Sport : „Da blutet mir das Herz“

Architekt Florian Schwarthoff über seine Arbeit am Frankfurter Stadion und den Abriss der Laufbahn

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Herr Schwarthoff, welches war das schönste Stadion, in dem Sie als Sportler angetreten sind?

Das ist immer ein wenig von dem Ereignis abhängig. Deshalb war das schönste Stadion wohl das Olympiastadion in Sydney. Ansonsten finde ich, dass das neue Berliner Olympiastadion ein tolles Leichtathletikstadion ist. Es verbindet die Geschichte mit dem neuesten Stand der Technik und bietet den Athleten beste Voraussetzungen. Ich wäre dort gern einmal bei einer Weltmeisterschaft oder bei Olympischen Spielen gelaufen.

In der Frankfurter Commerzbank-Arena, dem Stadion, das Sie als Architekt mitgebaut haben, gibt es keine Laufbahn mehr, wie in den meisten WM-Stadien.

Da blutet mir als Leichtathlet schon das Herz. Als die Bauarbeiter die Laufbahn aus dem alten Waldstadion gerissen haben, fiel es mir schwer zuzusehen. Die Arbeiter haben mir ein Stück der Bahn in einer Schatulle geschenkt, als Andenken. Andererseits kann die Leichtathletik momentan nicht mehr viele Stadien mit 50 000 oder 60 000 Zuschauern füllen. Mit Stuttgart und Berlin haben wir allerdings zwei Städte, mit denen sich Deutschland für Leichtathletik-Großveranstaltungen bewerben kann.

Haben Sie als ehemaliger Leistungssportler Vorteile gegenüber den Kollegen?

Man hat eine andere Sicht auf die Dinge. Ich habe nicht nur die Sicht des Zuschauers, sondern kenne auch die Bedürfnisse der Athleten. Da konnte ich bestimmte Dinge in die Planung des Stadions einfließen lassen.

Was hat Sie als Athlet denn immer besonders gestört?

Unübersichtliche Gänge. Ich bin als Sportler oft in Katakomben gewesen, aus denen ich kaum den Weg ins Stadion gefunden habe. In Frankfurt haben wir die Raumaufteilung im Kellergeschoss so geplant, dass sie für die Athleten möglichst übersichtlich ist. Spieler und Schiedsrichter sollen sich sofort zurecht finden können. Man darf nicht vergessen, dass viele Leute zum ersten Mal im Stadion sind.

Heute werden Sie dann zur Eröffnung aber auf der Tribüne sitzen.

Das wird ein aufregender Moment, wenn fast 50 000 Menschen in unserem Stadion sitzen werden. Ich habe so lange daran gearbeitet und muss es jetzt in die Hände anderer Leute geben. Man fühlt sich wie ein Vater, dessen erwachsene Kinder aus dem Haus gehen.

Die Fragen stellte Steffen Hudemann.

Florian Schwarthoff, 37, gewann bei Olympia 1996 in Atlanta Bronze über 110 Meter Hürden. Der Architekt entwarf mit 15 Kollegen des Architektenbüros GMP die

Commerzbank-Arena.

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