Sport : Da ist etwas Foul

NAME

Von Christoph Daum

Immer wieder wird bei dieser WM über echte und vermeintliche Fouls, über Schwalben gestritten, einige Spiele sind dadurch sogar entschieden worden. Mancher mag sich da fragen: Wird das trainiert?

Ein heikles Thema. Natürlich spielen Fouls auch im Training eine Rolle. Ich habe meinen Spielern in Gesprächen und mit Videoanalysen immer zu zeigen versucht, dass jedem Foul ein Fehler vorausgeht, meistens ein Stellungsfehler, verursacht durch mangelnde Konzentration. Da Fußball vom Zweikampf lebt, müssen wir unsere Spieler auf eine gewisse Härte vorbereiten. Die Spieler müssen wissen und trainieren, wie sie im Luftduell durch das Stellungsspiel ihren Kopf und die Hände sichern können.

Dazu kommt, dass bei internationalen Spielen jeder Schiedsrichter auf Grund seiner unterschiedlichen Erfahrungen das Zweikampfverhalten anders bewertet. Auch darauf bereiten wir unsere Spieler vor. Die Regeln sind universell, aber ihre Anwendung ist oft sehr individuell.

Das taktische Foul ist eine äußerst sensible Angelegenheit: Da die persönliche Strafe zumeist geringer ausfällt, als der mögliche Nachteil für das eigene Team wiegt, wird es solche Fouls – Auflaufen lassen oder Sperren – immer wieder geben. Das wird weitgehend toleriert. Gezielt trainiert werden Fouls und Schwalben aber in keinem Fall. Ganz abgesehen davon, dass dies gegen den Lehrauftrag verstoßen würde und für einen Trainer charakterlich ein Armutszeugnis wäre: Wer so arbeiten würde, könnte das gleich am nächsten Tag in den Medien wiederfinden. Das bliebe nirgendwo geheim.

Jeder gute Trainer lehnt Fouls grundsätzlich ab. Manche ahnden sie sogar mit Geldstrafen. Aber natürlich nimmt die Bereitschaft zu bedingungslosem Fair Play ab, wo es nur um den Erfolg geht, und je höher der Druck steigt, desto wahrscheinlicher sind Fouls. Wer auf den Platz geht, muss damit rechnen, verletzt zu werden. Dagegen hilft nur, wenn überhaupt, Geschicklichkeit und Cleverness. Das kann man trainieren, ebenso wie psychische Stärke, die wichtig ist, um sich gegen eigene Fouls zu wappnen. Nicht immer geht einem Foul ein Vorsatz voraus.

Festzuhalten bleibt: Das Trikotziehen ist eine Seuche, die verfolgt werden muss. Noch schlimmer ist der zunehmend brutale Einsatz der Ellenbogen. Das hat mit sportlicher Härte, die auch von Trainern durchaus erwünscht ist, nichts mehr zu tun. Ich kenne keinen Trainer, der das befürwortet, aber zu viele, die nichts dazu sagen. Jeder weiß, dass im Profifußball die Sportlichkeit manchmal zu kurz kommt. Trotzdem lohnt es sich, hier mahnend den Finger zu heben. Wer Fouls toleriert, läuft Gefahr, als Mitschuldiger benannt zu werden.

Der Fußballlehrer Christoph Daum analysiert an dieser Stelle täglich die WM.

0 Kommentare

Neuester Kommentar