinsamen Tagen – sind die Signale aus der Mannschaft positiv. „Wir schaffen es nicht alleine, wir brauchen Impulse von außen“, sagte Stuttgarts Kapitän Matthieu Delpierre. „Die Veränderungen tun uns gut. Man spürt, der Trainer weiß, was er will.“ Die Stuttgarter bekommen nun praktisch in jeder Trainingseinheit etwas Neues vorgesetzt. Mit Labbadia, dessen Assistent Eddy Sözer und Torwarttrainer Eberhard Trautner finden sich nur noch drei Betreuer auf dem Trainingsplatz. Früher sprangen dort doppelt so viele herum. „Es hat immer zu meiner Arbeit gehört, viel mit Spielern zu sprechen“, sagt Labbadia, der fast übereifrig wirkt, wenn er auf dem Platz ein Einzelgespräch nach dem nächsten führt.

Selbst die ratlose Stuttgarter Klubführung, die in den Krisenzeiten notgedrungen ganz auf Labbadia und Sportdirektor Fredi Bobic setzt, ist angesichts des drohenden Abstiegs dem Neuen zugetan. Entgegen der bisherigen Strategie, eisern zu sparen, sollen im Winter nun neue Spieler eingekauft werden, um den zweiten Abstieg nach 1975 zu verhindern. Und noch etwas Neues gibt es vor dem Spiel gegen Odense: Statt gemeinsam in ein Hotel zu gehen, übernachten die Spieler zu Hause. Oliver Trust

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