Sport : Da hilft auch kein Otto

Unter den Augen von Ex-Trainer Rehhagel spielt Werder nach 2:0-Führung nur 2:2 gegen Hoffenheim.

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Gut gelaufen. Für die Hoffenheimer um Robert Firmino (links, daneben Werders Aleksandar Ignjovski) sah es in Bremen lange nach einer Niederlage aus, am Ende aber nahmen die Gäste doch noch einen Punkt mit. Foto: dpa
Gut gelaufen. Für die Hoffenheimer um Robert Firmino (links, daneben Werders Aleksandar Ignjovski) sah es in Bremen lange nach...Foto: dpa

Ein Gewinner stand nach dem Spiel eindeutig fest: die Fans von Werder Bremen. „Sie hatten 90 Minuten Champions-League-Niveau“, sagte Werders Stürmer Nils Petersen, „wir hatten nur 85 Minuten Bundesliganiveau.“ Beim 2:2 (2:0) gegen die TSG Hoffenheim sahen die Gastgeber lange Zeit wie der sichere Sieger aus. Doch nach zwei Hoffenheimer Toren in der Schlussphase muss Werder Bremen weiter um den Klassenerhalt bangen. Dafür boten die Fans eine starke Leistung.

Nur 417 zahlende Zuschauer hatten die TSG Hoffenheim zu dem so wichtigen Spiel begleitet, mehr als 40 000 Bremer standen ihnen gegenüber. Fast alle im Weserstadion waren dem Aufruf „ALLEz Grün“ gefolgt und erschienen in einem grünen oder zumindest grün-weißen Werder-Trikot. Und wer kein Trikot besaß, der hatte sich eben ein grün-weiß kariertes Hemd, einer Bluse oder gar eine Wolljacke in Jägergrün übergezogen. Zuletzt hatten die Fans in Bremen ihre indisponierten und zum Großteil pomadig herum kickenden Profis ausgepfiffen. Doch nun, da es immer enger wird, stand das Stadion bedingungslos hinter Team und Trainer.

Mit einem riesigen Banner hatten die Fans klargemacht, dass sie für ihre Unterstützung auch eine Gegenleistung erwarteten. „Nicht die Mittel entscheiden über den Erfolg, es ist die Einstellung“, war dort zu lesen. Die Einstellung stimmte, die Profis des SV Werder schien die Atmosphäre zu beflügeln: Sie rannten, sie grätschten um die Wette, sie halfen sich gegenseitig. Kurz: Sie zeigten all das, was sie in den vergangenen zehn sieglosen Spielen hatten vermissen lassen.

Es war nicht immer Zauberfußball, den die Bremer boten und die häufig so anfällige Defensive wackelte bisweilen bedenklich. Aber es war genau das, was die Zuschauer erwartet hatten: pure Leidenschaft. Und die 2:0-Führung zur Halbzeit durch Tore von Aaron Hunt per Foulelfmeter und Kevin de Bruyne war durchaus verdient. Werders Trainer Thomas Schaaf bedankte sich zunächst ausdrücklich bei den Fans, ehe er sich zum Spiel äußerte: „In so einer Situation muss man mit der Leistung zufrieden sein, mit dem Ergebnis natürlich nicht. Aber ich mache der Mannschaft keinen Vorwurf.“

In der Pause wurde im Weserstadion jene Mannschaft begrüßt, die vor fast genau 25 Jahren den Titel geholt hatte. Der Meistertrainer von damals, Otto Rehhagel, sagte: „Jetzt muss Werder noch zwei Tore nachlegen, dann sehen wir auch im nächsten Jahr Bundesligafußball in Bremen.“ Seine Forderung blieb Wunschdenken. Nicht Werder schoss zwei Tore, sondern die TSG, die in der zweiten Hälfte den besseren Fußball spielte, während Bremen dem hohen Tempo Tribut zollen mussten. Hoffenheims Trainer Markus Gisdol sprach nach den beiden Toren von Sven Schipplock von einem gerechten Ergebnis: „Werder hatte mit dem fantastischen Publikum wirklich zwölf Mann auf dem Platz. Dass wir trotzdem weiter versucht haben, es fußballerisch zu lösen und mit dem Ausgleich belohnt wurden, hat mich sehr gefreut.“

Hoffenheim bleibt nach dem Remis mit 28 Zählern auf einem Abstiegsplatz, kann aber nach der Niederlage von Düsseldorf in Frankfurt weiter hoffen. Die Differenz zu Tabellenplatz 15 betrug am Samstagabend lediglich zwei Zähler. Der FC Augsburg spielt erst heute und könnte bei einem Sieg nach Punkten mit den Bremern gleichziehen. Werder hat 33 Zähler und empfängt am kommenden Wochenende die Frankfurter. Nils Petersen war klar, dass noch nichts entschieden ist. „Der Druck wird immer größer und wir haben nicht viele Spieler mit Erfahrung im Abstiegskampf“, sagte er, „es fällt schon schwer, den Kopf oben zu behalten. Aber mit diesem fantastischen Publikum im Rücken können wir es packen.“

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