Sport : „Da kommen 30 000 Leute“

In Indien entsteht eine neue Hockey-Profiliga. Nationalspieler Oliver Korn will dabei sein und spricht über Nächte im Bus, Spielerauktionen und die Gehaltsvorstellungen als Doppelolympiasieger.

Oliver Korn, 28, wurde 2008 und 2012 Olympiasieger. Derzeit spielt er gemeinsam mit Moritz Fürste und Oskar Deecke beim Club de Campo Madrid. Foto: dpa
Oliver Korn, 28, wurde 2008 und 2012 Olympiasieger. Derzeit spielt er gemeinsam mit Moritz Fürste und Oskar Deecke beim Club de...Foto: picture alliance / dpa

Herr Korn, die Hockeywelt spricht derzeit über die neue Liga in Indien. Was wissen Sie über die Hockey India League (HIL), die im Januar starten soll?

Das ist eine vierwöchige Liga mit sechs Teams. Pro Team sind zehn Plätze für Ausländer reserviert, der Rest sind Inder. Es sind jede Menge internationale Topspieler dabei : Jamie Dwyer, der vierfache Welthockeyspieler, Australier, Neuseeländer, Südafrikaner, Deutsche, Holländer, Engländer.

Und Sie spielen auch bald in Indien?

Ja, hoffentlich. Wir haben uns für die Spielerauktion am 7. November angemeldet. Und wir hoffen, da ausgewählt zu werden und dann im Januar in Indien spielen zu können.

„Wir“ heißt: Sie und die beiden anderen Nationalspieler Moritz Fürste und Oskar Deecke, die derzeit auch in Madrid spielen?

Ja, wir drei in Madrid haben das zusammen beschlossen, und der Nico Jacobi vom Uhlenhorster HC ist auch dabei.

Wo genau werden Sie in Indien spielen?

Keine Ahnung, wir lassen uns überraschen. Man kann ja bei jedem dieser sechs Teams landen, darauf hat man keinen Einfluss. Das ist ein bisschen wie in den USA, wenn die Collegespieler im Draft gezogen werden. Die Teams haben einen bestimmten Betrag, den sie für Spielergehälter ausgeben können. Auf der Auktion wählen sie dann ihre Spieler aus.

Aber kann man als Spieler seine Gehaltsvorstellung angeben?

Ja, es gibt vier verschiedene Stufen. Das ist der Startbetrag, mit dem man in die Auktion einsteigt, quasi das Mindestgebot.

Man muss also seinen eigenen Marktwert einschätzen. Welche Stufe haben Sie gewählt?

Die höchste. Den Betrag will ich jetzt nicht unbedingt nennen. Aber wir Deutsche haben uns gesagt: Als Doppelolympiasieger sollte man schon einen gewissen Marktwert haben. Was dann am Ende dabei rumkommt, muss man sehen.

Verdient man in Indien mehr als in Europa?

Definitiv. Die Begeisterung für unseren Sport hat dort eine ganz andere Dimension als in Europa. Ich war bei der WM 2010 da, das war ein tolles Erlebnis. Zu den Spielen kommen bis zu 30 000 Leute. Da können natürlich ganz andere Gehälter bezahlt werden.

Fliegen Sie zur Auktion nach Indien?

Nein, an dem Tag sind wir in Berlin bei Joachim Gauck, da bekommen wir das Silberne Lorbeerblatt. Danach werden wir uns irgendwo schnell ein Laptop suchen, um die Auktion zu sehen.

Gibt es keine Probleme mit Ihrem Verein, wenn Sie im Winter in Indien sind?

In Deutschland ist es tatsächlich nicht so einfach, mal für einen Monat im Ausland zu spielen, da wird man schnell gesperrt. Letztes Jahr gab es die WSH in Indien, die World Series of Hockey. Die läuft dieses Jahr auch wieder, ist aber vom Weltverband nicht anerkannt. Die HIL dagegen schon, und sie fällt auch komplett in die Hallensaison, die für uns in Spanien sowieso nicht so wichtig ist. Da muss man keine Bedenken haben, gesperrt zu werden.

Nehmen Sie jemanden mit, um eine Art bezahlten Indien-Urlaub daraus zu machen?

Nein, das wird kein Urlaub. Ich hatte überlegt, meine Frau mitzunehmen, aber die kann nicht. Und Spieler, die letztes Jahr die WSH gespielt haben, haben mir gesagt, dass es schon eine sehr hohe Belastung ist. Vor allem wegen der unglaublich weiten Reisen. Nach dem Spiel geht es in den Bus, dann fährt man die ganze Nacht durch und spielt am nächsten Tag wieder woanders. Aber darauf freue ich mich auch. Man reist durchs Land und sieht hoffentlich auch ein bisschen was. Es ist doch spannend, Indien von einer anderen Seite zu sehen, nicht nur als Urlauber.

Könnten Sie sich vorstellen, dauerhaft in Indien zu spielen?

Nein, das nicht. Das wäre immer nur ein kurzfristige Sache.

Im Sommer in der Heimat spielen, im Winter in Indien – wird das ein Arbeitsmodell für deutsche Spitzenspieler?

Ich könnte mir schon vorstellen, dass das künftig von noch mehr deutschen Spielern angenommen wird. Ich finde das Gesamtpaket total attraktiv. Es sind vier Wochen Erlebnis vor zigtausend Zuschauern mit jeder Menge Topstars. Und es ist eine gute Gelegenheit, außerhalb der Saison gutes Geld zu verdienen, das muss man schon sagen.

– Das Gespräch führte Christian Hönicke.

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