Sport : Da lacht der Schwede

Wie 50 000 Fans das 1:0 gegen Paraguay feierten

André Görke

Berlin - Als die schwedischen Fans singend dem Ku’damm entgegentorkelten, schlich Zlatan Ibrahimovic langsam zum Mannschaftsbus. „Die Leiste tat sehr weh, das habe ich schon beim Aufwärmen gespürt“, sagte der schwedische Superstar, angesprochen auf seine frühe Auswechslung zur Halbzeit. Ob er gegen Deutschland dabei sei, im Achtelfinale? „Äh, Germany?“, sagte Ibrahimovic, verzog das Gesicht und nuschelte etwas von „Step by Step“. Vorher stehe ja noch ein wichtiges Vorrundenspiel an, oder? „Mal sehen, ob ich erst mal am Dienstag dabei bin“, sagte Ibrahimovic, „gegen England“.

Die schwedischen Fußballer mussten die Euphorie ein bisschen bremsen, die sich an diesem Donnerstagabend breit gemacht hatte. Qualifiziert sind sie noch nicht fürs Achtelfinale. Ein Punkt fehlt ihnen, den sie am Dienstag gegen England holen müssen. Und dennoch war der Optimismus überall zu spüren, auch wenn der weniger der spielerischen Leistung beim 1:0 gegen Paraguay geschuldet war, als vielmehr der Stimmung von 50 000 Schweden im Olympiastadion.

„Absolutely fantastic!“ seien die Fans gewesen, sagte Trainer Lars Lagerbäck, als sich der Jubel nach dem 1:0-Siegtreffer in der vorletzten Minute ein bisschen gelegt hatte. Den entscheidenden Treffer hatte Fredrik Ljungberg von Arsenal London geschossen, der anschließend „einfach nur glücklich war, den großartigen Fans ein Tor geschenkt“ zu haben.

Die Schweden hatten das Stadtbild seit Tagen bestimmt, was nicht nur die Botschaft überraschte, sondern auch die Organisatoren im WM-Stadion. „Auf dem Papier steht: 21 000 Schweden sind im Stadion“, sagte ein Ticket-Organisator und schüttelte den Kopf. „Meine Augen sagen: 50 000 Schweden sind im Stadion.“

Gelbe Kreuze auf blauem Grund, egal wohin man schaute. Auf Bäuchen und Hüten, auf Pobacken und Fahnen. „Die Stimmung ist nicht mehr zu toppen“, sagte der Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, Wolfgang Niersbach, als er die Tribüne gerade verließ. „Wir hätten 85 000 Karten allein nach Schweden verkaufen können, unglaublich, diese gelbe Wand.“ Wie all die Fans an Karten gekommen seien? „Keine Ahnung“, sagte Niersbach.

Der Schwarzmarkt funktioniert. Und weil die Schweden in großer Zahl durch Deutschland reisen und auch wohlhabend sind (und sich übrigens auch über die Bierpreise schlapplachen), lag der Preis pro Kurvenkarte bei 400 Euro. Man kann munter spekulieren, was denn gezahlt werden muss, wenn im Achtelfinale auch die Fans der anderen Mannschaft Karten kaufen wollen. Diese andere Mannschaft könnte Deutschland heißen, und die hat ein paar mehr Fans als die 500 am Donnerstag von Paraguay.

Sollte Schweden Zweiter und die Deutschen Erster werden (oder umgekehrt), spielen sie gegeneinander. Die Skandinavier agierten anfangs gegen Paraguay so konsequent über die Außen, dass ihr Spiel englischer wirkte als das der Engländer. Allerdings wurde aus dem englischen Spiel der Schweden schnell ein deutsches: Nach immer ratloseren Versuchen, ein Tor zu erzielen, fiel in der 89. Minute endlich der Treffer. So hatten am Tag zuvor schon die Deutschen Polen besiegt.

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