Sport : Da kommt etwas ins Rollen

Handbiker gewinnen immer mehr Bedeutung

Frank Bachner

Berlin - Das regnerische Wetter war ein Risiko. Errol Marklein hatte extra eine Funkgangschaltung an seinem Handbike installiert, damit würde er Kraft sparen. Das mechanische Schalten kostete zu viel Energie. Aber der 47-Jährige wusste nicht, ob die Elektronik funktionieren würde, wenn es regnet. Es regnete nicht beim Berlin-Marathon, und Errol Marklein aus Mühlhausen hatte genug Kraft gespart, um das Rennen der Handbiker zu gewinnen. Aber es wurde verdammt eng. Neun Mann kämpften im Spurt um den Sieg, alle ausgerüstet mit High-Tech-Material. 6500 Euro kostet das Bike von Marklein, 6000 Euro musste Hartmut Goldapp aus Bielefeld für sein Sportgerät mit den Karbonfelgen bezahlen. Trotzdem wurde der 42-Jährige nur Sechster, knapp hinter Marklein.

Doch es war spannend, und das freute die Biker, die auf ihrem Fahrrad liegen und mit den Händen kurbeln. Sie ringen schließlich um Anerkennung. Jahrelang haben sie um ihre Teilnahme beim Berlin-Marathon gekämpft, erst in diesem Jahr durften sie starten. Sie haben einfach zu große Bedeutung. „Die Zahl der Handbiker wird immer größer“, sagt Goldapp. „Immer mehr Rollstuhlfahrer steigen um.“ Denn „beim Rolli habe ich nur meine Hände. Beim Handbike habe ich aber 27 verschiedene Gänge“. 130 Handbiker starteten in Berlin, aber nur 38 Rollstuhlfahrer. Das liegt allerdings auch daran, dass die besten Rollstuhlfahrer gerade bei den Paralympics sind.

Die Szene teilt sich nun. Passionierte Rollstuhlfahrer haben Angst, dass sie von den Handbikern in den Schatten gerückt werden, zudem gelten Handbiker nicht als klassische Leichtathleten. Marathon aber ist Leichtathletik, und diese Strecke ist eigentlich für Rollstuhlfahrer reserviert. Deshalb sträubten sich die Verantwortlichen beim Berlin-Marathon auch lange, die Handbiker aufzunehmen. Auch jetzt noch hat Reiner Pilz, zuständig für Rollstuhlfahrer und Handbiker beim Berlin-Marathon, ein eher zwiespältiges Gefühl, wenn er an die Handbiker denkt. Denn Handbiker und Rollstuhlfahrer können sich gegenseitig in die Quere kommen. Dann drohen Kollisionen. Passiert ist gestern zum Glück nichts. „Doch 2005 werden wir die Zahl der Handbiker auf 200 limitieren“, sagt Pilz.

Marklein wird dann vermutlich nicht mehr dabei sein. Er will seine Leistungssport-Karriere in diesem Jahr beenden. Doch bei seinem letzten großen Auftritt wollte er nochmal alle Register ziehen. Er überlegte sich, seine Räder zu verkleiden, damit sein Bike aerodynamischer wirkt. Schnickschnack, um die Gegner zu verunsichern. Aerodynamisch hätte das so gut wie nichts gebracht. „Es war psycholgische Kriegsführung“, sagt Marklein. Er hat es dann doch nicht gemacht. Die Funkschaltung als Extra genügte.

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